Der Bundtschu

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Textdaten
Autor: Pamphilus Gengenbach
Titel: Der Bundtschu
Untertitel: Diß biechlein sagt von dem bösen fürnemen der Bundtschuher, wye es sich angefengt geendet vnd aus kumen is
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Entstehungsdatum: 1514
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Erscheinungsort: Augsburg
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Quelle: Commons, MDZ München
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VD16 G 1171
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[1]
Der Bundtschu
Diß biechlein sagt von dem bösen
fürnemen der Bundtschuher / wye es sich
angefengt geendet vnd aus kumen ist.


Der Bundtschu b 1.jpg
R S F


Pamphilus Gengenbach
Nyt me yetzundt ist mein beger
Ob yenen ainer vom bundtschu wer
Dem da für kem dieß schlecht gedicht
Bit ich er wels verachten nicht
So kumpt er nit yn solche not
Als mancher yetz ist bliben todt
Vngehorsam gott vngestrofft nit lot

[2]

Ain vorrede yn Bundtschu.
So ich betracht yetzund die welt
fynd ich ain ding dz mir mißfelt:
Das ist die groß vngehorsamkait
Die in der welt ist weit vnd brait
Nyemands me wil gehorsam sein
Ain yeder macht noch geduncken hyn
Kain oberkait sech man me an
Darumb es müß so übel gan
Als wir hören von tag zü tag
Das ist worlich ain grosse clag
So vil zwitracht als yetzund ist
Vnd sich erhebt zů aller frist
Was grossen
übels
vngehorsamkait
bringt.
Bey Fürsten herren nit allain
Sunder in Stetten ist gemain
die burger seind wider den Ratt
Des mancher kumpt in grosse natt
Verlürt seia lein / eer vnd gůt
Vngehorsamkait thet nie kain gůt
Wa es sych wůrtzelt in ainer stat
Der pollicy gar bald ab gat
Des gleich die Pauren auff dem Land
Wan yetz vngehorsam sein allsand
Sye fiengen ee ain Bundtschu ann
Ob sie das weren vnderthan
Nyemands me halten wil sein stat
Der pauwer dem edelman gleich gatt
Vnd wirt die pryesterschafft veracht
Ain yeder nun yetzund betracht
Wye er den anderen vndertruck
All billichait schlecht man zů ruck
Ain yeder her wer geren selber her
Der priesterschafft büet man kain eer
Die doch von got so hoch ist gabt
Als on manchem ortt geschrieben statt
Kain stat so hoch ich yetzund findt
All sandt sie vnderworffen seindt
Der pryesterschafft solt nemen acht
Got hat sie geordnet vnd gemacht.

[3]

Das sie sollt tragen unser sünd
Luce 5.6.Beym aussetzen ich das klärlich find
Luce 17Den got hat selber gemacht gesundt
Vnd im gebot zůr selben stundt
Dem pryester sich erzaigen solt
Darumb ich euch in treüwen rat
Welcher wil gottes hulden hann
Darzů auch lang auff erden gan
Der entbyet den pryestern zucht vnd eer
Von Christus nym ain gutte leer
Vnd straff sie nyt an kainem ortt
Math. 10. c.Im ewangelio hast wol gehort
Der junger nyt über sein maister ist
Auch lert er vnß in kurtzer fryst
Ob sye schon seynd böß oder gůt
Gegen jn halt dich allzeit jn hůt
Math. 23. a.Dan er vnß do anzaygen wyl
Auff dem stůl Moysi sassen vil
Schreyber vnd gleyßner solt verstan
Seynd sie schon böß got dich neijt an
Ir obern sie solt straffen lan
Weyter soldu auch mercken mer
Sye kummen auch von Noe her
Nach dem got lyeß die welt zergon
Bleyben auff erd nün acht person
Das was Noe mit seim geschlecht
Nach dem sindfluß mercken mich recht
Der hat drey sün Sem / Japhet / Cham
Da her dyß welt den vrsprung nam
Der priester / adel / vnd der knecht
Diß drey kummen von Noe geschlecht
Gehorsamkayt da ain vrsprung nam
Noe der hat ain sun hyeß Cham
Da er ains mals lag vnd schlieff
Gif. 6. c.Gar bald Cham seinen brüdern rieff
Zaygt jn wie er entblöset was
So bald Noe vermerckt das
Das er jn do verspottet het
Berůff er sein bruder Sem Japhat

[4]

Vnd an aym feyertag holtz auff laß
Ward er gefürt für Moysi dar
Vnd versteynget von der iuden schar
Gene. 3. ca.Vngehorsamkait mercken mit fleyß
Styeß Adam auß dem paradeyß
Vnd braht dye kynder von Israhel
Exodi. 1. b.In Pharao gewalt vnd grosse quel
Das sych Jherusalem wyderspart
Dem gebot gottes sye zerstöret wardt
Nûn hastu vil der beyspil gnüg
Darumb gar eben für dich lüg
In gehorsamkayt[1] solt allzeit stan
So mag es dir nit übel gan
Vnd wirt dir got gebüeden lon
Das ist gesagt als in ainer gemain
Und auch den pawren nit allayn
Sunder den burgern in der statt
Das sye gehorsam sein dem ratt
Vnd auff ainander haben acht
So ist got bey yn tag vnd nacht
Psal. 126.Dan wo got nit beschirmpt ain statt
Ist verloren all hůt dye man da hat

Der vrsprung des bundtschuchs wie sich der selb angefengt vnd auß kummen ist.

DA man zalt nach der geburt vnsers hern Jesu Cristi M.ccccc.xiij.iar / Hat sich begeben dz in aim dorff genant Leen[2] jn dem Pryeßgaöw gelegen / Ist gewesen ayn brot beck knecht mit nam Hyeronim’ / bürtig auß der Etsch / vnd aynander mit namen / Jost frytz der hauptsächer vnd anfenger des handels / Dye zwen seind offt vnd dick zůsamen gangen mit etlichen per-sonen meer / geredt von dem Bundschů wie sye den zů wegen brechten vnd jn auff das aller glimffigist für legten da mit er ain für gang het Vnd ist das ir für geben gewesen / wan sie zû eym seint kumen der sie dar zů füglich gedunckt seind sie mit disen für worten an in kümen / so ferr vnd er ayn haling halten wolt vnd jn behilfflich wolt seyn wolten sie im ayn ding sagen / dz da götlich erlich im vnd den seynen vnd den gantzen land nützlich wer Dar zů etlicher gesprochen so das götlich vnd erlich wer wolt er jn dar zů behylfflich sein / Also haben sie jn enden handel entblößt / Vnd ist diß ir maynung gewesen / das sie fürter hin kaynen herren wolten mer haben vnd gehorsam seyn dan allain dem kaiser vnd dem bapst.

zů dem andern das holtz vnd wasser auch als gewild sol frey sein /

Zů dem driten dz sie alle zynß [5] vnd gült so ir hauptgut haben eingenomen abthůn vnd fürter hyn nit me verzinßen

Zů dem fierden wellen sie machen dz ain yeder pryester nur ain pfründ sol haben

Zů dem fünfften wellen sie den zinß vnd gült der klöster so sie zů überflüß haben zů iren handen nemen da mit sie vnd ire kindt dester baß auß kumen mögen

Zů dem sechsten wellen die das niemand den andern solch recht erfordren dan vor seinem richter da er gesessen ist

Zů dem sybenden das alle ladbryeff / manbrieff / banbrieff / fürter hin nitt mer söllen angenomen werden

Zů dem achten dz / das Rotweilisch gerichtt[3] kain krafft mer sol haben

Zů dem neünden all die mit inen dran sein wellen sye bey den iren lassen

Zů dem zehenden welcher sich wyder ir fürnemen setzt wellen sye zů todt schlagen / die artickel vnd etlich mer hye auff das kürtzest gesatzt haben sye ain ander auff der hartmatten für gehalten / auch da fänrich vnd hauptleüt gemacht / vnd ist ob gemelt Jost fritz der hauptsacher hauptman worden vnd jacob hauser fänrich / wie wol er sich des widert angesehen seiner armut vnd es auch nye gebraucht het / auff das jm jost fritz antwort / wan ir fürnemen ain für gang het wurd er wol beklaid werden Als er sich nůn des ergab leten sye an ain stür vnder inen zů dem fenlin / ratschlagent auch weiter von dem wortzaichen so ainer zů dem andern kem / vnd was das dz wortzaichen Gûter gesel was ist dein wesen / der arman mag mime genesen Doch ward nütt entlich von disem wortzaichen beschlossen / In dysen dingen gieng jost fritz und das alt’ vögtlein von lehen gen Freiburg vnd kamen zů aim’ moler vnd gaben jm das fenlein an zemachen / also das an dem fenlein solt sein ain crucifix vnser fraw vnd sant Johan / vnd das zaichen des bäpst / vnd kaisers vnd ain pawer vnd ain paürin mit ainem bundschů mit guldnen riemen Als nun der moler hort von dem bundschu erschrack er vnd forcht es gieng nit recht zů wolt nüt mitt in beschlyssen / sunder hyß her wider kumen / vnnd bracht das weiter / was aber Jost fritzen bedaucht er macht sych dar von byß gen helbrun da kam er zů aim moler sagt im auch des gleich von dem paner / antwort im der moler / ich hab alwegen gehört es sol ain bundschu auffstan / zu den Jost fritz nit also ich hab das verhaisen in krieges leüffen / vnd wil es bringen vnser frawen gen ach / bin ains schumachers sun / darumb ich wil ain bundschu darin haben / also ward der moler über red vnd macht ym das fenlein

In diesen dingen begab sich zů Biengen jm dem preyßgöw drey dreschen in ainer schwer fůr welche ain biderman kam fragende nach dem pauren des hauses dem antwort ainer vnd zaigt jm wo er fünd Der ander dräscher ward zornig sprach / wie darfest du jm zaigen / waist nit ob er in gutem oder bösem fragt des im der biederman antwortt er fragte ynn kainem bösen / also gieng er hyn weg / diesen zwen dräscher wörtleten so lang mit ain ander vnd biß dz der so den pauren gezaigt hat den andern zů tod schlůg macht sich von dannen [6] vnd kam gan / Eylmeltingen in der marggraffschafft kort da in das wirtshaus in claget da dem wirt sein anlygen fragend ob er sicher da wer den der wirtt antwort / so wer niemandt kem der an ruffte vmb rechtt wer er sicher / zů den / der dräscher sprach / so ver ich sicher vnd glayt hett von meim gnedigen heren wolt ich jm ain ding sagen das seinen gnaden vnd den gantz landschafft nütz vnd gůt wer / des antwert im der wiertt / das wolter im zü sagen frey sycher gelayt zů im vnd wyder an seine gehorsame / Also fieng er an vnd sagt von dem Buntschû wie dan vor gehört ist / vnd wie er auch ainer wer vnd wo mans nit fürsech so wirt auff byenger kylch wi ain groß volck zůsamen kem auff sollichs / Der wiert sprach döefftest du mir der wortt gestan vor meinem gnedigen herren als du sye mir du für gehalten hast / es ist nit ain klaine sach / bedenck dich gar wol was du redest ich wil dich vnerfert haben Als es nůn morgens begundt tagen gieng der wirt zů dem dröschen über das bet vnd sprach / gůtter gesel / bist du auch noch in gedenck der wortt so du nächten geredt hast / vnnd darfst mir der gestendig sein vor meinem gnedigen herren / dem margraffen / antwort der drösch ia / was ich nächten red red ich auch heüt / vnd wils auch also reden vor meinem gnedigen herren / Also gieng der wirtt vnd der drösch mitainander gen Rötelen auff das schloß / da dan zů dem selben mol margraff Philips von Baden selb persönlich war vnnd sagt im der dräsch / die sach von wort zů wort wy ers dem wirt hat gesagt das ich darbei laß bleiben / Als nun Jost frytz als ain hauptsacher des buntschuchs vnd haupman zů dickeren mol auff der hartmaten mitt seinem gesellen gewesen doch allweg ir mainung wan ir würden .cccc.wolten sy die sach angreiffen doch wolten sye K. M. nemlich ir furnemen für halten vnnd so er sie darbei hanthaben / wolten sye jn für iren ober herren haben wer aber das selb nit / wolten sye ain gemain aidgnoschafft anruffen / in den würden die von Freiburg gewarnet die grosse gut heten / Da das selb Jost frytz vermerckt / berufft er seine gesellen wieder auff die hartmatten / hilt inen für er forcht die sache wer auß kummen / dan die von Freiburg heten die grosse hůt / darumb sye wolten yetzund stil stan vnd nit weiter handlen in iren fürnemen / Dochnam er sye da in aid ain heling zehalten / Als nun aber die von freiburg vnd margraff Philips von Baden etlich gefencklich angenomen / Wych Jost frytz / Jacob hauser der fänrich vnd seiner gesellen noch ainer vnnd kamen gen Lyechstal vnnder der herrn von Basel gebyt / da sye dan gefencklich würden angenemen / doch entran der recht haubtsacher Jost frytz / der da das fänlin bey in hat / vnd würden die zwen gen Basel gefürt vnd da gericht den got gnedig vnd barmhertzig wol sein / Got wel auch all gůtt frum biderleüt behüten vnnd beschirmen vor semlichen bösen fürnemen vnd inen geben erkantnuß der gehorsamkait.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: gehomrsakayt
  2. w:Lehen (Freiburg im Breisgau)
  3. Gericht zu Rottweil