Längen- und Breiten-Bestimmungen aus Aegypten
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XII.
Längen- und Breiten-Bestimmungen aus Aegypten.
Aus einer Zuschrift des Herrn Richard Kiepert an die Redaction.
Kairo, den 21. März 1870.
Da wir bisher eigene Beobachtungen noch nicht gemacht haben können, so nehme ich mir die Freiheit, Ihnen wenigstens etwas Fremdes zu senden: Breiten- und Längenbestimmungen aus Aegypten, die Sie nicht verachten mögen. Denn wie wir uns hier sattsam zu überzeugen die Gelegenheit hatten, sind die bisherigen Karten von Aegypten noch sehr mangelhaft und weit von dem wünschenswerthen Ziele entfernt. Jede, auch die kleinste Berichtigung ist von Werth. Zudem ist der Autor nachstehender Beobachtungen, der Rittmeister Victor zur Helle aus Wien, im Begriff, nach Mesopotamien, Südpersien, Urmia-See, Balutschistān, Indien etc. mit Instrumenten reichlich versehen, abzugehen, und hat mir versprochen, seine Routiers und astronomischen Bestimmungen der Redaction der Berliner Gesellschaft für Erdkunde einzusenden. Hier in Aegypten sind eine Menge von Specialarbeiten über das Land vorhanden, aber schwer zu erlangen. Alles zeigt aber die Unzuverlässigkeit der Linant’schen Karten. Zuverlässiges ist schwer zu erfahren; vor allen sind die französischen Karten des Isthmus und des Canals wenig empfehlenswerth, da sie fruchtbares Land mit Städten und Canälen da angeben, wo elende Wüste mit kleinen, trockenen Gräben und Holzbaracken liegen. Ueber die Umgend von Kairo existirt, ebenso wie über Alexandrien eine Aufnahme Mahmud Bei’s. Doch auch diese sind durch die kolossalen [256] Aenderungen, welche die Physiognomie des Landes durch den Vicekönig erfährt, schon theilweise wieder unrichtig. Hier wird ein Nilarm zugeschüttet; die veränderte Strömung spült wie z. B. in Bulak, wo das Museum selbst bedroht ist, große Strecken Landes weg, und nun soll halb Bulak verschwinden und einem riesigen Quai Platz machen. Und so in vielen Fällen, namentlich im Delta. Als wir gestern unter Brugsch’s Leitung in Memphis waren, galoppirten wir ½ Stunde über Terrain, wo früher der Nil floß u. s. w. Wie falsch sind da unsere Karten! ..... Zusammenstellung der Beobachtungen.
Die folgenden Daten wurden auf der Reise von Wadi Halfa nach Kairo im Winter 1870 gesammelt. Instrumente: Sextant von Stärke und Kammerer in Wien – Taschenchronometer von Mermod in Genf – Künstlicher Quecksilberhorizont ohne Dach. – Der tägliche Gang des Chronometers betrug während der Reise –0.39s – Die Länge von Luqsor mit 2h 10m 37s als Basis angenommen betrug daselbst den 16. Februar der Stand gegen Greenwich +26s. Einzelne Höhen wurden nach ![]() die Mittagsverbesserung bei correspondirenden Höhen nach Gebel Abusir.
Felsen am zweiten Cataract (linkes Ufer).
Doppelte scheinbare Höhe des Polarsterns den 14. Januar 15h 24m des Chronom. 41° 3′ 25″. Lufttemperatur 8° R. – Indexfehler 3′ 15″ abzuziehen. [257] Daraus nach den Tabellen im Nautical Almanac gerechnete Breite 21° 40′ 27″. Abwechselnde Berührung der oberen und unteren Sonnenränder im Horizont den 14. Januar
Lufttemperatur 8°.5 R. – Indexfehler wie oben. Danach Stand der Ortszeit gegen Chronometer2h 3m 31s.5.
Stand des Chronometers gegen Greenwich
38s.5.
Oestliche Länge von Greenwich
2h 4m 10s.
Abu Simbel.
Der kleine Tempel.
Sonnenhöhe im künstlichen Horizont wie oben den 17. Januar um
Lufttemperatur 9° R. – Indexfehler wie oben. Danach Stand der Ortszeit gegen Chronometer2h 5m 33s.4.
Stand des Chronometers gegen Greenwich
37s.6.
Oestliche Länge
2h 6m 11s.
Mittagshöhe des unteren Sonnenrandes im künstlichen Horizont den 18. Januar 0h
93° 47′ 30″.
Lufttemperatur 17° R. – Indexfehler wie oben. Breite aus der Mittagshöbe22° 19′ 44″.
Tempel Amada.
Mittagshöhe der Sonne wie oben den 20. Januar 0h
93° 52′ 25″.
Lufttemperatur 18°.5 R. – Indexfehler wie oben. Diameter 32′ 35″.
Breite
22° 41′ 41″.
Sonnenhöhen wie oben den 19. Januar
[258] Lufttemperatur 15° R. – Indexfehler wie oben. Stand des Chronometers gegen Ortszeit2h 7m 42s.5.
Gegen Greenwich
36s.5.
Oestliche Länge
2h 8m 19s.
Tempel Kalabsche.
Mittagshöhe der unteren Sonnenränder im künstlichen Horizont den 24. Januar 0h
94° 3′ 10″.
Lufttemperatur 22°. 5 R. – Indexfehler wie oben. Daraus Breite23° 30′ 39″.
Sonnenhöhe wie oben den 23. Januar
2h 10m 42s.
Gegen Greenwich
35s.
Oestliche Länge
2h 11m 17s.
Philä.
Der große Tempel.
Mittagshöhe des unteren Sonnenrandes d. 26. Jan.
0h 94° 4′ 55″.
Lufttemperatur 25° R. – Indexfehler 3′ 15″ abzuziehen. Breite24° 1′ 10″.
Sonnenhöhen wie oben den 25. Januar
[259] Lufttemperatur 22° R. – Indexfehler wie oben. Daraus Chronometer gegen Ortszeit2h 10m 54s.5.
Correspondirende Sonnenhöhen fanden statt den 25. Januar
2h 11m 7s.
Mittel aus beiden Ständen
2 11 1
Stand gegen Greenwich
36
Oestliche Länge
2h 11m 37s.
Tempel Edfu.
Mittagshöhe des unteren Sonnenrandes den 1. Jan. 0h
83° 33′ 45″.
Lufttemperatur 18° R. – Index 6′ 20″ abzuziehen. Breite25° 0′ 2″.2.
Sonnenhöhen den 1. Februar
Lufttemperatur 20°.5 R. – Index 3′ 15″ abzuziehen. Stand gegen Edfu2h 11m 23s.
Stand gegen Greenwich
31
Oestliche Länge
2h 11m 54s.
Luqsor.
Das Haus des Herrn Smith.
Mittagshöhe des unteren Sonnenrandes den 17. Februar 0h
104° 13′ 10″.
Lufttemperatur 21°.5 R. – Index 3′ 15″ abzuziehen. Breite25° 41′ 6″.1.
Herr Smith in Luqsor[1] fand als Mittel aus 9 Beobachtungen mit einem unvollkommenen Instrumente die Breite 25° 41′ 33″.2. Die von der Société géographique gegebene Breite 25° 42′ 55″ scheint unrichtig. [260] Die Zeitbestimmungen, welche Herr Smith seit 6 Jahren ununterbrochen mit Dipleidoscop, Fernrohr und gutem Chronometer sehr eifrig angestellt hat, ergeben für Luqsor 2h 10m 36s.8 östliche Länge von Greenwich. Herr Smith gab mir folgende Daten zu einer im Jahre 1863 hier während einer Mondfinsterniß von ihm beobachteten Sternbedeckung, aus der sich die Länge mit großer Genauigkeit feststellen ließe, die er aber wegen Mangels der damaligen Ephemeriden nicht selbst der Rechnung unterziehen konnte: 1863, 1. Juni, 13h 21m 51s mittlere Luqsor-Zeit wird ein kleiner Stern in Sagittarius bedeckt; Wiedererscheinen 14h 10m 38s. Den Stern konnte Herr Smith nicht bestimmen. Ende der Finsterniß in Luqsor 15h 16m 17s. – Genauigkeit 5 Sekunden (?). Aus der Vergleichung meines Chronometers mit dem des Herrn Smith den 16. Februar Mittags: Stand des Chron. gegen Ortszeit 2h 9m 51s. Sonnenhöhen den 16. Februar
Lufttemperatur 22° R. – Index 3′ 15″ abzuziehen. Stand hieraus gegen Ortszeit2h 11m 31s.
Mittel
2h 10m 11s.
Stand gegen Greenwich
26
Oestliche Länge
2h 10m 37s.
Karnak.
Der Obelisk im großen Tempel.
Correspondirende Sonnenhöhen fanden statt den 14. Febuar um
[261] Lufttemperatur 23° R. Stand des Chronometers gegen Ortszeit2h 11m 7s.
Stand des Chronometers gegen Greenwich
26
Oestliche Länge
2h 11m 33s.
Abydos.
Der Sethostempel.
Mittagshöhe, untere Ränder den 20. Februar 0h
105° 22′ 0″.
Lufttemperatur 25° R. – Index 2′ 40″ abzuziehen. Breite26° 10′ 27″.5.
Sonnenhöhen den 19. Februar
2h 5m 58s.
Stand des Chronometers gegen Greenwich
24
Oestliche Länge
2h 6m 22s.
Anmerkungen
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gerechnet. Ephemeriden wurden aus dem Nautical Almanac genommen.