MKL1888:Arnsberg

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MKL1888:Arnsberg in Meyers Konversationslexikon

Originalseite(n):
861 & 862

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Arnsberg, Hauptstadt der ehemaligen Grafschaft, jetzt des gleichnamigen preuß. Regierungsbezirks in der Provinz Westfalen, liegt an einem Berg, der auf drei Seiten von der Ruhr
Wappen der Stadt Arnsberg (MKL 1888).jpg
umflossen wird und auf seinem Gipfel die Ruinen des alten Stammschlosses der Grafen von A. trägt, und an der Linie Schwerte-Scherfede der Preußischen Staatsbahn, ist Sitz der Regierung, einer Oberpostdirektion, eines Land- und Schwurgerichts (s. unten), eines Amtsgerichts, eines Landratsamts, eines Hauptsteueramts, einer Handelskammer etc., hat 1 kath. Gymnasium, 2 katholische und 1 ev. Kirche, 1 Eisenbahnreparaturwerkstätte, Papier- und Holzstofffabrikation, 1 Gas- und Wasserleitung, 1 Dampfmahlmühle und (1880) 6131 Einw., darunter 1199 Evangelische und 117 Juden. - Der Hof A. befand sich schon Anfang des 11. Jahrh. im Besitz der Grafen von Werl, der Vorfahren der Arnsberger Grafen, und 1164 erscheint A. bereits als Stadt. Im 13. Jahrh. erhielt es Mauern und wurde Mitglied der Hansa; auch war hier ein Hauptstuhl der Frei- oder Femgerichte. Nach der Besitznahme durch Köln (1368) wurde A. häufig Residenz der Kölner Kurfürsten sowie Sitz der westfälischen Kanzlei und der Landtage. Die ehemalige Grafschaft A., im Zentrum des Herzogtums Westfalen, etwa 1000 qkm groß, von der Ruhr und Möhne durchströmt, jetzt unter die preußischen Kreise A. und Meschede verteilt, umfaßte wahrscheinlich den alten sächsischen Gau Engern (Pagus Angaria) und ward von Grafen verwaltet, die sich seit dem Ende des 11. Jahrh. nach A. benannten. Unter ihnen ist am bedeutendsten Friedrich der Streitbare (gest. 1124), ein Enkel Ottos von Nordheim; er begleitete 1110 Heinrich V. nach

[862] Italien, empörte sich 1114 im Bund mit Kurköln gegen denselben, unterwarf sich dann aber. Mit seinem Schwiegersohn Graf Gottfried von Cuyk folgte die weibliche Linie in der Grafschaft; einer seiner Nachkommen, Gottfried IV., verlor in einer Fehde mit dem Grafen Engelbert von der Mark seine Grafschaft, erhielt sie zwar wieder, verkaufte sie aber 1368, da er kinderlos war, an Kurköln. Während die Hauptlinie 1371 erlosch, blühte der Zweig Rietberg (s. d.) bis 1564. Die Grafschaft war fortan ein zum sogen. Werlschen Quartier gehöriger Teil des Kölner Herzogtums Westfalen, wurde mit diesem 1802 an Hessen abgetreten und kam ebenso 1815 an Preußen. Vgl. v. Lilien, Statistik des Kreises A. (Arnsb. 1876). - Der Landgerichtsbezirk A. umfaßt die 19 Amtsgerichte zu A., Attendorn, Balve, Berleburg, Bigge, Brilon, Burbach, Förde, Fredeburg, Hilchenbach, Kirchhundem, Laasphe, Marsberg, Medebach, Meschede, Neheim, Olpe, Siegen und Warstein.

Der Regierungsbezirk Arnsberg (s. Karte "Westfalen") umfaßt 7697 qkm (139,81 QM.) mit (1880) 1,068,141 Einw., davon 592,785 Evangelische, 461,996 Katholiken und 9495 Juden, und zerfällt in die 16 Kreise:

QKilom.      QMeilen      Einwohner      Einw. Auf      
1 QKil.
Altena 664 12,07 66129 100
Arnsberg 677 12,29 40848 60
Bochum (Stadt) 6
6,52
33440 -
Bochum (Land) 354 203388 575
Brilon 789 14,33 37866 48
Dortmund (Stadt)      28
8,04
66544 -
Dortmund (Land) 415 117185 282
Hagen 417 7,57 125182 300
Hamm 453 8,22 67082 148
Iserlohn 331 6,01 61000 184
Lippstadt 500 9,08 37199 74
Meschede 781 14,18 35302 45
Olpe 618 11,22 34142 55
Siegen 647 11,74 71425 110
Soest 530 9,62 51057 96
Wittgenstein 487 8,9 20352 42
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