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MKL1888:Safařik

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Safařik“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Safařik“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 14 (1889), Seite 166
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Safařik. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 14, Seite 166. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Safa%C5%99ik (Version vom 16.05.2024)

[166] Safařik (spr. schafarschik, Schafarik), Paul Joseph, tschech. Gelehrter, geb. 13. Mai 1795 zu Kobelarowa im ungar. Komitat Gömör, studierte 1810–1815 im Lyceum zu Käsmark Theologie, sammelte frühzeitig slowakische, den tschechischen nahe verwandte Volkslieder und schrieb für tschechische Zeitschriften. Seit 1815 widmete er sich in Jena neben seinem theologischen Fachstudium der Philologie, Geschichte und Philosophie, übersetzte die „Wolken“ des Aristophanes und „Maria Stuart“ ins Tschechische und trat mit Prager Gelehrten in Verbindung. Nach zweijährigem Aufenthalt daselbst nahm er eine Hauslehrerstelle in Preßburg an und wurde 1819 von dem serbischen Patriarchen zum Gymnasialdirektor in Neusatz ernannt. Hier beschäftigte er sich eifrig mit dem Studium der südslawischen Litteraturen und vergleichender Grammatik und gab seine ersten wichtigern Schriften in deutscher Sprache heraus. Da ihm jedoch seine Stellung durch widrige Verhältnisse verleidet wurde, siedelte er 1833 nach Prag über, wo ihm Palacky, Jungmann, Presl u. a. durch freiwillige Beiträge eine bescheidene Einnahme für fünf Jahre sicherten. In den beiden nächsten Jahren verfaßte er sein Hauptwerk, die „Starozitnosti slovanske“, welches zwei Jahre später im Verlag des Vereins Matice česka erschien. 1837 erhielt er das Amt eines Zensors und übernahm gleichzeitig die Redaktion der Zeitschrift des böhmischen Museums. Inzwischen hatten seine Forschungen großes Aufsehen erregt. Nachdem er bereits 1836 eine Berufung nach Moskau erhalten, wurde ihm 1840 die slawische Lehrkanzel an der Berliner oder Breslauer Universität angeboten. Er hielt sich jedoch für verpflichtet, in Prag zu bleiben, und wurde 1841 zum Kustos an der Prager Universitätsbibliothek ernannt. 1848 erhielt er die auf seinen Vorschlag an dieser Universität errichtete Professur der slawischen Philologie, die er jedoch schon im folgenden Jahr wieder aufgab; das Zensoramt hatte er bereits 1847 niedergelegt. Er teilte nun seine Zeit zwischen wissenschaftlichen Arbeiten und seinem Bibliothekaramt, welches ihm indessen bis zu dem Grad verleidet wurde, daß man ihn verdächtigte, die Bibliothek durch gänzliche Unordnung zu ruinieren. Obschon ihn die amtliche Untersuchung vollkommen rechtfertigte, wurde doch durch diese Angelegenheit und durch Familienunglück sein Gemüt umdüstert. Am 23. Mai 1860 stürzte er sich in die Moldau, wurde zwar gerettet, starb aber 26. Mai 1861. Sein Hauptwerk, die „Starozitnosti slovanske“ („Slawische Altertümer“), welches alsbald in die meisten fremden Sprachen übersetzt wurde, bekundet eine außergewöhnliche Bildung und galt lange Zeit als die maßgebende Quelle für die Urgeschichte der slawischen Völker bis zum 10. Jahrh. Durch seine „Pocatkove staroceske mluvnice“ wurde er für die tschechische Grammatik epochemachend. Sonst sind noch zu erwähnen: „Geschichte der slawischen Sprache und Litteratur“ (Pest 1826); „Serbische Lesekörner“ (das. 1833); „Die ältesten Denkmäler der böhmischen Sprache“ (mit Palacky, Prag 1840); „Geschichte der südslawischen Litteratur“ (hrsg. von Jirecek, das. 1864–65, 3 Bde.). Die „Gesammelten Werke“ Safařiks erschienen Prag 1862–65.