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Unwürde.
Der bekannteste und merkwürdigste Besitzer Unwürdes aus dem Geschlecht der Nostitze, war unbedingt Dr. Abraham Ulrich von Nostitz, kaiserlicher Majestät Rath und erster Landeshauptmann der Oberlausitz, welcher bei dem sogenannten Pönfall des Sechsstädte eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Es wird unseren Lesern nicht uninteressant sein, wenn wir Ihnen hier eine Darstellung dieses Ereignisses geben, welches in der Geschichte der Lausitz, und namentlich der Sechsstädte, von grosser Bedeutung ist. König Ferdinand von Böhmen, der Bruder Kaiser Karls V., hatte im Jahre 1546 den Ständen der beiden Markgrafthümer Ober- und Niederlausitz ernstlich verboten, dem Churfürsten von Sachsen, Johann Friedrich dem Grossmüthigen, welcher an der Spitze des Schmalkaldischen Bundes stand, irgend wie Beistand und Unterstützung zu gewähren, und dieses Verbot sogar durch öffentlichen Anschlag zur allgemeinen Kenntniss bringen lassen. Dagegen verlangte der König dass Land und Städte für den Dienst in des Kaisers Heere Knechte und Reiter anwerben, solche mit der nöthigen Ausrüstung versehen und sammt den nöthigen Munitions- und Proviantwagen nach Dobrilugk in der Niederlausitz, senden sollten, von wo die neugeworbenen Truppen nach Sachsen marschirten. Nun wurde diesem königlichen Befehle zwar überall willig Folge geleistet, und eine nicht unbeträchtliche Macht zusammengebracht und wohl ausgerüstet, als aber das Contingent der Sechsstädte (Budissin, Görlitz, Zittau, Löbau, Lauban und Camenz) den Marsch nach Dobrilugk antreten sollte, beschlossen die Städte bei den gefährlichen Zeitverhältnissen, eine so wohl ausgerüstete und tüchtige Truppe für jetzt noch zur eigenen Sicherung zurückzubehalten, und abzuwarten ob man ein zweites Mal das Verlangen einer Verstärkung des kaiserlichen Heeres an sie stellen würde. Da nun die Böhmischen Stände sich geweigert hatten, Carl V. gegen den Churfürsten Johann Friedrich zu unterstützen, dieser aber am 24. April 1547, von den Kaiserlichen bei Mühlberg an der Elbe geschlagen und gefangen worden war, eilte König Ferdinand mit seinem Kriegsvolke racheglühend nach Böhmen zurück, und übte gegen die Widersetzlichen schwere Vergeltung. Da ausser den Sechsstädten fast alle übrigen Gemeinden der Lausitzen ihre Bewaffneten nach Dobrilugk geschickt hatten, so traf der Zorn des Königs hauptsächlich die Sechsstädte, und weil unter den Räthen Ferdinands sich verschiedene den Sechsstädten, feindlich gesinnte Herren befanden, wurde der Monarch immer mehr in der Meinung bestärkt, die Böhmen wie die Lausitzer, als des gefangenen Churfürsten Religionsverwandte, hätten für Johann Friedrich Parthei gehalten, und keinesweges aus Besorgniss vor eigener Gefahr die befohlene Unterstützung verweigert. Am 9. August 1547 empfingen die Sechsstädte eine strenge Citation, wegen gewisser schweren Verbrechen gegen ihren König, Deputirte des Rathes und der Bürgerschaft nach Prag zu schicken. Sie sollten am 1. September an kaiserlicher Gerichtstelle eintreffen, und alle von den vormaligen Kaisern, Königen und Markgrafen erlangten Freibriefe, Privilegien und Zunftbriefe mit sich bringen. Das königliche Schreiben verursachte bei den Sechsstädten keinen geringen Schrecken. Demüthige Suppliken wurden an den erbitterten Herrscher abgeschickt, man berief sich auf die bisher gehaltene Treue und Erfüllung aller Unterthanenpflichten, aber Ferdinand liess sich nicht besänftigen, sondern verlangte Gehorsam. Voller Angst und Betrübniss trafen die Deputationen am bestimmten Tage in Prag ein, und reichten nochmals ein Gnadengesuch ein |
G. A. Poenicke: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section. Leipzig 1859, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Ritterg%C3%BCter_und_Schl%C3%B6sser_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_III.djvu/27&oldid=1171050 (Version vom 14.07.2010)