Seite:Badisches Sagenbuch II 143.jpg

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Denn er fand nie Geschmack am Saft der Gerste,
Geschweig’ denn an altteutschem Bier.

Er hätte gern den ganzen Erdenglobus

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Mit Einem Weinzelt überrankt;

Drum sey dem wackern Nagelprober Probus
Mit lautem Lebehoch gedankt! –

Der Kaiser hielt ein Dutzend Lieblingsaffen; –
Doch nicht genug in strenger Zucht;

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Drum fraßen eines Tages die Schlaraffen

Ihm seine schönste Rebenfrucht.

Zur Züchtigung für solcher Naschgier Sünden
Ließ derb er durchkarbatschen sie;
Fluggs da beschloßen sie, nun selbst zu gründen

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’ne eigne Weinbaukolonie.


Sie flüchteten mit Setzlingen von Reben
Sich in ein sonnig Nachbarthal;
Das sah man bald verlockend sich durchweben
Mit Purpurtrauben ohne Zahl.

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Dort schwelgten sie bei Obst und süßem Moste

Von Morgens früh zur tiefen Nacht,
Bis einst von einem teutschen Winterfroste
Sie Alle wurden umgebracht. –

Doch ihre Geister gehn seitdem im Thale

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Und in der Nachbarschaft umher,

Und führen oft den Zecher vom Pokale
Irrlichterisch die Kreuz und Quer.

Wer ist so sehr der Kirchenwaffen Meister,
Daß solchen Spuck er bannen kann?

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Versucht hat’s Mancher schon – die Affengeister,

Sie hielten bald ihn selbst im Bann.

A. Schzlr.
Empfohlene Zitierweise:
August Schnezler (Hrsg.): Badisches Sagen-Buch 2. Band. Kreuzbauer und Kasper, Karlsruhe 1846, Seite 143. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Badisches_Sagenbuch_II_143.jpg&oldid=- (Version vom 31.7.2018)