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oder ihre Kajüten aufgesucht; ich war allein auf Deck, in meinen dicksten Pelz gewickelt.

Der Nebel war dichter als je zuvor, die sichtbare Welt schien auf ein paar Fuß zusammengeschrumpft zu sein, drüber hinaus war alles ein unheimliches Grau, das lautlos hin und her wogte. Zentnerschwer fühlte ich eine Last, die sich mir aufs Herz legte, so daß ich kaum zu atmen wagte – und diese Last war eine namenlose Angst vor dem grauen Etwas, das die ganze Welt um mich her erfüllte. Ich kam mir so einsam vor wie noch nie im Leben, als sei ich ganz allein, als letztes Lebewesen, und als schwebte ich angstvoll suchend durch den endlos leeren Weltenraum. Und wie ich so hinausstarrte, begann es in dem Grau zu wogen, zu steigen und sinken; es war, als wehe der Wind dicke, schwere Schleier hinweg, und plötzlich lag klar und dicht vor mir ein Stück kalte, dunkle, nordische See. Ein Felsen erhob sich daraus, schneebedeckt und an all seinen Zacken Eiszapfen tragend, die bis zu dem schaurigen Wasser herabhingen. Oben aber auf dem Felsen saß ein riesiger Eisbär, in den Tatzen das Gerippe des letzten Tieres haltend, das er in der Einöde gefunden. Er schaute sich um, als wollte er sagen, »nun bin ich Alleinherrscher der Welt«. – Aber da tat sich das schwarze Wasser auf, und heraus

Empfohlene Zitierweise:

Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 15. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/16&oldid=1196961 (Version vom 11.08.2010)