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Nein, es wächst mit jedem neuen Gast, es ist immer in Überfluß auf dem Tisch und kämen auch immer wieder neue Millionen hinzu. Tragen helfen! auch so eine Illusion, mit der die große Hoffnungslosigkeit verborgen werden soll. Jeder trägt, was schon mit ihm in der Wiege lag, was mit ihm selbst gewachsen ist, trägt, weil es eben nicht anders geht. Und vor, neben und hinter ihm stehen unabsehbare Reihen von Wesen, die auch alle tragen, jedes seine Last.

In Wahrheit abnehmen kann keiner dem andern etwas, so daß der wirklich frei aufatmete – wir können nur zum eigenen Leid uns noch das des anderen hinzudenken – mit ihm mitleiden.

Mitleiden – ach, wie sehr leide ich hier mit jenen, die ich in Peking gelassen, leide mit Ihnen, lieber Freund! Bald suchen meine Gedanken Sie hinter den düstern Stadtmauern, die mit unheimlichem Schweigen unbekanntes Schicksal so vieler umgeben, bald in dem großen, brodelnden China, von dem aus allen Teilen Nachrichten über Aufstände und Metzeleien eintreffen.

Und mit all meinem Mitleid kann ich so gar nichts helfen!



Empfohlene Zitierweise:

Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 209. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/210&oldid=1214277 (Version vom 26.08.2010)