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aus haben wir einen weiten Blick auf ein Gebirgstal, in dessen Tiefe, zwischen hohen Fichten, ein Bach fließt, der, zur Zeit da Eis und Schnee schmelzen, zum reißenden Strome wird. Im Hintergrund erheben sich steile, schneebedeckte Felsen.

Nach der langen Reise ist die hiesige Behaglichkeit an sich ein Genuß. Es ist herrlich, wieder mal in einem Bett zu schlafen, das weder schwankt noch schüttelt, und Mahlzeiten einzunehmen, ohne Sorge, daß der Zug abfährt, oder daß der gegenübersitzende Reisende seekrank wird.

Dicht neben dem Hotel ist ein großes, offenes Schwimmbassin, das von warmen Schwefelquellen gespeist wird. Fichten stehen ringsherum und das laue Wasser, der Sonnenschein und die köstliche würzige Luft bilden zusammen einen so wonnigen Aufenthalt, daß man im Sommer sicher gern Stunden dort verbrächte. Weiter unten, dem Tale zu, sind natürliche Grotten mit sprudelnden Quellen und tiefen Teichen, die geheimnisvoll unter den überhängenden Felsen verschwinden. Das Wasser ist so klar, daß man tief unten auf dem Grund die weißen Sandflächen und die einzelnen Kieselsteinchen schimmern sieht. Ich muß dort immer an die schöne Undine denken. In solch tiefen, klaren Wassern ist sie gewiß, unbewußt glücklich, wie die silbrigen Fischchen, herumgeschwommen,

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Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 25. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/26&oldid=1196874 (Version vom 11.08.2010)