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„Nein. Montigomo, die Habichtkralle, der Häuptling der Unbesiegbaren.“

Mascha, die Jüngste, sah ihn erst an, blickte dann auf das Fenster, hinter dem es schon dunkelte, und sagte nachdenklich:

„Und wir haben gestern Linsen gehabt.“[1]

Die absolut unverständlichen Worte Tschetschewizyns, und daß er immer mit Wolodja tuschelte, und daß Wolodja nicht mehr spielte, sondern über etwas nachdachte, – all das war rätselhaft und seltsam. Die beiden älteren Mädchen, Katja und Ssonja fingen nun an, die Jungens aufmerksam zu beobachten. Wenn die Jungens abends zu Bett gingen, schlichen die beiden Mädchen zur Tür und horchten. Ach, was sie da hören mußten! Die Jungens wollten irgendwohin nach Amerika, um Gold zu graben und hatten schon alles für die Reise fertig: eine Pistole, zwei Messer, Zwieback, ein Vergrößerungsglas, um Feuer zu machen, einen Kompaß und vier Rubel bar. Sie erfuhren, daß die Jungens einige tausend Werst zu Fuß zu gehen hatten; unterwegs mußten sie mit Tigern und mit Wilden kämpfen, dann Gold graben, Elfenbein erbeuten, Feinde töten, Seeräuber sein, Gin trinken und schließlich schöne Frauen heiraten und Pflanzungen bearbeiten. Wolodja und Tschetschewizyn unterbrachen einander immer vor lauter Begeisterung. Tschetschewizyn nannte sich dabei „Montigomo, die Habichtsklaue“ und seinen Freund Wolodja – „Bruder Blaßgesicht“.

„Paß auf, erzähl’ nichts der Mama,“ sagte Katja zu Ssonja vor dem Zubettgehen. „Wolodja bringt uns aus Amerika Gold und Elfenbein mit; wenn du es aber der Mama sagst, läßt man ihn nicht gehen.“


  1. Tschetschewiza heißt russisch Linsen.
Empfohlene Zitierweise:

Anton Pawlowitsch Tschechow: Von Frauen und Kindern. München: Musarion, 1920, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Von_Frauen_und_Kindern_(Tschechow).djvu/014&oldid=997359 (Version vom 14.01.2010)