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Schreck?! Eigentlich nichts. Er heißt Schreck, und ich heiße Korosteljow, – das ist alles.“

Die Zeit zog sich entsetzlich in die Länge. Olga Iwanowna lag angekleidet auf dem Bett, das noch vom Morgen her nicht gemacht war, und schlummerte. Es war ihr, als sei die ganze Wohnung vom Fußboden bis zur Decke mit einem einzigen riesengroßen Stück Eisen angefüllt und daß, wenn man dieses Eisen entfernte, allen sofort leicht und lustig ums Herz werden würde. Als sie zu sich kam, besann sie sich, daß es kein Eisen, sondern die Krankheit Dymows war.

Nature morte, Port…“ dachte sie, von neuem einschlummernd. „Port… Kurort… Und wie ist es mit Schreck? Schreck, Leck, Heck… Beck. Und wo sind jetzt meine Freunde? Wissen sie von unserem Unglück? Gott, rette… beschütze… Schreck, Leck…“

Und dann kam wieder das Eisen… Die Zeit schleppte sich langsam dahin, und die Uhr einen Stock tiefer schlug auffallend oft. Jeden Augenblick läutete es, die Aerzte kamen und gingen… Das Dienstmädchen kam mit einem Tablett, auf dem ein leeres Glas stand, zu ihr ins Schlafzimmer und fragte:

„Gnädige, soll ich das Bett machen?“

Sie bekam keine Antwort und ging. Die Uhr unten schlug wieder, sie träumte vom Regen auf der Wolga, und wieder kam jemand ins Schlafzimmer, anscheinend ein Fremder. Olga Iwanowna fuhr auf und erkannte Korosteljow.

„Wie spät ist es?“ fragte sie.

„Gegen drei.“

„Nun, wie steht’s?“

„Ach! Ich komme, um es Ihnen zu sagen: es geht zu Ende…“

Empfohlene Zitierweise:

Anton Pawlowitsch Tschechow: Von Frauen und Kindern. Musarion, München 1920, Seite 170. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Von_Frauen_und_Kindern_(Tschechow).djvu/170&oldid=1130465 (Version vom 2.06.2010)