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graben wegen, ainige hilf zu beweisen. Man sagt vil lecherlicher und gueter schwenk von ime. Er ist ainsmals geen Tonowwerdt kommen, in ain scherhaus gangen und ime lassen balbiern. Nun hat ine aber der barbierer wol kennet

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und verhoffet, ain statliche verehrung von ime erlangen. Darumb, dieweil er ime strelet und das har trucknet, do sprach er zu sich selbs, das es doch der Ilsung wol hören mocht: »Es ist ain großer herr, hat vil gelts.« Über ain weil sprach er: »Er hat schöne ross,« und dann: »Es ist

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warlich ain ansehenlicher herr.« Deren lobreden trib er vil. Der Ilsing hört diese wort alle, verstundt auch wol, warumb es beschach, wiewol er nit dergleichen thette. Darumb, wie das balbieren ein ende, do gab er dem maister nur ain halben batzen. Der het nur vil ain mehrers, bevorab aber

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von deren hof- und lobreden wegen, sich selbs vertröst. Wie er aber nichs weiters kunt verhoffen und den Ilsung sahe darvon geen, sprücht er in ainer ungedult und seins vermainens dem Ilsung zu ainer schmach oder verklainerung: »Es ist warlich nur ain großer dreck von Straubingen.«

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Der Ilsung der lacht und zoch darvon. Dieser groß dreck von Straubingen ist hernacher ain lange zeit ein sprüchwort am hof gewesen. * Hernach anno 1513 hat kaiser Maximilian mit den Aidtgnossen wider den künig Ludovicum von Frankreich sich

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verbunden, darauf ein ansehenlichen raisigen zeug den Aidtgnossen zu hilf in das Burgund geschickt. Über die ist herzog Ulrich von Würtemberg ein obrister gewesen. Der ist sampt den Aidtgnossen für Dision geruckt, das belegert, [514] aber der Franzosen list und practiken machten, das

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der herzog und die Schweizer abzogen. Hernach wolt der künig von Frankreich den bericht, so seine hauptleut und obersten mit herzog Ulrichen abgeredt, nit annemen oder halten. Damit zog iederman wider haim, und wardt nichs außgericht. Hiebei ist herr Gotfridt Wernher auch gewesen

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und mit herzog Ulrichen für Dision zogen, mit im auch wider heim kommen. Man sagt für gewiss, kaiser Maximilian hab herzog Ulrichen allain diese hauptmanschaft wider die Franzosen angehenkt, damit er umb den pronnen gienge, ußblib und nit wider zu landt keme, auch dem reich ain

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bestendige rhue geschafft würde, dann er gesehen, was unruhe durch in künftigclichen megte erregt werden; zu dem, ob sich begeben het, das herzog Ulrich domaln ohne mann-


Empfohlene Zitierweise:
Froben Christoph von Zimmern: Zimmerische Chronik. Band II. Herausgegeben von Karl August Barack. Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr, Freiburg, Tübingen 1881, Seite 401. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zimmerische_Chronik_2_401.jpg&oldid=- (Version vom 12.4.2018)