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ihrer Linken zurückgelangt, um das holde Käthchen an sich und von dem gefährlichen Antoni rettend abzuziehen. Sie hat in gleicher Weise heute schon wenigstens eine Seele, die dahinter stehende Brigitte mit ihrem Sturmhütchen, gerettet.

Wollte Rubens seinen Antoni in diesem jungen Cavalier darstellen, so ist er in der Scene, welche er neben ihm her und zu seinen Füßen spielen läßt, zu boshaft.

Ob hier das Heer der Amoretten oder die Sprödigkeit siegen wird, soll nicht ungewiß bleiben.

Für Antoni ist uns nicht bange. Der Pfau, der prächtige Vogel des Stolzes, trinkt oben aus der Fontaine der Liebesgöttin, welche den Delphin über den Kopf hält und aus seinem Rachen die unendliche Liebesfluth herunterbrausen läßt. Ueber Antoni und Käthchen plätschern ihre Amoretten in der Schale und fangen die ausgewähltesten Wasserfäden durstig mit den Händen auf.

Hinter dem Wasserschwalle fliegt aber der grimmigste Amorette mit der Brandfackel in der Hand, zu Adelheid hinuntergerichtet, einher, um dieses Herz in Brand zu stecken. Die Arme! Wie wird sie ihre Sprödigkeit büßen müssen! Ueber dieser Abtheilung schwebt außerdem ein Amorette, welcher auf Gerathewohl Pfeile verschießt, ein zweiter guckt aus dem Rosenstrauch vor der Grotte heraus und legt die Finger zum Zeichen des Schweigens auf die Lippen;

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Julius Mosen: Die Dresdener Gemälde-Galerie. Arnoldische Buchhandlung, Dresden und Leipzig 1844, Seite 85. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Dresdener_Gem%C3%A4lde-Galerie_(Mosen).pdf/95&oldid=- (Version vom 31.7.2018)