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„Erzählen Sie mir, was Sie hier in die Wüste geführt hat.“ Da wurde der Knirps lebendig, drängte sich vor und erwiderte mit seines Basses tiefsten Tönen: „Ein Ballon lockte uns in dieses verwünschte Sandmeer … Wir befanden uns gerade …“ So berichtete er alles haarklein, was den drei Passagieren der „Dresden“ bisher begegnet war. Als er damit zu Ende gekommen war, meinte der Jüngling droben mit strahlendem Gesicht. „Wie freue ich mich, hier Landsleute begrüßen zu können! Wenn ich dies alles nur früher gewußt hätte, dann hätte ich Ihnen gegenüber nicht so hartnäckig den Löwen gespielt. – Ja, staunen Sie nur! Ich selbst war der Löwe, der Ihnen zuerst den Besuch vor Ihrem Felsenhofe abgestattet und Ihnen die Antilope hingelegt hat, damit Sie nicht verhungerten. Ich hielt Sie für Verbrecher, denen die englische Polizei nachgesetzt hatte und die zur Strafe hier zurückgelassen waren. Trotzdem sollten Sie nicht Hungers sterben! Das wollte ich als unmenschlich nicht dulden.“ Mit gewandtem Satz sprang er nun auf den Boden herab und verbeugte sich mit großer Bescheidenheit vor den drei Landsleuten, die ihn sofort freudig umringten, ihm die Hand schüttelten und mit einer Unmenge Fragen bestürmten. Der Jüngling hieß Paul Loring und war erst sechzehn Jahre alt, dabei aber körperlich und geistig weit über sein Alter hinaus entwickelt. Was er hier in der einsamen Schlucht inmitten der Wüste fernab von allen Niederlassungen der Zivilisation trieb und warum er das Fell eines erlegten Löwen zu |
W. Belka: Die Schlucht in der Wüste. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 31. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Schlucht_in_der_W%C3%BCste.pdf/32&oldid=1832421 (Version vom 24.06.2012)