Seite:Erzählungen von Marie von Ebner-Eschenbach.djvu/339

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„Sagen Sie noch Ja?“ fragte er leise.

Sie nickte schweigend und sah ihn an.

„Sie wissen, daß ich aus Liebe um Sie werbe, und sagen dennoch: Ja?“

„Ich sage dennoch Ja,“ erwiderte sie mit ihrem bezaubernsten Lächeln.

„So gehörst Du mir,“ flüsterte er ihr zu, „so bin ich Dein – und ich bin es ganz … Gebiete! herrsche!“

Er beugte sich über sie, sein Mund näherte sich dem ihren … Sie schloß die Augen, sie hätte fliehen mögen – aber sie wagte es nicht … Er könnte wieder zürnen, wieder sagen: Weisen Sie mich ab, wenn Sie mich nicht lieben! Ihre Lippen erbleichten, zitterten angstvoll unter der Berührung der seinen … Da öffnete sich die Thür, und Marianne trat ein.




Von dem Tage an erschien Paul verändert; sehr zu seinem Vortheile, meinten die Gräfin und ihre Tochter. War es die Frucht männlich bestandener Kämpfe mit sich selbst, war der Frieden wirklich in seine Seele gekommen? Die Ungleichheit seiner Laune störte Theklas heitere Sorglosigkeit niemals wieder. Er vermied alles, was sie unangenehm berühren konnte, er forderte in ernsthaften Dingen kein Urtheil mehr von ihr, fragte nicht mehr in hofmeisterndem Tone, ob sie dieses oder jenes Buch gelesen habe. Die Helden der Geschichte, die großen Dichter und Künstler, deren Geister er sonst mit einem Enthusiasmus

Empfohlene Zitierweise:

Marie von Ebner-Eschenbach: Nach dem Tode. In: Erzählungen. Berlin: Gebrüder Paetel, 1893. Seite 333. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Erz%C3%A4hlungen_von_Marie_von_Ebner-Eschenbach.djvu/339&oldid=905755 (Version vom 16.11.2009)

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