Seite:Erzählungen von Marie von Ebner-Eschenbach.djvu/348
aus Wikisource, der freien Quellensammlung
|
Jeder Nerv in seinem Gesichte zuckte, er sprang auf, rannte ein paar Male im Zimmer auf und nieder und blieb plötzlich dicht vor Paul stehen. Beide Hände in den Taschen, den Oberkörper vor und rückwärts wiegend, fuhr er in höchster Erregung fort: „Gleichgültig, eine schöne Sache – freilich, man könnt’ auch sagen: eine erbärmliche! Die Gleichgültigkeit setzt einen überall vor die Thür, sogar vor die des eigenen Hauses … Besitz ich etwas, das mir gleichgültig ist? Haben kann ich’s, besitzen nicht! … Die Gleichgültigkeit ist blöd, grausam, frech! geht an der Schönheit vorbei ohne Begeisterung, am Elend ohne Mitleid, am Großen ohne Ehrfurcht, am Wunder ohne Andacht …“ Paul legte seine Hand auf den Arm Kamnitzkys und sprach: „Gilt deine Strafpredigt mir? Ich bin nicht gleichgültig. Und war ich’s je“ – setzte er nach einer Pause hinzu, „so sagen wir denn: ich bin’s nicht mehr.“ Eine wunderbar rasche Wandlung ging bei diesen Worten in dem alten Manne vor, wie durch einen Zauber schien der Sturm in seiner Seele beschworen. Weich, mit wehmüthigem Vorwurf hob er an: „wie lange warst Du nicht mehr bei uns! – Seit Deiner Rückkehr aus |
Empfohlene Zitierweise:
Marie von Ebner-Eschenbach: Nach dem Tode. In: Erzählungen. Berlin: Gebrüder Paetel, 1893. Seite 342. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Erz%C3%A4hlungen_von_Marie_von_Ebner-Eschenbach.djvu/348&oldid=905837 (Version vom 16.11.2009)