Seite:Flach Der deutsche Professor.djvu/047

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Einen humaneren Grundsatz in dieser Angelegenheit zeigen? Uns ist nichts davon bekannt. Es müssten denn solche Fälle sein, wo der Extraordinarius vielleicht überhaupt die Stelle eines Ordinarius inne hat. Ist diese systematische Misshandlung und Zurücksetzung der Extraordinarien nicht eine Schmach für die deutsche Gelehrtenwelt?

So gewahren wir, dass in der Doctorfrage, trotzdem in den letzten Jahren manches besser geworden sein mag, doch noch sehr viel zu thun übrig bleibt, wenn man den Werth des Doctorgrades in Deutschland einigermassen uniformiren, den Egoismus und den Trieb zum Gelderwerb verbannen und einen grösseren Idealismus dabei zur Geltung kommen lassen will. Zweifellos sieht es hierbei in Süddeutschland schlechter aus, als in Preussen. Man beruhige sich nur dabei nicht, dass das Taktgefühl und der gute Geist des Professorenstandes hier von selbst Remedur schaffen werden. Die Universitäten haben Jahrhunderte hindurch für ihre Entwickelung gebraucht, ohne zu diesem Taktgefühl vorgedrungen zu sein, und ohne z. B. auf eine bessere Stellung von Docenten und Extraordinarien zu dringen, und die schreiendsten Uebelstände sind erst durch mannhafte und öffentliche Angriffe abgeschafft worden. Es ist kaum anzunehmen, dass auch die Verhältnisse des Doctorexamens jemals anders werden, wenn man sich nicht vielleicht im Auftrage der Regierung auf einer gemeinschaftlichen Basis
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Hans Flach: Der deutsche Professor der Gegenwart. Leipzig 1886, Seite 39. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Flach_Der_deutsche_Professor.djvu/047&oldid=1255727 (Version vom 16.10.2010)