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| Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, Karl Krumbacher, Jacob Wackernagel, Friedrich Leo, Eduard Norden, Franz Skutsch: Die Griechische und Lateinische Literatur und Sprache |
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Wer sich so umsieht auf dem gewaltigen Gebiet geistiger Leistungen in lateinischer Sprache seit dem Ausgang des Altertums, dem mag es wohl den Kopf herumkehren, „wie er wollt’ Worte zu allem finden“. Nun gar auf wenig Seiten von dem Ungeheuren eine genügende Vorstellung geben – wer möchte sich des vermessen? So trifft es sich schön, daß auch wenige Beispiele, auf gut Glück herausgegriffen, ausreichend scheinen, um die Ehrfurcht vor dem Latein als einem altgeheiligten Gefäß menschlichen Denkens wieder zu wecken, wo sie im Schwinden ist. Und ich glaube, das wenige schon, was hier gesagt ist, wird genügen, um Schopenhauers Wort zu rechtfertigen, das zum Schlusse stehen mag (Parerga II § 299): „Der Mensch, welcher kein Latein versteht, gleicht einem, der sich in einer schönen Gegend bei nebligem Wetter befindet: sein Horizont ist äußerst beschränkt: nur das Nächste sieht er deutlich, wenige Schritte darüber hinaus verliert es sich ins Unbestimmte. Der Horizont des Lateiners hingegen geht sehr weit, durch die neueren Jahrhunderte, das Mittelalter, das Altertum.“ |
Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, Karl Krumbacher, Jacob Wackernagel, Friedrich Leo, Eduard Norden, Franz Skutsch: Die Griechische und Lateinische Literatur und Sprache. B. G. Teubner, Leipzig 1913, Seite 562. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Griechische_und_Lateinische_Literatur_und_Sprache.djvu/574&oldid=1463034 (Version vom 12.02.2011)