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Hier endlich sind wir in der berühmten Ebene von Troia angelangt, welche 8½ englische Meilen lang, 1¾ bis 5 Meilen breit und auf der N. Seite vom Hellespont und auf allen übrigen Seiten von Höhen-Reihen begränzt ist, welche ebenfalls Ausläufer vom Idagebirge sind. Auf der Ostseite ist die Höhenreihe durch ein anderes, 4¼ engl. Meilen langes, 11/8 engl. Meilen breites Thal unterbrochen, welches mit der grossen Ebene verbunden, und nach N. und O. von Hügeln und nach S. von einem 100 bis 330 Fuss hohen ununterbrochenen Bergrücken begränzt ist, welcher weit in die grosse Ebene hinausläuft und in dem berühmten Berge Hissarlik endet. Eine zweite, aber viel kleinere Ebene dehnt sich am Ende der grossen Ebene nach Osten aus. Wie gesagt, ist das Ufer der Ebene von Troia nach W. vom Cap Sigeion, nach O. von den Höhen von Intepe oder Rhoeteion eingeschlossen. Die Ebene ist anfänglich so niedrig, dass sich im Ufer grosse und tiefe Teiche gebildet haben, deren Wasser immer dieselbe Höhe hat, denn das was durch Verdunstung verschwindet, wird durch Einsickerung vom Meere wiederersetzt. Von dort ab steigt die Oberfläche der Ebene allmählich, aber die gesammte Steigung beträgt nur 46½ Fuss auf 8½ Meilen. Die Ebene ist äusserst fruchtbar, aber die Hälfte davon besteht aus Sümpfen, deren grösserer Theil jedenfalls aus der vernachlässigten Cultur entstanden ist. Es leidet übrigens keinen Zweifel, dass zu Homer’s Zeit schon Sümpfe hier waren und einige derselben sogar ganz nahe bei der Stadt, denn nach der Odyssee (XIV, 472–475) sagt Odysseus zu Eumaeos: „Als wir aber zur Stadt kamen und zur hohen Mauer, legten wir uns in der Nähe der Festungswerke nieder, zwischen dichten Büschen, in dem Rohr und Sumpf.“ Die Ebene wird in ihrer ganzen Länge, von S. nach N., vom Skamander durchflossen, dessen Name in des Flusses jetzigem Namen Mendere wiederzuerkennen ist. Dieser Fluss entspringt aus einer sehr heissen und einer ganz kalten Quelle in einem Thale nahe am Gipfel des Idagebirges, und nach einem Lauf von 36 engl. Meilen fällt er bei dem kleinen Städtchen Kum-Kale in den Hellespont. Seine gewöhnlich steilen Ufer, welche oft 20 Fuss hoch sind, sind meistentheils mit Bäumen bepflanzt, wie zur Zeit Homer’s, denn der Poet sagt Ilias XXI, 350–352: „Die Ulmen verbrannten und die Weiden und die Tamarinden; der Lotus wurde versengt und das Schilf[WS 1] und das Rohr, welche an den Ufern des schönen Stroms in grosser Menge |
Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ Vorlage: Schiff
Heinrich Schliemann: Troia und seine Ruinen. , Waren 1875, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Troia_und_seine_Ruinen.pdf/4&oldid=1513947 (Version vom 17.03.2011)