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Liste.png Emil Pauls: Zauberwesen und Hexenwahn am Niederrhein. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins, Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins. 13. Band, 1898. S. 134-242

aus der Form des Aufgehens des Brodteigs beim Backen die Zukunft prophezeit.[1] Zaubersprüche und Aberglaube waren bei den Wollarbeiten der Frauen gebräuchlich;[2] sie begegnen in der Weihnachtsnacht,[3] bei Gelegenheit des Krankenbesuchs,[4] an der Totenbahre,[5] bei der Behandlung der Leichen ungetaufter Kinder[6] und der Leichen Ermordeter.[7] Der erste Hahnenschrei am frühen Morgen verscheucht böse Geister, das Gekrächze der Krähen ist von Bedeutung beim Antritt einer Fussreise. Erwähnt werden ausser der Verehrung Jupiters am Donnerstag,[8] neckische Kobolde, Parzen, Waldfrauen und die drei Schwestern,[9] denen der Tisch gedeckt wird. Gegen die Leichtgläubigkeit zieht Bischof Burkhard weit schärfer als Regino zu Felde. Er bekämpft den Wahn, dass durch Zaubersprüche Milch und Honig entwendet oder junge Haustiere getötet werden könnten.[10] An drei Stellen[11] spricht er von Luftfahrten und Gehen durch verschlossene Thüren, wobei er, wie S. Riezler treffend bemerkt, den Glauben an Unholden und Hexenfahrten geradezu auf die Dummheit des Volkes zurückführt. Schon die Höhe der von Burkhard auf Übertretungen in Sachen des Aberglaubens gesetzten Kirchenstrafen beweist, wie ernstlich es ihm darum zu thun war, gewissen Wahnbegriffen den Lebensfaden zu unterbinden. Bischof Burkhard darf daher mit Recht als einer der hervorragendsten Bekämpfer des Hexenwahns und Aberglaubens in älterer Zeit bezeichnet werden.


  1. Cap. 53a, S. 643 f.
  2. Cap. 55, S. 644: Mulieres in suis lanificiis.
  3. Cap. 92, S. 650. Ea nocte sancta filant nec consuunt … diabolo instigante. Hier das Spinnen des altdeutschen Nothemds in der Weihnachtsnacht unter Anrufung des Teufels!
  4. Cap. 90, S. 650. Prophezeien über den Ausgang der Krankheit, nachdem vor dem Hause des Kranken ein Stein aufgehoben und das unter demselben befindliche Erdreich nach Tieren durchsucht worden war.
  5. Cap. 79, S. 648, Cap. 81, S. 649, Cap. 83, S. 649; teilweise wie bei Regino.
  6. Cap. 166, S. 662. Das bekannte Durchpfählen der Leiche … instinctu diaboli.
  7. Cap 85, S. 649. Das Mitgeben von Salbe ins Grab zur Heilung der Wunde.
  8. Cap. 90, S. 648.
  9. Cap. 91, S. 650 satyri et pilosi; c. 139, S. 657: quae a vulgo parce dicantur; Cap. 140, S. 658: agrestes femine, quas silvaticas vocant; Cap. 141, S. 658: tres ille sorores.
  10. Cap. 156 und 157, S. 660.
  11. Cap. 60, S. 645, Cap. 158, S. 661, Cap. 159, S. 661.
Empfohlene Zitierweise:

Emil Pauls: Zauberwesen und Hexenwahn am Niederrhein. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins, Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins. 13. Band, 1898. S. 134-242. Düsseldorf: Ed. Lintz, 1898, Seite 153. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zauberwesen_und_Hexenwahn_am_Niederrhein.djvu/20&oldid=1094457 (Version vom 6.05.2010)