Topographia Braunschweig Lüneburg: Altenstatt
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Altenstatt.
Das jetzige Fürstliche Lüneburgische Ampthauß Altenstatt / ist vor Jahren ein Münch-Closter / Cistercienser-Ordens gewesen / von weyland Herrn Bruno / Bischoffen zu Verden / vnd Hertzogen zu Sachsen / so hernacher Papst zu Rom / vnd Georgius der Fünffte geheissen worden / circa Annum Christi 960. zu Ehren der Jungfrawen Mariae / fundiret vnd gebawet / vnd anfangs Vlsen denominiret vnd geheissen worden / Allermassen davon folgende Monumenta vnd Nachrichtung in deß Stiffts Thumbkirchen zu besagten Verden / auff heutige Stunde angezeichnet zu befinden / deren formalia also lauten: Episcopus Verdensis BRVNO, Dux Saxoniae et Sueviae eligitur Anno 960. Papa Gregorius. Worunter nachgesetzte Lateinische vnd Teutsche Versiculi befinden / Contulit iste suum sacros patrimonium ad usus, [41] Ward Pabst von Keyser Otten gemacht / Welcher der Fürsten Chur vffbracht. Wobey zu beobachten / daß gleich wie obbemeldetes Closter zu anfang Vlsen / vnd die nicht weit davon gelegene Statt Vlsen / Lawenwald vor Zeiten genennet / also sind deren beyderseits Nahmen nachgehends geändert / vnd vorgemeltes Closter Altenstatt / gedachte Statt Lawenwald aber Vltzen denominiret worden / Zweifels frey / wie etliche davor halten / auß dieser Vrsache / daß weiln die jetzige Statt Vltzen / so vorhin Lawenwald genant / auß dem Closter Vltzen gebawet / davon den Nahmen bekommen haben solle / hergegen aber / vnd respectu dessen / diß Closter vnd Ampt die Altenstatt denominiret / vnd genennet worden. Bey weiland Herrn Ernsten / Hertzogen zu Braunschweig vnd Lüneburg / hochseel. Angedenckens Zeiten / nach dem I. Fürstl. Gn. in dero Landen bey Lebezeiten Herrn Doctoris Martini Lutheri, mit der Reformation verfahren / hat der domahliger Abt Heino, wie auch Prior Johan Lübeck / vnd sämptliche dazumal anwesende Confratres, mehrerwehnten Closters / mit Nahmen frater Otto Müller / Kokemeister / Fr. Bartholomaeus Kranckemeister / Fr. Hermanus Cellarius, Fr. Johannes Otzman / Fr. Arnoldus, Fr. Joannes Luneburg / vnd Fr. Joannes à Dassel, etc. vorhochged. I. Fürstl. Gn. vorgemeltes Closter / sampt allen desselben Pertinentien / Intraden / Vffkunfften vnd Gerechtigkeiten / nicht allein gäntzlich / freywillig / vnd abgetretten / besondern auch alle ihre deßfalls in Handen gehabte / vnd bemeltes Closter concernirende Siegel vnd Briefe / (so viel deren von ihrem Confratre, Albrecht von Etzerstett / frevelmütiger weise nicht ab Handen gebracht worden) außgeantwortet / Allermassen solches vor vorbesagten Herrn Abt / Prior, vnd gantzem Convent, vnter deren eigenhändigen Subscriptionen / vnd anhangenden Sigillen / auß gestalte vnd confirmirte Reverse vnd Bekantnussen / deren die beyden ersten Sonnabend nach Kiliani, Anno 1529. der letzte Verzeicht aber am Sonnabend nach Dionysii, Anno 1531. datiret / mit mehrem klärlich besagen vnd darthun / auch auff heutige Stunde in dem Fürstl. Zellischen Archivo in orginalibus annoch verhanden seyn. Worauff dann mehrhochged. I. Fürstl. Gn. nach vorbemelten Abts / vnd dessen mitbrüder / freywilligen Vberlassung / Abzug vnd emigration, solches Closter an sich genommen / vnd auß demselben ein Fürstlich Ampthauß gemacht / Jedoch von den Einkommen / zu Vnterhaltung etlicher Stipendiaten / so Studiosi Theologiae seyn / vnd sonsten armer Leute / einen guten theil vermacht / welches noch heutiges Tags dahin verwandt wird. Als aber die verhandene alte Gebäwde eins theils zum Fürstl. Ampthause nicht geschickt / noch aptirlich / anders theils sehr verfallen gewesen / seynd dieselbe mehrentheils herunter genommen / vnd hat an deren statt / der weyland Durchleuchtiger / Hochgeborner / dazumal Regierender Landesfürst vnd Herr / Herr Christian / erwöhlter Bischoff deß Stiffts Minden / Hertzog zu Braunschweig vnd Lüneburg / ein New Fürstlich Hauß / in anno 1625. auffrichten vnd erbauen lassen / die aber von vor hochgedachten Herrn fundatore, Brunone, gestiffte Kirche / sampt dem Chor / darin der Gottesdienst anjetzo noch verrichtet wird / stehen noch vff heutige Stunde / vnd seynd mit zweyen gleichförmigen zu end selbiger Kirchen stehenden grossen runden Thürnen / vnd darauff gleicher höhe befindenden Spitzen / wie auch noch einer Spitzen / oben dem Chor stehend / mercklich gezieret. Allernechst selbiger Kirchen ist auch noch verhanden / eine außgebawete vnd gewölbete Capelle / worin vor diesem der pro tempore Abbas für sich allein Messe gehalten haben solle. Sonsten befinden sich auch neben dem vff hiesigem Fürstl. Amptshofe / noch zwey alte Gebäwe / als das Rembter Braw vnd Backhauß / Item eine gangbare Kornmühle / mit 2. Grinden / nebenst einer Olie vnd Backmühlen / welche das fliessende Wasser die Wipperau genennet / treibet / vnd mitten über den Amptshoff lauffet / vnd [42] fliesset / welche bey Anwesenheit gemelter Ordensleute schon gestanden / vnd sie zu ihrem Nutzen vnd besten genützet / vnd gebrauchet haben. Nicht weniger haben auch / nach angedeuteter vorangangenen Einziehung dieses Closters / vorhochgedachtes Herrn Hertzog Ernsten Fürstl. Gn. vff deroselben Amptshoff allhie ein stattlich Vorwerck / vnd nebenst demselben noch andere vnterschiedliche Gebäude / als Zehent-Scheunen / Viehe- vnd Schaafställe auffrichten lassen / vnd ob wol dieselbe nachgehends veraltet / auch eines theils bey vorgewesenen Kriegsläufften zweymahl abgebrant / haben doch dieselbe die pro tempore regierende Landesfürsten allemahl wieder auffrichten / vnd erbawen lassen / gestalt dann erwehntes Vorwerck / sampt den neben vnd darzu gehörigen Gebäuden / in besserm Stande / als es vorhin niemals gewesen / anjetzo begriffen. Von hiesigem Fürstl. Ampthause ist obbesagte Statt Vltzen anderthalb Büchsenschuß ins Westen gelegen / an welcher Statt das Wasser / die Eimenow genant / vnd in dasselbe nicht weit vor diesem Amptshoff / das genantes fliessend Wasser / die Wipperow / so auff demselben / wie vor gemelt / die Mühle treibet / her fliesset vnd scheusset. Dieses Wasser / die Wipperow / entspringet über dem Dorff Rosche / vnd treibet dasselbe sechs an selbigem Strom gelegene Mühlen / davon diß Ampts Hoffmühle die letzte ist. Betreffend die Fruchtbarkeit dieses Orts / so wird daselbsten gut Winter- vnd Sommerkorn / auch herrlicher Flachs gebawet / also daß das Fürstl. Ampt an Korn- vnd Flachs-Zehenden / auch Zinßkorn / ein ansehentliches einzukommen. Nicht weniger befinden sich auch an obbesagten beyden Strömen zimbliche Wiesen / davon die Eingesessene die Notturfft vor ihre Pferde vnd Viehe haben können. |