Warum der Hase kein Fleisch frißt

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Autor:
Titel: Warum der Hase kein Fleisch frißt
Untertitel:
aus: Aus dem Märchenschatz der Kaschubei, S. 30–31
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: 1909
Erscheinungsdatum: 1930
Verlag: Fuchs & Cie.
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Erscheinungsort: Danzig
Übersetzer: Friedrich Lorentz
Originaltitel: Czymu zajk nie żre mięsa
Originalsubtitel:
Originalherkunft: Gryf 1, 15–16
Quelle: Pomorska Digitale Bibliothek, Commons
Kurzbeschreibung:
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[30]
Warum der Hase kein Fleisch frißt.

Früher fraß nicht nur der Hase, sondern auch der Fuchs kein Fleisch. Eines Tages war er gerade dabei, die jungen Blattknospen von den Sträuchern zu sammeln, um sie zu fressen, da kam der Wolf zu ihm und sagte: „Was für ein elendes Leben führst du nur! Immer bloß Blätter und Grassamen, das könnte mir gefallen! Komm mit mir, ich lehre dich das Fleischerhandwerk, dann kannst du Braten essen.“

Der Fuchs war gern bereit und so gingen sie. Sie kamen zu einer Wiese, auf der ein Pferd weidete. Die beiden verbargen sich in einem Busch und der Wolf sagte: „Das Pferd wollen wir schlachten. Setze dich vor mich, sieh mich an und sage mir, ob meine Augen schon funkeln.“

Der Fuchs setzte sich vor den Wolf, sah ihm in die Augen und sagte: „Sie funkeln wie glühende Kohlen!“

Der Wolf fragte weiter: „Und sieh, ob sich die Haare auf meiner Haut sträuben!“

„Sie sträuben sich, daß es schrecklich ist, anzusehen,“ antwortete der Fuchs.

„Und sieh nach, ob sich mein Schwanz bewegt,“ fragte der Wolf zum dritten Mal. Der Fuchs sah nach und antwortete: „Er bewegt sich, als ob der Sturmwind durch ihn führe!“

„Dann bin ich bereit“, sagte der Wolf, stürmte aus dem Busch hervor, warf sich auf das Pferd und riß ihm den Bauch auf. Dann zerlegten sie es zu zweit und frassen sich satt. So wurde der Fuchs ein Fleischfresser.

Eines Tages traf der Fuchs den Hasen, der auch Blätter und Gras fraß.

„Wie dumm bist du, Hase,“ sagte er zu ihm, „daß du Grünkram frißt! Fleisch schmeckt viel besser und gibt mehr Kraft, wenn du Fleisch äßest, würdest du bald heranwachsen und stärker werden, als jeder Hund. Komm mit mir, ich werde dir die Fleischerei beibringen.“

[31] Das gefiel dem Hasen sehr und er ging mit dem Fuchs. Dieser führte ihn zu einer Wiese, wo ein Pferd weidete, kroch in einen Busch und sagte: „Sieh, ob meine Augen glühen!“

„Sie glühen, wie ein brennender Ofen,“ antwortete der Hase.

„Und sieh, ob sich die Haare auf meinem Fell sträuben!“

„Sie sträuben sich, wie Borsten auf der Bürste“, antwortete der Hase.

„Und sieh, ob sich mein Schwanz bewegt!“

„Oh, er bewegt sich,“ sagte der Hase, „wie ein alter Strauch, wenn der Wind ihn zaust.“

„Dann ist es Zeit!“ rief der Fuschs und warf sich auf das Pferd.

Aber das Pferd bemerkte ihn, bevor er zu ihm herankam, und als er zum Sprunge ansetzte, schlug es ihn mit dem Huf vor den Kopf, daß er auf der Stelle tot liegen blieb.

Als der Hase das sah, bekam er Angst und sagte zu sich: „Das ist doch ein sehr gefährliches Handwerk, die Fleischerei, da will ich doch lieber Blätter und Gras fressen als mit dem Huf vor den Kopf bekommen!“

Seit der Zeit hat der Hase keine Lust nach Fleisch mehr gehabt.