Wie die so genante Camera obscura zu gebrauchen

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Textdaten
Autor: Johann Sterr
Titel: Nachricht/ Wie die so genante Camera obscura zu gebrauchen
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Erscheinungsdatum: um 1700
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[1]

Nachricht/
Wie die so genante Camera obscura zu
gebrauchen.

ERstlichen ziehet man vornen die 2. grosse No.
1.
&
No.
3.
A.
Rohr auff die No. 1. und No. 3. herauß/ schrauffet das vordere grössere Lückel herunder/ und stellet hinden in dem Kästl den schreg stehenden Spiegl das mit Littera A. bemerckt runde Spiegl hervor: sodann schrauffet man das kleinere Lückl ob dem kleinen Röhrl ausser des Kästls herunder/ ziehet selbes Röhrl heraus auf das mit Dinten gezeichnete Ringl/ richtet alsdann die gantze Camera auf das Objectum, was man sehen will: mit denen zwey eisernen Füssen aber kan mans hoch/ oder nider machen/ wie es nöthig. NB. (so einer ein kurtzes Gesicht hat/ verstehe/ der in die Weithe ansonst nicht vill sihet) kan das kleine Röhrl hineinschieben/ so weith nemlich/ als ihme die Objecta am schärffisten vorgestellet werden/ solte aber das Gesicht so kurtz seyn/ daß dises Hineinschieben nit erklecklich wäre/ so kan er auch eines/ oder beyde grosse Rohr vornen auch in so weith hineinschieben/ bis er Satisfaction habe. Und diß alles/ wann mans als ein Perspectiv gebrauchen will.

[2] Wann mans aber als eine Camera obscura gebrauchen/ und die Species einlassen will / so ziechet man die zwey vordere grosse Rohr heraus auff die Numeros 2. & 4. trehet den Schreg-Spiegel hervor/ B. also/ daß der grosse Spiegel mit Litt. B. vorstehet / leget das obere Kästl hinüber/ und henckt solches mit dem Bändl (so an den Knopff gebundten) an / sodann ziehet man den matten / oder so C. genanten gefrornen Spiegl mit Litt. C. hervor / daß er hinden anstehet/ stellet die Camera an ein dunckles Orth/ damit das Licht nicht auff den gefrornen Spiegel fallet / oder so man die Gelegenheit nit hat / (als zum Exempel auff weithen Feld) so nimmet man einen Mantel über den Kopff/ und verhindert also die einfallende Lichte/ sihet alsdann auf selben matten Spiegel / auf welchen sich alle Objecta gantz klar/ und klein respræsentieren / solten sie aber nit scharff genug gesehen werden / als zum Exempel, es wäre gar nahe etwan 20. oder 30. Schritt/ so müste man die vordere Rohr/ eines/ oder beye/ wie es beliebte / weither heraußziehen / bis mans scharff genug siehet/ allwo auff die Numeros nit mehr zu gehen. Will man etwan ein Gebäu / oder Thurn / oder was es immer ist / abzeichnen / kan es geschehen mit Saiffen-Kreiten / wie es die Kupfferschmidt brauchen / oder auch mit Reißbley. Wolte man [3] aber ein Gebäu nach dem jungen Schuch abmessen / oder wie hoch ein Thurn seye / so darff man nur eine Latten etwan auf 3. Schuch lang an das Gebäu / oder Thurn anhencken / so verjüngert / und verkleinert es selben / wie das Gebäu ist / alsdann kan mans mit einem guten Circul auff das Papier tragen / und zumalen es die Species alle lincks / oder verkehrt weiset / so kan mans gleich auch recht sehen / wann man den gefrornen Spiegel herauß ziehet / und schauet selbe auf der polierten Seiten / so siehet mans recht. Will man die Zeichnung wiederumben abbutzen von dem Spiegel / so nimbt man einen mit Laugen / oder Wasser befeuchteten Schwamben sambt ein wenig Saltz / benetzet solchen ein wenig / und trücknet selben widerumben mit einer neugewaschnen Leinwath ab. Füge auch zur Nachricht bey / wann ungefehr der gefrorne Spiegel solte zerbrochen werden / so kan man ein sauberes mit Oel geträncktes Papier darüber ziehen. Item / wer ansonst der Augen-Gläser zum lesen sich bedienen muß / der hat solche auch (die Species scharff zu sehen) hier nöthig.

Johann Sterr/ Hochfürstl.
Opticus in Freysing.
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