16 Gründe und Mittel zum ewigen Völkerfrieden

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Johann Martin Schleyer
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: 16 Gründe und Mittel zum ewigen Völkerfrieden
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Vorlage:none
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Konstanz
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
16 Gründe 1.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[1]
16
Gründe und Mittel zum
ewigen Völkerfrieden
von
Schleyer J. M., dat. vpa.,

in Konstanz a. B.

1892.


  1. Liebe und Vernunft, nicht Blei und Eisen, sollen die liebe- und vernunft-begabte Menschheit regiren! Denn: nicht mitzuhassen, sondern nur mitzulieben sind wir da. (Sophokles, Antigone).
  2. In Schulen und Kirchen … und überall im Leben muss wahre und herzliche Menschenliebe durch jeden und von jedem gefordert werden.
  3. Überall walte ächte, allgemeine Harmonie des reinen Menschentums! Denn alle Harmonie ist schön; am schönsten die Friedensharmonie aller gebildeten Völker. – Jeder Krieg aber ist entsetzlich große Disharmonie und Unheil der Völker.
  4. Alle Nationen seien nur eine Bruderfamilie Gottes! Ja die ganze Menschheit sei immer nur ein friedlicher Volksstamm von wahren Gotteskindern!
  5. Die edelsinnigsten aller Menschen sehnen sich nach andauerndem Frieden, niemals nach dem Kriege. – Unedle Menschen aber verdienen keine Achtung oder Berücksichtigung ihrer verkehrten Ansichten und Willensäußerungen.
  6. Unter allen Christenvölkern sollte ein Krieg schon deshalb nicht (mehr) vorkommen, weil auch Völker, wie Einzelmenschen, einander lieben sollen, wie sich selbst! Was sich aber wahrhaft liebt, tödet sich nicht, sondern erfreut, beglückt sich. –
  7. Niemand, auch Kirche und Staat … nicht, hat ein Recht, einem Unschuldigen das Leben zu nehmen. In jedem Kriege aber verlieren zahllose Menschen schuldlos ihr Leben. – Und dabei muss man doch bedenken, dass, in einem un’gerechten Angriffskriege oder auf irgend eine andere un’gerechte Weise jemand Unschuldigem das Leben nehmen, immer eine schreckliche Sache, und unter Umständen eine sehr große Sünde, ja ein großes Verbrechen sei; aber gar Hunderte und Tausende von Unschuldigen auf einmal töten – ein ganz ungeheures Verbrechen ist!!
  8. Man kann dem Allvater im Himmel nicht gefallen durch Hass, Verfolgung oder gar Tötung auch nur eines seiner Menschenkinder. Also keinen Klassen-, Rassen-, Massen-Hass mehr! (v. Scheffel).

[2]

  1. Was zwischen Einzelmenschen Sünde, Laster und Torheit ist, z. B. Hass, Raub, Mord …, kann zwischen ganzen Völkern nicht Tugend, edle Großtat und Vernunft sein. –
    Auf Laster, Torheiten und Verkehrtheiten aber verzichten heißt vernünftig handeln. Die allergrößte Verkehrtheit … jedoch heißt un’gerechter An’griffskrieg.
  2. Alle Völker und Einzelmenschen der Erde sollen sich gegenseitig für immer Leben, Ehre, Freiheit, Auskommen und Vermögen feierlich garantìren! – Dann beuge man aber schon aus weiter Ferne allen Ursachen und Anlässen zum Unfrieden und Kriege der Völker mittels dauernden Friedensverträgen vor!
  3. Man liebe und fördere nur den friedlichen, geistigen und herzlichen Wettkampf der Völker in Handel, Wissenschaft und Industrie …!
  4. Ein aus allen Staaten der Erde zusammen’gesetzter Senàt soll die Streitigkeiten der Nationen schlichten!
  5. Drei bis fünf Großmächte der Erde sollen sich zu ewigem Frieden verbünden, und diese allein sollen etwa je 100’000 Soldaten gegen nichtchristliche Feinde … halten!
  6. Die kleineren Staaten sollen nur Schutzleute, Polizéi und Gendarmen, aber nicht Soldaten haben!
  7. Man muss den Verkehr, den Handel, die Post, das Reisen, alle nützlichen Dinge des Friedens, der Wissenschaft, Wahrheit, Erfindungen, Künste u. s. w. andauernd fördern, und überall jede dem Guten hinderliche Schranke beseitigen.
  8. Wenn dann die Menschen aller Länder sehr gebildet und an die genannten Friedenswerke gewöhnt sein werden: so dürften sie diese Segnungen des Friedens sehr un’gerne vermissen. – Wenn jedoch alsdann irgend eine Nation dem Völkersenate oder den Großmächten Widerstand leisten wollte: so würde man ihr mittels Sperre … den Genuss dieser Segnungen des Verkehrs … entziehen. Eine solche Nation würde dieses bald hart empfinden und auch ohne Krieg bald sich der Völkerordnung (den Beschlüssen des Senates und der verbündeten Großmächte) fügen, und auf diese Weise würden alle Kriegen hienieden verhütet werden können. –

Diese Ratschläge stammen nur aus einem Herzen, das die Menschheit ständig in höchstem Grade liebt.

Wenn jedoch Jemand um dieser Ratschläge willen gehasst oder gar verfolgt würde, so möchten wir einfach erklären: O arme, undankbare, mordlustige und schmachvolle Menschheit! Dir kann Niemand mehr helfen.“ –

(Cf. ‚Heidelberger Tageblatt‘) [Generàlanzeiger] N. 128, 1892, S. 2, Sp. 1 und 2!)