ADB:Antony, Franz Joseph Aloys

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Artikel „Antony, Franz Joseph Aloys“ von Arrey von Dommer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 498–499, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Antony,_Franz_Joseph_Aloys&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 03:58 Uhr UTC)
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Antony: Franz Joseph Aloys A., Professor am Gymnasium, Chordirector und nachher Organist am Dom zu Münster, geb. daselbst 1. Febr. 1790, † 7. Jan. 1837, Sohn des 1832 gestorbenen tüchtigen Münster’schen Domorganisten Joseph Antony. Nachdem er in der Lamberti-Trivialschule und später auf dem Paulinischen Gymnasium eine gelehrte Vorbildung erhalten hatte, trat er 1808 in die philosophische Facultät der Universität seiner Vaterstadt, ging im folgenden Jahre zur theologischen über, erhiehlt 1813 die Priesterweihe und wurde dann Vicar und auch Lehrer an der Lamberti-Kirche und Schule. Schon früher hatte er universelle Geistesanlagen gezeigt, darunter auch musikalisches Talent, welches er bereits als Knabe, unter seines Vaters Leitung, sowol nach der theoretischen als praktischen Seite hin mit gutem Erfolge auszubilden Gelegenheit hatte; besonders auf dem Clavier und der Orgel erlangte er bedeutende Fertigkeit und wußte außerdem auch die meisten anderen Instrumente zu behandeln. Auch später setzte er, bei umfänglichen amtlichen Thätigkeiten und sprachlichen, sowie litterarischen Arbeiten, seine musikalischen und besonders musik-wissenschaftlichen Studien mit Eifer fort, und erlangte speciell vom liturgieschen Gesange und Orgelbaufache umfassende Kenntnisse. Letztere waren es insbesondere, wodurch das Berliner Cultusministerium sich veranlaßt sah, ihn im Sommer 1819 nach Berlin zu rufen, damit er in persönlichem Verkehre mit den angesehensten dortigen Tonkünstlern seine musikalische Ausbildung noch vervollkommnen könne; desgleichen wurde er später von seinen Oberen in Angelegenheiten des Kirchengesanges und Orgelbaues 1825 nach Köln und 1833 nach Trier gesendet, und außerdem bei Prüfungen von Orgeln, Glocken, etc. häufig in Anspruch genommen. Als er im Herbste 1819 von Berlin nach Münster zurückkehrte, übernahm er, mit dem Charakter eines Professors, den Gesangunterricht an dem neu organisirten Gymnasium, las an der Akademie über Kirchenmusik, und erhielt zugleich das Chordirectoriat an der Domkirche. In diesem Wirkungskreise erwarb [499] er sich großes Verdienst um die Verbesserung des sehr in Verfall gerathenen Kirchengesanges, und gab mit vielem Fleiße der musikalischen Ausbildung junger Leute sich hin; daneben verfaßte er verschiedene Schriften und componirte mancherlei Tonstücke, bis seine seit dem Jahre 1833 stets wachsende Kränklichkeit ihn nöthigte, seine Aemter am Dom und Gymnasium mit der durch den Tod seines Vaters erledigten Organistenstelle zu vertauschen. Doch war er, bis zu seinem Tode und selbst unter den schwersten Leiden unablässig noch mit liturgischen Arbeiten beschäftigt.

Seine musikalischen Schriften sind: „Archäologisch-liturgisches Lehrbuch des Gregorianischen Kirchengesanges“ etc. 1829; „Geschichtliche Darstellung der Entstehung und Vervollkommnung der Orgel,“ 1832. Beide Werke sind Zeugnisse gründlicher Studien und als solche auch gegenwärtig noch schätzbar. „Hülfsbuch für den Gesangunterricht, zunächst für Gymnasien,“ 1822. – Außerdem ließ er drucken: „Praxis Ss. Rituum ac Ceremoniarum in Missae sacrificio“ etc., 1831; „Manuale devotionis catholicae,“ 1836; „Symbolik der katholischen Kirchengebräuche,“ 1836; besorgte eine neue Auflage des „Breviarium Monasteriense,“ sowie des münsterischen Missale, gab auch ein lateinisches Gebetbuch heraus. – Von seinen Compositionen sind nur Lieder und vier Grabmessen im Druck erschienen, verschiedenes Andere ist unedirt geblieben.