ADB:Arriaga, Roderich de

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Artikel „Arriaga, Roderich de“ von Karl Werner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 609–610, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Arriaga,_Roderich_de&oldid=- (Version vom 24. Juli 2021, 06:54 Uhr UTC)
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Arriaga: Roderich v. A., berühmter Theolog und Scholastiker, geb. 17. Jan. 1592 zu Logrono in Castilien, † 17. Juni 1667. Seit 1606 gehörte er dem Jesuitenorden an, lehrte zu Valladolid Philosophie, in Salamanka Theologie; von da kam er nach Prag, wo er durch 13 Jahre Theologie lehrte, sodann weitere 12 Jahre das Universitätskanzleramt verwaltete. Er hinterließ zwei große Werke, einen „Cursus philosophicus“ (Paris 1637; dann Lyon 1644; 1651; 1653; Paris 1669; Antwerpen 1682 – sämmtl. Ausgaben in Einem Bande fol.) und „Disputationes theologicae“ zur „Summa“ des hl. Thomas Aquinas (Antwerpen 1643–1653; 8 Bde. fol.; eine andere Ausgabe: Lyon 1643 ff.). Der „Cursus philosophicus“ ist ganz in der scholastisch-peripatetischen Manier so vieler anderer Werke gleichen Inhaltes und gleicher Richtung aus jenem Zeitalter gehalten; es ist eine Reihenfolge scholastisch peripatetischer Erörterungen, die unter die vier Haupttitel „Disputationes logicae“, „Disputt. physicae“, „Disputt. de anima“, „Disputt. metaphysicae“ gebracht sind. Im Ganzen stellt sich A. auf den in seines Ordensgenossen Suarez „Disputationes metaphysicae“ vertretenen Standpunkt, reservirt sich aber daneben in vielen Einzelheiten seine besondere Meinung; er setzt sich Berichtigung und Vereinfachung des scholastisch-peripatetischen Denkens dort, wo er es als nothwendig erkannte, zur Aufgabe, [610] und bezeichnet diese näher dahin, die unbegründete und ungerechtfertigte Unterscheidung oder Fusion diverser Entitäten zu beseitigen. Bayle spendet dem Scharfsinne Arriaga’s in dessen Bemühen, die Schranken und Fesseln der scholastisch-peripatetischen Physik zu durchbrechen, anerkennendes Lob; auch Leibniz berücksichtigt ihn in seinen Erörterungen über die unendliche Theilbarkeit des Materiellen (Theodic. I. n. 70), und stellt seine Anschauungen rücksichtlich dieses Problems mit jener des Cartesius zusammen. Seine „Disputationes theologicae“ gehören nach ihrer ganzen Fassung und Haltung der spanischen Theologie jenes Jahrhunderts an, und reihen sich den großen und umfassenden theologisch-scholastischen Werken an, die in jenem Zeitalter in den von der Reformation nicht ergriffenen Ländern und Reichen Europas, also vornehmlich im romanischen Süden, und da wieder vorzüglich in Spanien zu Tage traten; Deutschland ist nur der zufällige Boden, auf welchem das nach Inhalt und Form ganz in den Traditionen und Anschauungen des theologischen Wissenschaftsbetriebes seines Heimathlandes wurzelnde Werk erwuchs. Die regenerirte Scholastik in ihrer ausgebildeten Form war überhaupt für das Deutschland von dazumal ein exotisches Gewächs und die wenigen Männer, die sie in Deutschland pflegten, waren aus der Fremde gekommen. Die heimischen Theologen Deutschlands betrieben fast ausschließlich nur die Controverstheologie, und anderweitige theologische Bestrebungen nur mit Rücksicht auf den das ganze deutsche Leben erfüllenden Glaubensstreit zwischen Katholiken und Protestanten. Von diesem Kampfe zeigt sich Arriaga’s Werk fast gar nicht berührt; nur vorübergehend geschieht der protestantischen Glaubenssätze Erwähnung; ebensowenig ist ihm um die durch jene Kämpfe nothwendig gewordene biblische und patristische Begründung der kirchlichen Glaubenslehren zu thun, aus welcher, hauptsächlich auf Grund der großartigen Leistungen eines Petavius, allmählich die katholische Dogmatik späteren Stiles herausgewachsen ist, um sich an die Stelle der bis dahin dominirenden Theologia scholastica zu setzen. A. ist ganz und gar Scholastiker, aber einer der scharfsinnigsten und originellsten, dem es eine Lust ist, sich fortwährend mit den anderen bedeutenden zeitgenössischen Vertretern dieser Art von Theologie zu messen; seiner theologischen Grundrichtung nach steht er entschieden auf dem Boden des Molinismus. Bemerkenswerth ist noch, daß er bei dem König und nachmaligen Kaiser Ferdinand III. in Ehren stand, welchem auch beide seiner vorgenannten großen Werke gewidmet sind.