ADB:August Wilhelm (preußischer General)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „August Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Bevern“ von Richard von Meerheimb in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 665–667, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:August_Wilhelm_(preu%C3%9Fischer_General)&oldid=2487711 (Version vom 20. November 2017, 17:10 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
August I.
Band 1 (1875), S. 665–667 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg August Wilhelm (Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern) in der Wikipedia
GND-Nummer 108425932
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|1|665|667|August Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Bevern|Richard von Meerheimb|ADB:August Wilhelm (preußischer General)}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=108425932}}    

August Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Bevern, geb. 1715 in Braunschweig, † 11. Aug. 1781, Ritter des schwarzen Adlerordens, war ein Sohn des Herzogs Ernst Ferdinand, der preußischer General gewesen war. – Bevern trat 1731 in preußischen Dienst, wurde in demselben Jahre Capitän, 1734, wo er den Feldzug am Rhein im Gefolge des Königs mitmachte, Major und 1739 Oberst und Commandeur des Regiments v. Kalkstein. Er wurde bei Molwitz verwundet, zeichnete sich bei Hohenfriedberg aus, war 1743 Generalmajor und 1760 Generallieutenant geworden. – Bevern war für seine Zeit ein [666] gelehrter Officier, galt für einen großen Taktiker, worunter man besondere Gewandtheit in der Entwickelung der Marschcolonnen zum Aufmarsche und in allen Evolutionen der damaligen Gefechtsordnung verstand. – Wie überall, zeigte Bevern besonders auch bei Lowositz, wo er am linken Flügel commandirte und den Angriff des Dorfes leitete, seltene Tapferkeit; er führte 1757 die Colonne, die über Reichenberg in Böhmen einrückte und siegte dort in einem Gefechte über den österreichischen General Königsegg. – Als am Morgen der Schlacht bei Prag – 6. Mai – der Schlachtplan abgeändert wurde und deshalb auch die Anmarsch-Ordnung geändert werden mußte – statt des rechten Flügels sollte der linke angreifen – gab Bevern den Rath, den linken, an der Queue der Marschcolonne marschirenden Flügel, zugweise an die Tete zu nehmen, eine Operation, die seitdem in der preußischen Armee üblich wurde. Während der Schlacht commandirte er im Centrum und ging dann mit 20000 Mann dem österreichischen Heere, das unter Daun heranrückte, bis über Kuttenberg entgegen. Zu schwach, um eine Schlacht wagen zu können, wurde er, in der Flanke umgangen, über Kuttenberg wieder zurückgedrängt, vereinigte sich mit den Verstärkungen, die Friedrich II. und Tresckow von Prag herführten, und nahm an der unglücklichen Schlacht bei Collin – 18. Juni – Theil, wo er im Centrum des ersten Treffens unter Fürst Moritz von Dessau commandirte. Der König hatte ihn gedrängt, über Czaslau vorzugehen, weil er Daun für schwächer hielt und hatte Bevern Vorwürfe gemacht, weil er nicht energischer vorgegangen sei. Aber Daun’s Offensive, die er schon am 12. ergriff, und die Niederlage von Collin rechtfertigten Bevern’s Handlungsweise. Als der Bruder des Königs, August Wilhelm, nach dem unglücklichen Rückzuge aus Böhmen in die Lausitz Krankheitshalber das Commando abgegeben hatte und der König den Franzosen in Sachsen entgegenging, erhielt Bevern am 24. Aug., gegen seinen Wunsch und seine Vorstellungen, das Commando der Armee, welche bei Görlitz zurückblieb, mit dem schwierigen Auftrage, die Mark mit Berlin, Sachsen und Schlesien gegen das überlegene österreichische Heer zu decken. Bevern erklärte dem König, er sei einer solchen Aufgabe nicht gewachsen, aber er wurde zum Selbstvertrauen ermahnt, gewarnt keinen Kriegsrath zu halten, sondern eines Mannes Rath (hier Winterfeld) zu hören und selbständig seine Entschlüsse zu fassen. Friedrich II. hatte erwartet, Prinz Karl von Lothringen werde ihm mit einem Theil seiner Armee folgen; da dies nicht geschah, wurde Bevern’s Lage immer schwieriger. Dem überlegenen Feinde gegenüber sollte er gute Posten wählen und so lange behaupten, als Lebensmittel da seien, jedes engagement général sorgfältig vermeiden, wenn er nicht den entschiedensten Vortheil auf seiner Seite habe, und die Armee bis Ende Septembers erhalten. Sobald die Armee das Lager bei Bernstädtl aus Mangel an Fourage verlassen müsse, solle sie nach Görlitz gehen und dort im Lager an der Landskrone so lange als möglich bleiben, vor allem sich nicht von Schlesien abdrängen lassen und verhindern, daß Streifcorps in die Mark drängen. Bevern’s Armee war 43000 Mann stark; dennoch ging er gleich nach Görlitz zurück und ließ Winterfeld, gegen seine bessere Ueberzeugung, die exponirte Stellung bei Moys einnehmen. Winterfeld wurde von Radasdy am 7. Sept. angegriffen und blieb im Gefechte. Daß Bevern ihn aus Rancune nicht unterstützt, in der Hoffnung den lästigen Mentor so loszuwerden, ist eine Verläumdung Retzow’s, die dem offenen und redlichen Charakter Bevern’s widerspricht. Er selbst beklagt in seiner Rechtfertigungsschrift, daß er von nun an Winterfeld’s Rath habe entbehren müssen. Auf die vielen Klagen Bevern’s über die Schwierigkeit seiner Aufgabe und über seine eigene Unzulänglichkeit, auf seine Bitten um nähere Instruction, antwortete der König, er könne ihm nicht aus weiter Ferne Vorschriften geben, er müsse selbst sehen, urtheilen, [667] handeln; dagegen wurde ihm die Deckung der Mark und Sachsens nicht mehr zur Pflicht gemacht.

Auf des Intendanten, General Golz’, Rath ging Bevern aus Verpflegungsrücksichten nach Liegnitz, statt nach Löwenberg, blieb wieder auf Golz’ Rath zu lange bei Liegnitz unthätig stehen, so daß Prinz Karl von Lothringen sich zwischen ihn und Breslau schob. Den trefflich ausgeführten Rückzug auf das rechte Oderufer und durch Breslau hatte er, ohne seine Umgebung um Rath zu fragen, beschlossen und befohlen. Im Lager an der Löhe (linkes Oderufer) stand er wieder unthätig und erwartete die Erlaubniß zum Angriff; als sie endlich eingetroffen, griff er doch nicht an. So fiel Schweidnitz und Radasdy konnte mit 25000 Mann den Prinzen Karl unterstützen; die Möglichkeit erfolgreicher Angriffe war vorübergegangen. Bei seiner weit ausgedehnten, dominirten Stellung und bei der Verzettelung seiner Cavallerie mußte er geschlagen werden, sobald der an Zahl weit überlegene Prinz Karl den Angriff wagte. Bevern’s Plan, die am 22. Nov. verlorene Schlacht bei Breslau durch einen nächtlichen Angriff wiederherzustellen, war unausführbar, um so mehr, da der größte Theil seines Heeres ohne sein Wissen und Willen vom Schlachtfelde abgerückt war. Am folgenden Morgen wurde Bevern durch seine eigenen Unvorsichtigkeit gefangen. Breslau capitulirte schmachvoll und auf dem Rückzuge nach Glogau desertirte ein großer Theil der Armee. Mit Recht trifft Bevern der Tadel, den Friedrich II. in der Histoire de la guerre de sept ans über ihn ausspricht; er war ein trefflicher Mensch, unterrichteter Officier, von seltener Bravour, und ausgezeichneter Führer eines Treffens oder Flügels, aber zum Feldherrn fehlte ihm die Selbständigkeit des Geistes und die Kraft des Willens, und daß er das fühlte, lähmte ihn noch mehr.

1758 wieder ausgelöst, schickte ihn der König als Commandanten nach Stettin; er wurde 1759 General der Infanterie, schloß 16. Mai 1762 den Waffenstillstand mit den Russen, übernahm dann das Commando der pommerschen Truppen, führte sie nach Schlesien und siegte am 11. Aug. bei Reichenbach über Daun. Dann erhielt er den Befehl über alle in Schlesien und der Lausitz stehende Truppen.

Nach dem Hubertusburger Frieden ging Bevern nach Stettin zurück, wo er gestorben ist.