ADB:Banz, Nikolaus

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Artikel „Banz, Nikolaus von“ von Colmar Grünhagen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 43, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Banz,_Nikolaus&oldid=- (Version vom 18. Juli 2019, 17:52 Uhr UTC)
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Banz: Nicolaus v. B., † vor 1345, aus einer der ältesten deutschen Patricierfamilien Breslaus stammend, erscheint zuerst 1305 als Domherr zu Breslau, ist von 1308–1315 Archidiakon von Liegnitz und von etwa 1326 bis an seinen Tod (um 1344) im Besitze der Cantor-Prälatur am Breslauer Kreuzstifte. Während der Vacanz des Breslauer Bisthums von 1319–1326 ist er einer der beiden für die Temporalien gesetzten Administratoren und thatsächlich der eigentliche Leiter des Bisthums, gleichzeitig seit etwa 1325 Hofrichter Herzog Heinrichs II. von Breslau und dessen vertrauter Rathgeber auch wol bezüglich des Anschlusses Schlesiens an die Krone Böhmen zum Schutze gegen Heinrichs gewaltthätigen Bruder Boleslaw und gegen etwaige polnische, von der päpstlichen Curie begünstigte Anschläge. Ende 1326 oder Anfang 1327 wird er von Anhängern Boleslaw’s in der Egidienkirche gefangen genommen und nach dem Schlosse Jeltsch bei Ohlau geschleppt, bald jedoch von seinen Freunden wieder befreit. Kurze Zeit darauf (April 1327) erfolgte die Unterwerfung Herzog Heinrichs unter Böhmen. Nicolaus blieb auch unter der Regierung Bischof Nanker’s (vergl. dessen Biographie) 1326–1341 der eigentliche Regent, vor welchem alle Welt, wie der Legat Galhard de Carceribus klagt, sich mehr fürchtete, als vor dem Bischofe, und gegen den deshalb auch die Bannstrahlen jenes fruchtlos blieben. Der mit ebenso viel Ausdauer als Klugheit und Besonnenheit geführte Vertheidigungskampf gegen die päpstlichen Legaten Peter von Auvergne[WS 1] und Galhard de Carceribus, welche mit maßlosen Geldansprüchen die schlesische Geistlichkeit heimsuchten und dabei den Deutschen, schon weil diese den im deutschen Reiche unbekannten Peterspfennig zu zahlen verweigerten, auf jede Weise zu schaden sich bemühten, ist sein Hauptverdienst. Er erlebte noch die durch die Wahl Bischof Preczlaw’s besiegelte Niederlage der polonisirenden Bestrebungen, wird dann bei Gelegenheit des Conflictes Nanker’s mit König Johann noch einmal kurz als Vermittler erwähnt und schließlich mit einer Urkunde Bischof Preczlaw’s von 1345 als kürzlich verstorben bezeichnet. Er scheint auch reich begütert gewesen zu sein; 1321 schenkt er der Breslauer Domkirche das Gut Kosel, 1322 erwirbt er ein Gut in Klettendorf, vermittelt etwa 1325 eine Anleihe von der Stadt Breslau für den Herzog und besitzt bis zu seinem Tode die Hälfte der Burg Kaltenstein im Neißeschen.

Grünhagen, König Johann und Bischof Nanker, Wien 1864, aus den Sitzungsberichten der Wiener Akademie 1864, Juli, besonders abgedruckt. – Theiner, Monumenta Poloniae I. und das Formelbuch Arnold’s von Protzan[WS 2], ed. Wattenbach im cod. dipl. Siles. V.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. siehe Petrus de Alvernia in der Wikipedia.
  2. siehe Arnold von Protzan in der Wikipedia.