ADB:Blau, Otto

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Artikel „Blau, Otto“ von Viktor Hantzsch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 47 (1903), S. 12–14, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Blau,_Otto&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 02:41 Uhr UTC)
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Blau: Ernst Otto Friedrich Hermann B., Orientalist und Reisender, ist am 21. April 1828 in Nordhausen geboren. Er besuchte 1842–48 die Fürstenschule zu Pforta und studirte dann bis 1850 in Halle, bis 1851 in Leipzig außer Theologie und Philosophie hauptsächlich orientalische Sprachen. 1852 trat er in den diplomatischen Dienst des preußischen Staates ein und wurde zunächst zum Attaché bei der Gesandtschaft in Constantinopel ernannt. Als solcher beschäftigte er sich namentlich mit den handelspolitischen Verhältnissen des osmanischen Reiches. 1854 unternahm er eine Informationsreise durch Kleinasien und nach den Inseln des aegeischen Meeres. Im folgenden Jahre wurde er zum Vicekanzler der Gesandtschaft befördert. Nachdem er sich durch wichtige Auskünfte um den Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Preußen und Persien verdient gemacht hatte, erhielt er 1857 von der Regierung den Auftrag, zur näheren Untersuchung der industriellen und commerziellen Verhältnisse Vorderasiens von Sinope aus eine Reise durch Armenien nach dem Innern Persiens anzutreten. Er verweilte hier ein Jahr lang, schickte werthvolle [13] Berichte nach Hause und wurde nach seiner Rückkehr 1858 als Consul nach Trapezunt versetzt, wo er eine rege handelspolitische Thätigkeit entfaltete. Auch war er bemüht, seine Kenntniß der orientalischen Länder und Völker, Sprachen und Sitten durch zahlreiche Streifzüge nach den verschiedensten Gegenden Kleinasiens und nach dem Hochlande von Armenien zu erweitern und zu vertiefen. Da er sich eine gründliche Kenntniß der verschiedenen südslavischen Mundarten angeeignet hatte, wurde er 1861 nach der Herzegowina und nach Montenegro geschickt, um die dortigen Ein- und Ausfuhrverhältnisse zu studiren. Er erwies sich hier als scharfer Beobachter und bewährte sich so vorzüglich, daß ihm 1864 das neubegründete Consulat für Bosnien zu Serajewo übertragen wurde. Als sich wesentlich durch seine Anstrengungen die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den Ländern im Nordwesten der Balkanhalbinsel in erfreulicher Weise zu heben begannen, wurde er 1870 zum Generalconsul für Bosnien und die Herzegowina befördert. Als solcher unternahm er mehrere auch für die Wissenschaft sehr ergebnißreiche Reisen durch jene damals noch wenig bekannten Gebiete. Nachdem er 1878 als Generalconsul nach Odessa versetzt worden war, machte er am 27. Februar 1879 daselbst freiwillig seinem Leben ein Ende.

Als Schriftsteller hat er sich namhafte Verdienste um die wissenschaftliche Kenntniß des Morgenlandes erworben. Seine zahlreichen kleineren Abhandlungen, von denen nur einige wenige besonders wichtige genannt sein mögen, finden sich in vielen Zeitschriften, namentlich im Preußischen und Deutschen Handelsarchiv, in den Blättern für Münzkunde, in der Zeitschrift für allgemeine Erdkunde (Querrouten durch die pontischen Alpen N. F. 10, 1861, m. Karte; Aus dem Tagebuche einer Reise durch Persien im Sommer 1857, ebendort, m. Karte; Ueber die Karte der Herzegowina N. F. 11, 1861; Uebersicht der römisch-katholischen Bevölkerung in Bosnien, ebd.; Bevölkerungslisten des Ejjalet Trapezunt, ebd.; Miscellen zur alten Geographie N. F. 12, 1862), in der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (Die Stämme des nordöstlichen Kurdistan 12, 1858; Geographische Notizen zu Neschri’s Osmanischer Geschichte 16, 1862; Nachrichten über kurdische Stämme ebd.; Untersuchungen über die lykischen Inschriften 17, 1863; Arabien im 6. Jahrhundert 23, 1869; Die Wanderung der sabäischen Stämme im 2. Jahrhundert, ebd.; Altarabische Sprachstudien 26–27, 1872–73; Ueber die türkisch-griechische Mischbevölkerung von Mariupol 28, 1874; Ueber Volksthum und Sprache der Kumanen 29, 1875; über Karta und Kerta in Ortsnamen 31, 1877), in Petermann’s Mittheilungen (Ueber Rechtschreibung und Deutung türkischer Ortsnamen 1862; Handelsverhältnisse Kaukasiens, ebd.; Dr. Auriema’s Reiseroute in Kurdistan 1863; Vom Urumcasee nach dem Wansee, ebd.; Der Winter 1863/64 in Kleinasien 1864; Aphorismen alter und neuer Ortskunde Kleinasiens 1865), in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin (Ausflüge in Bosnien 1867; Zur Statistik von Bosnien, ebd.), in den Annalen der Landwirthschaft (Ueber den Ackerbau in Bosnien 53, 1868) und in den Monatsberichten der Berliner Akademie der Wissenschaften (Ueber römische Alterthümer in Bosnien 1868). Von seinen größeren selbständigen Schriften, die sich durch gründliche Beherrschung des schwierigen, weit zerstreuten Materials, durch vorsichtig abgewogenes und sorgfältig begründetes Urtheil und auch, soweit es die Sprödigkeit des Stoffes erlaubte, durch anschauliche und lebendige Darstellung auszeichnen, sind zu nennen: „De nummis Achaemenidarum aramaeo-persicis“ (Leipzig 1855); „Kommerzielle Zustände Persiens, aus den Erfahrungen einer Reise im Sommer 1857 dargestellt“ (Berlin 1858), ein höchst bedeutsames Werk, das über Land und Volk, Thier- und Pflanzenwelt, Bodenproducte und [14] Industrieerzeugnisse, Handelswege und Geschäftsgebräuche, Ein- und Ausfuhr, Münzen, Maaße und Gewichte, Zoll-, Steuer-, Gerichts- und Consulatswesen, sowie über die Zukunftsaussichten Persiens alle für den Kaufmann wünschenswerthen Auskünfte gibt; eine Karte der Herzegowina (Berlin 1862); „Bosnisch-türkische Sprachdenkmäler“ (5. Band der Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes, herausgegeben von der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Leipzig 1868); endlich „Reisen in Bosnien und der Herzegowina“ (Berlin 1877).