ADB:Brenner, Richard

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Artikel „Brenner, Richard“ von Friedrich Ratzel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 47 (1903), S. 224–225, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Brenner,_Richard&oldid=- (Version vom 22. April 2019, 18:31 Uhr UTC)
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Brenner: Richard B., Afrikareisender, geboren zu Merseburg am 20. Juni 1833, studirte die Forstwissenschaft, ging aber 1864, von Baron v. d. Decken gerufen, nach Sansibar, untersuchte mit diesem einige Küstenstriche im Somaliland und machte die Fahrt auf dem Dschub mit, die mit der Niedermetzelung eines Theiles der Expedition endigte. B. gehörte dem Theile der v. d. Decken’schen Expedition an, der nach dem Scheitern des Flußdampfers „Welf“ bei dem Wrack zurückblieb, während v. d. Decken, nach Berdera zurückkehrend, seinem Schicksal entgegenging. Er kehrte mit v. d. Decken’s Begleiter v. Schickh nach Sansibar zurück und beide versuchten vergebens, von Barawa aus dem Führer der Expedition Hülfe zu bringen, der schon am 3. October 1865 in Berdera ermordet worden war. 1866 ging B. von Deutschland aus neuerdings nach dem Somalilande, um sicherere Kunde über den Tod v. d. Decken’s zu gewinnen, gelangte aber nicht nach Berdera, sondern erforschte die südlichen Gallaländer, befuhr den Tana und wurde damit der eigentliche Erschließer des Sultanats Witu. 1868 nach Europa zurückgekehrt, ging er 1869 neuerdings in einer handelspolitischen Mission im Auftrag von österreichischen und schweizerischen Häusern nach dem Somaliland, nach Maskat und dem Gallaland, gründete Handelsstationen in Aden, Buschehr und Sansibar. Eine Frucht dieser Reise war die genaue Untersuchung des Kingani. Nach beträchtlichen wirthschaftlichen Erfolgen krank 1871 zurückgekehrt, ging B. 1872 als österreichischer Consul nach Aden und starb am 22. März 1874 in Sansibar. B. hat für die geographische Erforschung des äquatorialen Ostafrika Beträchtliches geleistet, besonders seine Nachrichten über die Galla und Somali und ihre Wanderungen sind werthvoll, aber seine Bedeutung liegt im Eintreten für die selbständige wirthschaftliche Bethätigung Deutschlands und Oesterreichs in diesen Gebieten. Er hat die ersten unmittelbaren Verbindungen zwischen Deutschland und dem Sultan von Witu angeknüpft, war der Träger von Vorschlägen des Witu-Herrschers an den König von Preußen, die die Colonisation Witus bezweckten, und hat aus mehr praktischen Gesichtspunkten die Arbeiten Roscher’s, v. d. Decken’s, Kersten’s und der früheren Missionare in Afrika fortgeführt. Seine rastlose Thätigkeit und sein früher Tod haben ihn gehindert, große Aufgaben der Afrikaforschung zu lösen. Die Bemängelung seiner Angaben durch Dr. Fischer betrifft nur Kleinigkeiten. Die wichtigsten Beiträge Brenner’s zur Geographie und Ethnographie des äquatorialen Ostafrika findet man in den Bänden der [225] Geographischen Mittheilungen von 1867 an, sowie in dem von O. Kersten herausgegebenen Werke über die Reise des Freiherrn v. d. Decken, Bd. 2.