ADB:Cramer, Andreas

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Cramer, Andreas“ von Heinrich Heppe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 545–546, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Cramer,_Andreas&oldid=- (Version vom 22. August 2019, 01:04 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Cragius, Tilemann
Band 4 (1876), S. 545–546 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Januar 2019, suchen)
GND-Nummer 117664294
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|4|545|546|Cramer, Andreas|Heinrich Heppe|ADB:Cramer, Andreas}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117664294}}    

Cramer: Andreas C., Sohn eines Bauern im Dorfe Heimersleben bei Magdeburg, 1582 geboren, war von seinem Vater für den bäuerlichen Beruf bestimmt, setzte es aber durch, daß er die Schule zu Hannover und die Universität zu Helmstädt besuchen und Theologie studiren durfte. Nach beendigten Studien wurde er 1607 Rector zu Quedlinburg, 1613 Prediger zu Megare bei Magdeburg, 1615 Pastor an der Johanneskirche und Scholarch zu Magdeburg, von wo ihn das Schreckensjahr 1631 (10. Mai) vertrieb. Doch wurde er noch in demselben Jahr Superintendent zu Mühlhausen, wo er wegen einer gegen den Willen des Magistrats vorgenommen Investitur eines Predigers eine Zeit lang suspendirt war und 1640 starb. In Magdeburg war C. in eine überaus lebhafte Controverse mit dem Prediger an der St. Jakobskirche Joh. Kotzibuvius und mit dem Rector des Gymnasiums Sigismund Evenius gekommen, denen gegenüber er die Gedanken Daniel Hoffmann’s zu Helmstädt von dem unversöhnlichen Gegensatz der Theologie und der Philosophie und von der Unbrauchbarkeit der Philosophie zu den theologischen Studien vertrat und weiterhin den Satz bestritt, daß der Nichtwiedergeborene wahre theologische Erkenntniß haben könne, was denselben weiterhin veranlaßte, die Auffassung der Theologie als eines den Menschen zur seligmachenden Erkenntniß der Offenbarungswahrheit führenden „Habitus“ zurückzuweisen. Der ganze Verlauf des Streites findet sich in der von dem geistlichen Ministerium zu Magdeburg 1624 zu Wittenberg herausgegebenen „Controversia Crameriana Magdeburgensis“ dargestellt. Außer den zu dieser Controversia gehörigen Schriften gab C. noch vielerlei heraus, worin er sich als einen Vorläufer des späteren Pietismus zu erkennen gibt. Die Schrift Cramer’s „Gläubiger Kinder Gottes Ehren-Stand und Pflicht“ hat daher [546] Spener 1669 mit einer Vorrede nochmals erscheinen lassen. Von sonstigen Schriften Cramer’s sind noch zu erwähnen: „Catechismuspredigten“; „Ciceronis officia tabulis illustrata“; „Disputationes logicae“; „Meßbüchlein für die apostolisch-catholischen Christen“.

Die hauptsächlichsten Quellen zur Kenntniß des Lebens und der Wirksamkeit Cramer’s finden sich verzeichnet in Walch’s Einleitung in die Religionsstreitigkeiten der lutherischen Kirche, Bd. IV. S. 522–527; S. 627 bis 638 und Jöcher.