ADB:Czermak, Joseph

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Artikel „Czermak, Joseph“ von Melchior Josef Bandorf in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 672, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Czermak,_Joseph&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 05:22 Uhr UTC)
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Czermak: Dr. Joseph C., Irrenarzt, geb. 1826 zu Prag, † 24. Juli 1872 in Graz. 1848 zu Prag promovirt, wurde er zunächst Secundärarzt an der dortigen Irrenanstalt, im Juni 1855 berief ihn die Regierung als Primärarzt an die irrenärztliche Abtheilung des St. Annenkrankenhauses in Brünn, um den großen Uebelständen, welche hier herrschten, abzuhelfen. Sofort ging er an die Entwerfung eines Programms für Errichtung einer neuen Irrenanstalt. Hand in Hand damit unternahm er eine Zählung der Seelengestörten in Mähren, Oesterreich und Schlesien, welche er 1857 beendigte. Am 10. März 1861 konnte er den Grundstein zur neuen mährischen Landesirrenanstalt in Brünn legen und bereits am 1. Nov. 1863 wurde dieselbe eröffnet. So rasch die Durchführung, so gediegen war das den neuesten Anforderungen der Wissenschaft entsprechende Werk im Großen und Ganzen. In einer 1866 erschienenen Abhandlung: „Die mährische Landesirrenanstalt von Dr. J. Czermak“ gab er eine detaillirte Schilderung der Einrichtung, des Betriebs und des Wirkens dieses Asyles. In demselben Jahre entwarf er den Plan einer Irrencolonie für Niederösterreich, gleichzeitig begründete er das Colonialsystem auch in Brünn. Auch bei der Neueinrichtung der Grazer Irrenanstalt (Feldhof) wurde sein Rath eingeholt, im J. 1869 wurde er dann selbst zur Durchführung seiner Pläne dahin berufen, jedoch starb er, nachdem inzwischen (1870) auch seine Ernennung zum Professor der Psychiatrie an der Grazer Universität erfolgt war, ehe noch seine neue Schöpfung ganz vollendet war. In schriftstellerischer Beziehung war Cz., abgesehen von dem oben erwähnten Werke, wenig thätig, einige kleinere Aufsätze, besonders Statistisches betreffend, erschienen in der Allgemeinen Zeitschrift für Psychiatrie und in der Oesterreichischen Zeitschrift für Heilkunde. Sein Verdienst liegt vielmehr in seiner praktischen Thätigkeit sowol in seinem Wirken als Irrenarzt wie in seiner organisatorischen Thätigkeit im Irrenwesen, in welcher Beziehung ihm besonders sein Vaterland Oesterreich zu vielem Dank verpflichtet ist.