ADB:Dithmar, Justus

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Artikel „Dithmar, Justus Christoph“ von Karl Theodor von Inama-Sternegg in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 259–260, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dithmar,_Justus&oldid=- (Version vom 22. Mai 2019, 05:45 Uhr UTC)
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Dithmar: Justus Christoph D., Cameralist, geb. am 13. März 1677 zu Rothenburg in Hessen-Darmstadt, † am 13. März 1737, begann seine Studien in seiner Vaterstadt und setzte sie in Marburg unter Otto und Thielemann fort. Der letztere verschaffte ihm eine Stelle als Erzieher der jungen Freiherren v. Morrien, welche er 2 Jahre lang innehatte; dann begleitete er einen jungen Herrn v. Dankelmann auf die Universität Leyden, und er verstand sich dort so beliebt zu machen, daß ihm, besonders auf die Fürsprache von Perizonius, daselbst sogar eine Professur angeboten wurde, welche er jedoch ausschlug. In sein Vaterland zurückgekehrt, ließ er sich auf Betrieb der Familie Dankelmann in Frankfurt a/O. nieder, wo er bald eine Professur der Geschichte, dann des Natur- und Völkerrechts erhielt. Als König Friedrich Wilhelm I. im J. 1727 an den Universitäten Frankfurt und Halle Professuren der Cameralwissenschaft – die ersten an deutschen Universitäten – errichtete, wurde D. bestimmt, den Lehrstuhl in Frankfurt zu betreten, während Gasser für Halle ernannt wurde. In dieser Stellung wirkte D. bis an sein Lebensende und war als Lehrer und Schriftsteller zu seiner Zeit in großem Ansehen. Lange Zeit bekleidete er auch das Amt eines Rathes des St. Johanniterordens; und die k. Gesellschaft der Wissenschaften zu Berlin zählte ihn zu ihren Mitgliedern. – Von seinen zahlreichen Schriften sind die älteren, welche sich vornehmlich auf dem Gebiete der Geschichte bewegen, wenig genannt, dahin gehören besonders „Vita Gregorii VII. rom. pontif.“, Frankf. 1710. „Taciti de situ moribus et populis Germaniae libellus cum perpetuo et pragmatico commentario“, 1726. Eine Ausgabe der Annales Cliviae des Werner Teschenmacher 1716 und eine Fortsetzung der Geschichte von Malta des Abbé Vertot, für die deutsche Abtheilung, sowie mehrere Schriften über den Johanniterorden. – Eine Sammlung von Dissertationen über verschiedene Gegenstände des öffentlichen und Naturrechts und der Geschichte erschien in seinem Todesjahr 1737. Seine cameralistische Hauptschrift ist die „Einleitung in die ökon. Polizei- und Cameralwissenschaft“. 1731 und in vielen Auflagen (1740, 1745, 1748, 1755 und, besorgt von dem Leipziger Professor Dan. Gottfr. Schreber 1768). Noch 1778 fand das Werk eine Art von Commentar. D. hat sich mit dieser Schrift besonders um die Systematik der Disciplin verdient gemacht; seine Eintheilung in Oekonomie, Polizei und Cameralwesen (Finanzwirthschaft) ist lange Zeit herrschend geblieben. Auch die Unterscheidung der land- und stadtwirthschaftlichen Zweige der Oekonomie hat auf die ökonomische wie juristische Behandlung von Fragen der städtischen Verwaltung in seiner Zeit viel Einfluß geäußert. Im übrigen ist die Schrift auf einem niederen wissenschaftlichen Standpunkte, im wesentlichen eine Schilderung des damaligen preußischen Wirthschafts-, Polizei- und Finanzwesens ohne Versuch einer selbständigen Behandlung und tiefern Erklärung der ökonomischen Vorgänge und Zustände, weder die englische Nationalökonomie seiner Zeit, noch die herrschenden Strömungen der Philosophie haben D. berührt. Uebrigens ist D. aber auch bemerkenswerth als Begründer der ersten ökonomischen Zeitschrift „Oekonomische Fama, von allerhand zu den ökonomischen Polizei- und Cameralwissenschaften gehörigen Büchern, auserlesenen Materien, nützlichen [260] Erfindungen, Projecten, Bedenken und anderen dergleichen Sachen handelnd“, 10 Hefte. Begonnen 1729; in theilweise neuer Auflage 1743, welche aber noch mehr als seine Einleitung den höchst unwissenschaftlichen Standpunkt des Verfassers charakterisirt, obwol es auch hier an einzelnen guten Abhandlungen und scharfen Kritiken (z. B. gegen Klock, Aerarium) nicht fehlt. – Baur, S. hist.-lit. Handwörterbuch I, Ulm 1807. – Biogr. universelle s. v. (1814). – Roscher, Gesch. der Nat.-Oek. in Deutschland S. 431.