ADB:Dwinglo, Bernardus

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Artikel „Dwinglo, Bernardus“ von Jacob Cornelis van Slee in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 503–504, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dwinglo,_Bernardus&oldid=2494642 (Version vom 17. Oktober 2018, 19:02 Uhr UTC)
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Dwinglo: Bernardus D., tritt in den remonstrantischen Streitigkeiten als kluger und unerschrockener Kämpfer für die Lehre des Arminius auf. Schon als Student der Theologie in Leyden schloß er sich eng an Arminius an und unterzeichnete 1610 als Prediger zu Berkel die bekannte Remonstrantie. 1615 folgte er, zugleich mit dem contra-remonstrantischen Hermann Cuchlinus, dem Ruf der Gemeinde zu Leyden, welche mit dieser doppelten Wahl die Beschwichtigung der Religionsstreitigkeiten beabsichtigte, aber diesen friedlichen Zweck freilich nicht erreichte. Die Magistratsänderung in calvinistischem Sinne, welche 1618 zu Leyden stattfand, machte seine Stellung schwierig. Die Synode zu Dordrecht rief ihn mit seinem Collegen Corvinus bald vors Gericht, verurtheilte die fünf remonstrantischen Artikel und verbannte den D. und seine Mitcitirten nach dem Dorfe Waalwyk in Brabant. Wie er an der Vertheidigung der Remonstranten einen bedeutenden Antheil hatte, trat er auch als Wortführer der Ausgetriebenen auf. Ungeachtet der damit verknüpften Gefahr kehrte er bald insgeheim nach Leyden zurück, hielt sich theilweise zu Haarlem auf und war an der Befreiung seines Freundes Isaak Welsing betheiligt. Jedesmal wußte er seinen Verfolgern zu entschlüpfen. Die Verschwörung der Söhne Oldenbarnevelt’s gegen Moritz von Nassau im J. 1623 nöthigte ihn sein Vaterland zu verlassen, weil man ihn, wenn auch ohne triftigen Grund, der Theilnahme daran verdächtig hielt und eine Geldsumme auf seine Verhaftung setzte. Zu Antwerpen, wo er sich anfangs aufhielt, verfaßte er eine ausführliche Verantwortung: „Verantwoordinghe van B. Dwinglo thegens de publicatie van den Raet Provinciael in Holland“, [504] 1624. Bald aber reiste er nach Holstein ab, wo er lange Jahre verweilte, und seit 1631 seinen geflüchteten Glaubensgenossen zu Glücksstadt als Prediger diente. 1637 kehrte er nach Haarlem, wo sich seine Gattin aufhielt, zurück, und lebte dort fortan unangefochten als Gelehrter, bis er gegen 1660 sein vielbewegtes Leben endete. Er war ohne Frage ein leidenschaftlicher und unerschrockener Chararakter, eifrig, thätig und gelehrt, aber nicht minder einseitig. Das zeigt auch seine Schrift: „Historisch Verhael van’t gehne sich toegedragen heeft binnen Dordrecht in de jaeren 1618 en 1619“(1623), noch mehr die „Nulliteiten des nationaelen Synodi“, gedruckt 1619. Außer diesen Schriften erwähnen wir noch: „Cristallynen bril tot versterkinge van’t schemerend gesicht der eenvoudighen“, 1613, eine Streitschrift wider Adriaan Smout, voll Schärfe und Bitterkeit, und die von ihm fortgesetzte „Kerkelyke Geschiedenissen door Jo. Uytenboogaert.

Van der Aa, Biogr. Woordb.; Glasius, Gesch. d. Nation. Syn. II. bl. 57.