ADB:Elisabeth von Schönau

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Artikel „Elisabeth, die Heilige, von Schönau“ von Franz Xaver Kraus in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 6 (1877), S. 46–47, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Elisabeth_von_Sch%C3%B6nau&oldid=- (Version vom 25. Mai 2019, 01:44 Uhr UTC)
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Elisabeth, die Heilige, von Schönau, † 18. Juni 1165. Hildelin (Hillin), erster Abt des Klosters Schönau in der Grafschaft Katzenellenbogen, in der östlichsten Ecke des Erzbisthums Trier, hatte in den 30er Jahren des 12. Jahrh. in der Nähe seiner Abtei auch ein Frauenkloster Benedictinerordens gestiftet, welches bis zum J. 1606 bestand und in der Geschichte des mittelalterlichen Mysticismus eine gewisse Bedeutung gewonnen hat. Bald nach Gründung des Frauenklosters Schönau (das von einem anderen in Franken, Diöcese Würzburg, zu unterscheiden ist – es gab noch ein drittes Schönau, Mannskloster, bei Heidelberg, Diöcese Worms) trat in dasselbe die 1129 geborne E. ein, deren Geburtsstätte wol am Mittelrhein zu suchen ist, da sie einen Bruder unter den Stiftsherren in Bonn, Verwandte unter den Nonnen zu St. Thomas und Bekannte in den Klöstern zu Köln, Bonn, Dierstein, Diekirchen hatte. Elf Jahre nach ihrem Eintritt (1152) begann E. in ekstatische Zustände zu fallen, welche dem magnetischen Hellsehen ganz ähnlich beschrieben werden. Was sie in diesen Ekstasen sah und erlebte, schrieb oder dictirte sie auf Veranlassung ihrer Obern und namentlich auf Andringen ihres Bruders Ekbert. Allem Anschein nach that man ihr eine gewisse Gewalt an, um diese Mittheilungen ihr abzuzwingen, welche sie ohne Zweifel im besten Glauben an die Sache von sich gab. Unmöglich kann man dagegen von Betrug diejenigen freisprechen, welche jene Offenbarungen hervorriefen und sich ihrer zu ihren Zwecken bedienten. In jenen Tagen suchte man der Sage vom Martyrium der h. Ursula und ihrer 11000 Jungfrauen in Köln eine festere Unterlage zu geben, um sie dann, wol im Kampfe gegen auftauchende Häresien, beim Volke zu verwerthen. Man „fand“ daher in dem Ager Ursulanus eine Menge Gebeine mit Inschrifttäfelchen, um deren Erklärung man sich nun an E. von Schönau wandte. Ekbert, ihr Bruder, dessen Auftreten gegen die Katharer in Köln bekannt ist, leitete die Angelegenheit und lockte in der That seiner Schwester die befriedigendsten „Offenbarungen“ ab. Wenn z. B. auf dem ursulanischen Acker auch männliche Gebeine zum Vorschein gekommen waren, so wurde dies dahin erklärt, daß ein Geliebter der heil. Verona dieser gefolgt und, durch sie bekehrt, gleichfalls als Märtyrer gestorben sei. In ähnlicher Weise entstanden der fabelhafte Papst Cyriacus und der Bischof Pontulus von Basel. Die Inschriften ließ man von einem Erzbischof (!) Jakob verfertigt sein, im Moment der Hinschlachtung. Uebrigens waren die Visionen Elisabeths nicht blos dieser Art. Zum großen Theil sind sie praktisch-sittlichen Inhaltes und enthalten Ermahnungen zur Einkehr und Buße, Betrachtungen, die für die tiefe Religiosität und die ernste Frömmigkeit ihrer Urheberin zeugen; so die Ermahnungen an die Bischöfe von Trier, Köln und Mainz. Endlich enthalten ihre Werke, wie sie ihr Bruder Ekbert gesammelt, im fünften Buch Briefe der Heiligen, z. B. an einen Mönch Ludwig, später Abt zu St. Matthias bei Trier, an den Abt von Busendorf, an Erzbischof Hillin von Trier, an die Aebtissin zu Diekirchen, die Nonnen zu St. Thomas bei Andernach, zu Köln, Bonn, Dierstein; das sechste Buch, von Ekbert verfaßt, erzählt ihr Ende. Ekbert selbst, der ehedem Canonicus am Stifte St. Cassius und Florentius in Bonn gewesen, trat auf Anregung seiner Schwester in die Abtei Schönau ein. Von einer eigentlichen Canonisation Elisabeths ist nichts bekannt, doch wurde ihr Name in dem unter Gregor XIII. herausgegebenen Martyrol. Romanum eingetragen, freilich ohne Erwähnung ihrer sogenannten „Offenbarungen“. Ihr Andenken feierte der dritte Schönauer Abt Emicho in einem Lobgedicht (Salve, felix Elisabeth, odorifera rosa etc. Act. SS. Boll. III. Jun. 605 s.). Auch Trithemius spricht gerne von ihr, Catal. script. eccl., De vir. ill. O. S. B. II. c. 120, III. c. 335, Chron. Hirsaug. z. J. 1165. Ihre Schriften und diejenigen Ekberts gab zuerst Faber Stapulensis in Liber trium viror. et trium spiritualium virginum, Par. 1513 heraus; [47] sie erschienen dann wieder in Corpus Revelationum ss. Brigittae, Hildegardis, Elizabethae, Col. Agripp. 1628 fol. und bei Crombach, Ursula vindicata etc., Col. 1647. Vgl. dessen Auctuarium sive lib. XII s. Ursulae vindicatae, Col. und Kessel, St. Ursula und ihre Gesellschaft. Köln 1863. 4°. Eine italienische Uebersetzung der Revelationen kam zu Venedig 1589 heraus. Ferner nahmen die Bollandisten ihre Vita und ihre Revelationes (mit Ausschluß des vierten Buches „propter fidem dubiam“) auf. Act. SS. III Jun. 604–643.

Vgl. über sie Oliv. Legipont. Hist. rei lit. O. S. Bened. III. 499–500. – Rettberg, Kg. Deutschl. I. 116 f. – Marx, Erzstift Trier II, 1. 480–497.