ADB:Emminger, Eberhard

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Artikel „Emminger, Eberhard“ von Max Bach in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 354–355, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Emminger,_Eberhard&oldid=- (Version vom 23. Mai 2019, 09:34 Uhr UTC)
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Emminger: Eberhard E., Maler und Lithograph, geboren am 21. Octbr. 1808 zu Biberach als der Sohn eines Glasermeisters. Schon früh entwickelte sich sein Talent zum Zeichnen, in welchem er durch den originellen Genremaler Pflug Unterricht erhielt, dieser vermittelte auch seinen Eintritt als Lehrling in die bekannte Kunsthandlung, Lithographie und Coloriranstalt von Ebner in Stuttgart im J. 1822. Bei Ebner erschien damals jene große Serie kleiner württembergischer Städteansichten, die noch heute geschätzt und vielfach gesammelt werden. Zu dieser Arbeit wurde nun der junge E. verwendet, wobei er zugleich das Lithographiren erlernte und bald solche Fortschritte machte, daß er im Frühjahr 1825 von seinem Lehrherrn den Auftrag erhielt, eine Anzahl Bodenseeansichten aufzunehmen. Mit 12 fl. in der Tasche umwandelte er die lieblichen Ufer des schwäbischen Meeres und zeichnete 12 Ansichten, die noch in demselben Jahre lithographirt wurden und reißenden Absatz fanden bis zur vollständigen Abnutzung der Steine.

Nach Ablauf seiner 6jährigen Lehrzeit nahm E. Unterricht an der neu errichteten Kunstschule und übte sich besonders auch im Zeichnen nach der Natur, nebenbei war er freilich genöthigt Aufträge für Buchhandlungen zu übernehmen. Eine seiner ersten größeren Arbeiten aus den Jahren 1830–33 war die Herstellung einer Reihe von Bildern aus Luther’s Leben nach Zeichnungen von Fellner. Im J. 1832 übertrug ihm der württembergische Kunst-Verein die Ausführung der Lithographie: Der Rosenstein, gemalt von Steinkopf. Das Blatt gefiel so sehr, daß man ihm sein Honorar um 150 fl. erhöhte. Auch der Landesherr König Wilhelm erwies ihm seine Gunst durch Gewährung einer Staatsunterstützung von 800 fl. zu einer Kunstreise nach München und Italien. E. begab sich 1835 zunächst nach München und reiste von dort zu Fuß über den Splügen ins Land der Kunst. „Italien ist ein herrliches Land“, schreibt er von Venedig aus, „alle 8–10 Stunden eine prachtvolle Stadt mit 20–40000 Einwohnern, mit herrlichen Kirchen, Theatern, Brücken, Festungswerken und sonstigen prächtigen Bauten. Der Anblick der Stadt Venedig macht einen unbeschreiblichen Eindruck. In architektonischer Beziehung wird es eine der schönsten Städte der Welt sein“. Von Venedig begab sich E. über Ferrara, Bologna, Ancona u. s. w. nach Rom. Dort bleibt er den ganzen Winter 1835/36, besuchte die Museen und die Ateliers berühmter Künstler, deren damals eine große Anzahl in Rom lebte, zeichnete nach der Natur und copirte mehrere Gemälde; selbstverständlich wurden auch die malerischen Umgebungen Roms zu Studien benutzt und besonders Tivoli und Terni dazu auserkoren. Vor seiner Rückkehr in die Heimath im Frühjahr 1836 ging E. auch nach Neapel, bestieg den Vesuv und hielt sich dann noch acht Tage in Florenz auf.

In der Heimath fanden seine mitgebrachten Arbeiten soviel Anerkennung, daß ihm seine Vaterstadt zur weiteren Unterstützung noch 300 fl. spendirte, wodurch es ihm möglich wurde, wieder auf längere Zeit in München seinen Aufenthalt zu nehmen. Schon vor seiner Reise nach Italien war E. die Ausführung von ca. 100 Blättern aus der Mappe des württembergischen Officiers Faber du Faur übertragen worden, welche den denkwürdigen Feldzug von 1812 in Rußland illustriren sollten. Diese Arbeit vertheilte sich selbstverständlich auf eine Reihe von Jahren, sodaß der Künstler schon jetzt vertrauensvoll in die Zukunft blicken konnte. Nach einander erschienen in den 30er und 40er Jahren eine Reihe trefflicher Lithographien, theils nach Gemälden, theilts nach eigenen Aufnahmen. Im Sommer 1845 bereiste E. die Rheingegenden von Mainz bis Köln und zeichnete 24 der schönsten Ansichten, [355] die in Stahl gestochen eine weite Verbreitung fanden. Insbesondere aber sind es die nach der Natur gezeichneten und lithographirten großen Blätter: Städteansichten und Landschaftsbilder, deren Herstellung sich auf einen Zeitraum von 40 Jahren vertheilte, durch welche der Name Emminger’s weithin rühmlichst bekannt wurde. Es sind: Wien, Prag, München, Stuttgart, Eßlingen, Heilbronn, Marbach, Gmünd, Ellwangen, Tübingen, Heidenheim, Urach, Ulm, Ehingen, Riedlingen, Zwiefalten, Sigmaringen, Tuttlingen, Spaichingen, Pfullendorf, Mengen, Saulgau, Buchau, Biberach, Laupheim, Ravensburg, Friedrichshafen, Lindau, Bregenz, das Schussenthal, Illerthal, Kempten, Füssen u. s. w. Sein größtes Blatt war eine Ansicht von Rom, welche 1849 aufgenommen und 1852 erschienen ist. Ein damaliger Berichterstatter sagt: „es ist nicht nur die größte Steinzeichnung, sondern sie gehört auch unter die schönsten Städteansichten, die je aufgenommen wurden.

Im J. 1854 siedelte der Künstler nach München über, er übte dort seine Kunst weiter und schuf eine Reihe lithographischer Prachtwerke, von welchen wir nennen: 60 Blätter nach Skizzen von Bernatz über Abessinien und Sudan, 30 Blätter aus Palästina von demselben, ferner eine Sammlung von Starnbergersee-Ansichten, desgleichen aus den bairischen Alpen, dem Böhmerwald, bairischen Wald, Münchener Stadtansichten u. s. w. Der Verlust seines im Alter von 21 Jahren verstorbenen Sohnes und bald darauf auch der seiner Gemahlin verleideten ihm den Münchener Aufenthalt und er zog, nachdem er sich zum zweiten Mal verheirathet hatte, nach Stuttgart, doch schon 1878 kehrte er in seine Vaterstadt zurück und war auch hier unermüdlich thätig in Ausführung verschiedener Werke. Wenn auch Emminger’s Hauptthätigkeit die Lithographie 1andschaftlicher Ansichten war, so kennt man doch von ihm auch mehrere Oelgemälde und Aquarelle. Seine Werke zeichnen sich alle durch eine geschickte Auffassung, Naturwahrheit und schönen Baumschlag aus, in der Technik war er unerreicht. Er hinterließ zahlreiche Aufnahmen und Skizzen, die theilweise in den Besitz der kgl. Kupferstichsammlung in Stuttgart übergegangen sind. Seine Schaffenslust ruhte nimmer, bis ein Schlagfluß am 27. November 1885 seinem Leben ein Ende machte.

Eb. Emminger, Maler und Lithograph (Literar. Beilage des Staats-Anzeigers für Württemberg, 1886, Nr. 6).