ADB:Fäsi, Johann Konrad

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Artikel „Fäsi, Joh. Konrad“ von Gerold Meyer von Knonau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 6 (1877), S. 578–579, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:F%C3%A4si,_Johann_Konrad&oldid=- (Version vom 20. Oktober 2019, 09:04 Uhr UTC)
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Fäsi: Joh. Konrad F., geb. 26. April 1727 zu Zürich, † als Pfarrer von Flaach, im Canton Zürich, 6. März 1790, Geograph und Geschichtsforscher. Schon von seinem Vater, einem sehr fleißigen Sammler, zu Forschungen über die vaterländische Geschichte vorbereitet (über den Großvater Jacob F., 1664 bis 1722, Mathematiker und Astronom, spricht Wolf, Biographien z. Culturgeschichte d. Schweiz, 1. Cyclus, S. 167–180), dann durch Bodmer und Breitinger in diesen Arbeiten weiter in anregendster Weise gefördert, widmete sich F. während der Vorbereitungen für seinen theologischen Beruf mit Erfolg historischen Studien. Einen vorläufigen Plan, eine Geschichte und Erdbeschreibung der Landgrafschaft Thurgau zu schreiben, wo sich F. als Hauslehrer bei einem zürcherischen Obervogte aufhielt, billigte Bodmer mit dem Urtheile, wer einen solchen Plan entwerfen könne, sei auch ohne seine Hilfe der Ausführung gewachsen. 1758 nach Zürich zurückgekehrt, bethätigte sich F. als eines der eifrigsten Mitglieder der durch Bodmer in Zürich für schweizerisch geschichtliche Arbeiten in das Leben gerufenen Helvetischen Gesellschaft, bis er 1764 in die praktische Laufbahn des Theologen eintrat. In die zwölf Jahre seiner Besorgung der Pfarrei Uetikon, am rechten Zürichseeufer, fällt die Vollendung seines Hauptwerkes, der „Genauen und vollständigen Staats- und Erdbeschreibung der ganzen Helvetischen Eidgenoßschaft, derselben gemeinen Herrschaften und zugewandten Orten“ (Zürich 1765–1768, vier Bände). Die Aufforderung der Orelli’schen Buchhandlung in Zürich an F. 1763, dieses Werk auszuarbeiten, war durch das Erscheinen der an sich ganz vorzüglichen Darstellung der Eidgenossenschaft im vierten Theile von Büsching’s Erdbeschreibung (erste Auflage von 1760) und dem Wunsch, ein einläßlicheres und genaueres derartiges Buch für die Schweiz allein zu besitzen, hervorgerufen worden. F. entledigte sich der Aufgabe in einer, wenn man seine Hilfsmittel erwägt, höchst lobenswerthen Weise, und für die Eilfertigkeit der Arbeit, welche allerdings allerlei Fehler bedingte (s. d. Art. Joh. Konrad Füßli), ist der Verleger verantwortlich zu machen. Dabei steht freilich nach dem damaligen Stande der Kenntnisse die Naturbeschreibung hinter der Staats- und Ortsschilderung zurück. An allerlei freimüthigen Urtheilen fehlt es nicht, welche z. B. in Bern nahezu dem Buche den Weg verschlossen hätten. F. war, wie auch im Auslande, u. a. durch Büsching selbst, vollkommen anerkannt wurde, in diesem Werke für sein Vaterland bahnbrechend vorangegangen. Außerdem aber war F. auch sehr thätig auf dem historischen Felde, sowol in selbständigen Werken („Abhandlungen über wichtige Begebenheiten der älteren und neueren Geschichte“, zwei Theile, Zürich 1763 u. 1764; eine Uebersetzung von Cardonne’s „Geschichte von Afrika und Spanien unter der Herrschaft der Araber“, durch F. um eine Abhandlung über die Geschichte Spaniens vermehrt, Zürich 1770; „Abhandlungen über die Geschichte des Friedensschlusses zu Utrecht“, Leipzig 1790), als in Beiträgen zu wissenschaftlichen Zeitschriften (besonders mehrere, theilweise umfangreiche zu Meusel’s „Historischen Untersuchungen“, Bd. I. II., und desselben „Geschichtsforscher“, Bd. I–III. V.): dieselben beziehen sich besonders auf die allgemeine und die schweizerische Geschichte des 16. Jahrhunderts, oder sie sind verfassungsgeschichtlichen Inhaltes, ein anderer eine Geschichte der [579] lützelburgischen Kaiserdynastie. Es sind theilweise ganz anerkennenswerthe Leistungen, sowol hinsichtlich der Herbeiziehung neuer Quellen und der Verständniß verrathenden Ausbeutung derselben, als durch das Streben nach pragmatischer Geschichtschreibung, welches wieder auf Bodmer’s Anregung hinweist, daß sich die Geschichte von der trocken registrirenden Manier entfernen müsse. Nicht als bloße Spielerei, sondern als Einkleidung freimüthiger, oft eigenthümlich treffender historisch-wissenschaftlicher und politischer Urtheile sind die „Todtengespräche über wichtige Begebenheiten der mittleren und neueren Geschichte“ (Leipzig 1775), und „Unterredungen verstorbener Personen“ (Halle 1777) anzusehen.- F. hatte zu den ersten Mitgliedern der 1762 gestifteten Helvetischen Gesellschaft zu Schinznach gehört und 1770 von derselben den Auftrag erhalten, die Fortsetzung der Tschudi’schen Chronik von 1472 an mit historischen Erläuterungen herauszugeben, ein Unternehmen, welches Johannes Müller durch einen begeisterten Aufruf zu fördern suchte; aber obschon F. sich eifrig auch an diese Arbeit machte, freilich nicht ohne das Original vielfach umzugestalten, wurde die Sache nicht durchgeführt (Fäsi’s Manuscript liegt auf der Züricher Stadtbibliothek).

„Biographische Nachrichten von Joh. Konrad F.“ (wol von seinem Sohne verfaßt) stehen in dessen „Bibliothek der Schweizerischen Staatskunde“ etc., 1. Jahrg., 1796, S. 729–761.

Joh. Caspar F., geb. 28. Decbr. 1769, † zu Zürich 9. August 1849, Sohn des Joh. Konr. F., Professor der Geographie und Geschichte an der zürcherischen Kunstschule, später Oberschreiber am Obergerichte, gab im letzten Decennium des achtzehnten Jahrhunderts (Zürich, 1795 u. 1796) geographisch-statistische Handbücher über die Schweiz heraus. Die 1796, als H. H. Füßli’s (s. d. Art.) „Neues Schweizerisches Museum“ einging, begonnene „Bibliothek der Schweizerischen Staatskunde, Erdbeschreibung, Kunst und Litteratur“ umfaßte zwei Jahrgänge (1796 3 Bde., 1797 2 Bde., und enthielt besonders biographische Artikel, u. a. über Joh. Konrad F., dann andere historische Stücke, zum Theil aus dem Nachlasse desselben, auch eine Probe der Fortsetzung Tschudi’s.

Joh. Caspar F., geb. 28. Januar 1795, † zu Brest in Rußland 3. August 1848, Militär, Sohn des Joh. Caspar F., trat, nachdem er 1815 der Belagerung Hüningens beigewohnt hatte, in russischen Dienst, avancirte zum Divisionsgeneral und zeichnete sich in dem Feldzuge in Polen und vorzüglich im Kaukasus aus.