ADB:Friedrich (Bischof von Straßburg und Utrecht)

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Artikel „Friedrich II. von Blankenheim“ von Ludwig Spach, Pieter Lodewijk Muller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 43–45, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Friedrich_(Bischof_von_Stra%C3%9Fburg_und_Utrecht)&oldid=- (Version vom 23. Mai 2019, 13:52 Uhr UTC)
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Friedrich II. von Blankenheim, Bischof von Straßburg (a. 1375 bis 1393), von Utrecht (1393–1423); Nachfolger Lamprechts von Büren (1371–75), der als Bischof von Straßburg nach Bamberg abging. – F. v. B. stammte aus einem alten Dynastengeschlecht in der Eifel; das gleichnamige Familienschloß war bei Kerpen gelegen. Die ersten Ritter dieses Namens kommen im Anfange des 12. Jahrhunderts vor; mit Gerhard VII. wurden sie in den Grafenstand erhoben; des letzeren Bruder war F. II., Bischof von Straßburg und von 1393 ab, durch Austausch mit Wilhelm v. Diest, Bischof von Utrecht. Das Bisthum Straßburg, das er, kaum 20jährig, kraft einer päpstlichen Bulle vom September 1373 betrat, befand sich besonders seit 1369 in einem trostlosen Zustand. Unter Johann von Ligny, Bischof von 1369–71, entbrannte der Streit zwischen den Würdenträgern des Münsterstifts, Johann v. Ochsenstein und Hermann v. Kyburg; im October 1375 kampirte Enguerrand de Coucy mit seinen engelländischen Banden unter Straßburgs Mauern. Es herrschte überhaupt während dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts im Elsaß wie in ganz Deutschland ein anarchisches Treiben; die Städte suchten sich selbst, durch Bündnisse, woran Straßburg Theil nahm (1381, 1385), Recht zu schaffen; allein die Verwüstung von 200 Dörfern und Verödung der Landstraßen bezeichnete das erste Decennium von des Blankenheimers Verwaltung. Am rechten Rheinufer dagegen hatte der Bischof F. für das Bisthum wichtige Eigenthumsrechte, per fas et nefas, erworben; z. B. Haslach im Kinzigthale, ein Besitzthum des zu Sempach gefallenen Herrn v. Fürstenberg-Herbolsheim, früher den Hochberg gehörig, die Silberminen von Gengenbach u. s. f. Nichtsdestoweniger war der Prälat immer in Geldnöthen; hatte im J. 1384 das Mundat Ruffach mit anderen bischöflichen Herrschaften dem Junker Bodo von Straßburg verpfändet; schuldete noch anderen Bürgern und wurde etwa um 1391–92 in einen unheilvollen Krieg gegen die Stadt verwickelt. Es hatte nämlich der berüchtigte Raubritter Braun von Rappoltstein a. 1383 das Bürgerrecht von Straßburg erworben, auf Burg Hoh-Rappoltstein einen Jugendfeind, den Engländer John Harleston eingekerkert und sechs Jahre lang, auch nach Bezahlung eines Lösegeldes, [44] und Intervention des Kaisers Wenzel, des Königs Richard II. von England, des Papstes, nicht losgegeben; das Verfahren kam auf Straßburgs Rechnung, das in die Reichsacht verfiel. Darauf, nur seinen Vortheil berücksichtigend, hatte der hinterlistige Braun den Gefangenen losgelassen, sich zu den Feinden der bekümmerten Stadt gewendet und den Bischof zu gleichem Verfahren bestimmt. Eine Zeit lang rüstete dieser insgeheim, gab den erschrockenen Bürgern ausweichende Antwort, warf endlich die Maske ab, und den Ungehorsam Straßburgs gegen den Kaiser vorschützend, zogen seine Truppen mit den verbündeten Reichsfahnen, unter Führung des kaiserlichen Landvogts Borziwoy von Swinar gegen die „wohlgerüstete“ Reichsstadt. Der Markgraf von Baden, der Graf von Würtemberg, der Herr von Lichtenberg, nahe und fernere Dynasten des Rheinthales reihten sich, durch übermäßige Versprechungen des Bischofs bewogen, unter den Landvogt. In weitem Umkreise, nördlich und südlich von Straßburg, wurden die Dorfschaften besetzt, geplündert oder verbrannt; größere und kleinere Scharmützel und Ausfälle, Kämpfe um die Straßburger Rheinbrücke bezeichnen die Episoden des langwierigen Krieges, während dem Straßburg sich heldenhaft bewährte. Zu Eschau wurden zu keinem Resultat führende Unterhandlungen gepflogen. – Borziwoy forderte 100000 Gulden Entschädigung für Kriegskosten. Mit ihm fand man sich privatim für 32000 Gulden ab; er zog fort mit seiner Kriegsbeute nach Böhmen (1393). – Seinen gegen die Verbündeten eingegangenen Verpflichtungen konnte der Bischof nicht nachkommen. Der Boden schwankte unter seinen Füßen, nachdem die Stadt sich mit dem Kaiser versöhnt. Er unterhandelte insgeheim, doch mit päpstlicher Befugniß, um eine Permutation mit Wilhelm v. Diest, Bischof zu Utrecht, und segelte, bei nächtlicher Weile (30. Juli 1393) rheinabwärts gen Nymwegen in seine neue Diöcese. Die Urtheile der früheren und späteren Chronisten und Historiker über diesen Prälaten sind in hohem Grade abweichend. Uebereinstimmung herrscht nur über seine Kenntnisse in canonischem Rechte und seine Leutseligkeit. Im Kriege gegen Straßburg war er, scheint es, schlecht berathen von seiner näheren Umgebung, Rudolph von Hohenstein und Rudolph von Andlau. Seine Klagen gegen Straßburg bezogen sich auf das Asylrecht im Münster, auf Münz- und Zollwesen, auf die Bevorzugung der Pfahlbürger der Stadt. – Als Bischof zu Utrecht entsagte er auch der Grafschaft von Blankenheim zu Gunsten einer Nichte, Elisabeth von Boer. Der Chronist Herzog fabelt von einer geheimen Anwesenheit des Bischofs zu Straßburg im J. 1440, wodurch sein Leben ins höchste Greisenalter hinübergezogen würde. Wimpheling tadelt des Blankenheimers Habsucht; der französische Schriftsteller Père Laguille dagegen ergeht sich in einer Panegyrik und wirft dem permutirenden Bischof blos seinen Bund mit in- und ausländischen Dynasten vor.

Herzog, Edelsassische Chronik (Straßburg 1592), S. 100 ff. Laguille, Histoire de la province d’Alsace, S. 113 ff. Iselin, Historisches und geographisches Wörterbuch II. S. 912. Strobel, Vaterländische Geschichte des Elsasses II. S. 445 u. ff., III. S. 2 u. ff.) Kneschke, Deutsches Adelslexikon. L. Spach, Histoire de la basse Alsace S. 113 ff. Derselbe, Biographies alsaciennes. Oeuvres choisies. Tom. II. p. 31 u. ff.

Seine Regierung in Utrecht leitete F. mit dem Kampf gegen die Herren von Coevorden ein, welche die dem Stift gehörige Landschaft Drenthe gänzlich unter ihre Botmäßigkeit gebracht hatten. 1397 unterwarfen sie sich ihm. Schwerer fiel ihm die Unterjochung der gleichfalls dem Namen nach ihm gehörigen Stadt Gröningen, womit er erst 1419 zum Ziele gelangte. Dem sogen. Arhelschen Krieg, zwischen dem Herzog Wilhelm von Baiern und Holland und dem stolzen Haupte der Cabelliaus, dessen Besitzungen theilweise im Stifte lagen und das [45] viele Verbindungen daselbst hatte, konnte er nicht fremd bleiben, ebensowenig wie dem nach Wilhelms Tod neu entbrannten Krieg der Höcks und Cabelliaus, welcher zuerst in seinem Lande um Ysselstein geführt ward. Doch so lange er lebte, bis 1423, erhielt er sein Stift in leidlichem Zustand, während nachher der Parteikampf daselbst in Verbindung mit dem holländischen Krieg um die Doppelwahl des Sweden von Culemberg und Rudolph von Diepholt desto heftiger entbrannte. F. war ein thätiger Fürst, dessen Eigenschaften als Krieger und Staatsmann seinem Lande bis auf seine letzten Jahre vielfach zu gute kamen.

P. L. Müller.