ADB:Geerarts, Marcus der Ältere

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Artikel „Geerarts, Marcus der Ältere“ von Adolphe Siret in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 491–492, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Geerarts,_Marcus_der_%C3%84ltere&oldid=- (Version vom 16. Oktober 2019, 07:22 Uhr UTC)
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Geerarts: Marcus G., Gheeraerts oder Gérard, der ältere, geb. zu Brügge im Anfange des 16. Jahrhunderts; malte Landschaften, Architekturen und Porträts. Er war Schüler des Martin Devos und bekleidete 1558 in der St. Lucas-Gilde zu Brügge die Stelle des zweiten „Vinder“ (Geschworenen). 1577 finden wir ihn als freien Meister in der St. Lucas-Gilde in Antwerpen eingeschrieben. 1585–86 bezahlte er daselbst seine Beisteuer als Mitglied der Rederyker-Kammer „La Violette“. Er soll in England gestorben sein, wo er sich niederließ und 1571 Hofmaler der Königin Elisabeth ward, doch muß bemerkt werden, daß G. sich 1586 in Antwerpen befand. Jedenfalls ist er vor 1604 gestorben, denn Van Mander, der in diesem Jahr sein Werk herausgab, beklagt sich, über diesen Punkt keine bestimmten Nachrichten vom Sohne des Künstlers erhalten zu können. Weder Geburts- noch Todesjahr haben bisher [492] sicher festgestellt werden können, indem die von Pilkington angegebenen Daten auf einem Irrthum beruhen. Wir kennen von G. einen schönen Riß der Stadt Brügge (vor 1566), der sich in Brügge befindet, und zwei Porträts, Mann und Frau, die in der Wiener Gallerie sind. Man erkennt in den verschiedenen Kunstzweigen Geerarts’ Talent. Wie Patenier, bringt auch er in seinen Landschaften eine niederhockende Gestalt an, die ein natürliches Bedürfniß verrichtet. Seine Bilder sind allgemein geschätzt. G. gab ein „Handbuch über die Zeichenkunst“ heraus, das in Brügge verlegt und später ins Englische übersetzt ward (1674 in 4°). 1567 erschienen von ihm in Brügge Kupferstiche zu Esop’s Fabeln, sowie auch andere Stiche, über die jedoch eine gewisse Unklarheit herrscht, die, so gut wie andere Zweifel über die Lebensdaten Geerarts’ offenbar daher rührt, daß sein gleichnamiger Sohn ihn nach England begleitete und dort in seine Fußstapfen trat. Der Vater G. malte ebenfalls auf Glas; auch stammt die Zeichnung zu dem Grabmal Karl des Kühnen in Brügge von ihm. – In der Ausstellung von Manchester 1857 (der Katalog nannte ihn Marcus Garrard) waren drei von ihm herrührende Porträts der Königin Elisabeth, unter denen sich dasjenige namentlich auszeichnet, auf welchem die Königin in Procession ihren Vetter Lord Hudson besuchend, dargestellt ist. Hiernach fertigte Vertue seinen berühmten Stich. Das wundervolle Bild gehört heute dem Lord Digby.

Marcus G., Gheeraerts oder Gérard, der jüngere Sohn des Vorhergehenden, ward ebenfalls in Brügge geboren. Man vermuthet, daß er Schüler des Lucas de Heere gewesen; Kramm gibt irrthümlich an, daß er 1577 in die St. Lucas-Gilde eingeschrieben sei, was die „Liggeren“ nicht erwähnen. Es wird angenommen, daß er Bilder für Klöster in Brügge malte. Er arbeitete mit seinem Vater in England und ward, wie dieser, Hofmaler der Königin Elisabeth, später der Königin Anna. Der jüngere G. war an dem englischen Hof ein sehr gesuchter Maler, was indeß mehr auf Mode beruht, als daß er ein außergewöhnliches Talent gehabt hätte. Seine Werke sind hauptsächlich durch die dargestellten Persönlichkeiten interessant. Die Zeichnung, sowie das Colorit sind oft schwach und die Composition ist mittelmäßig, aber er verstand seinen Figuren viel Leben und Geist einzuhauchen; seine Bilder leiden an einem gewissen Mangel an Harmonie.