ADB:Geffcken, Johannes

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Artikel „Geffcken, Johannes“ von Carl Bertheau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 494–495, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Geffcken,_Johannes&oldid=- (Version vom 19. August 2019, 17:04 Uhr UTC)
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Geffcken: Johannes G., lutherischer Geistlicher, wurde am 20. Febr. 1803 zu Hamburg geboren, wo sein aus Neuhaus an der Oste stammender Vater Kaufmann war. Seit d. J. 1816 besuchte er das Johanneum und im Sommersemester 1822 das akademische Gymnasium seiner Vaterstadt. Darauf studirte er in Göttingen, in Halle und dann wieder in Göttingen Theologie. Nachdem er an der letzteren Universität den philosophischen Doctorgrad erworben, kehrte er gegen Ostern 1826 nach Hamburg zurück, wo er am 13. Juli 1826 nach beendetem Examen unter die Zahl der Kandidaten des geistlichen Ministeriums aufgenommen wurde. Er beschäftigte sich hier außer mit seinen Studien mit Ertheilung von Privatunterricht, besonders an Schulanstalten für Mädchen. Schon als Student hatte er auf größeren Reisen fast ganz Deutschland, die Schweiz und Oberitalien kennen gelernt; als Candidat bereiste er im J. 1829 Italien und Sicilien und kehrte durch die Schweiz zurück. Am 29. Nov. 1829 ward er zum Diaconus (Prediger) an der St. Michaeliskirche in Hamburg gewählt, in welcher Stellung er bis zu seinem Lebensende verblieb. Bei der Feier des 300jährigen Reformationsjubiläums in Halle wurde er honoris causa zum Doctor der Theologie ernannt. Nach einer etwa achtmonatlichen Krankheit, von welcher er noch in Kissingen Heilung gesucht hatte, starb er wenige Tage, nachdem er in die Heimath zurückgekehrt war, am 2. Oct. 1864. G. hatte eine ungewöhnliche Arbeitskraft. Trotz einer fast unglaublichen, angestrengten Thätigkeit in seinem Amte, war er doch im Stande, noch fortwährend Frische und Kraft für seine wissenschaftlichen Arbeiten sich zu erhalten. In Folge dieser letzteren, hernach dann auch durch seine Theilnahme an den Bestrebungen des Gustav-Adolph-Vereins, war er mit einer großen Anzahl von Gelehrten, namentlich von Theologen, bekannt und stand in einem reichen litterarischen Verkehr, [495] der seinen eigenen Studien dann auch wieder vielfach zu Gute kam. Seine Bereitwilligkeit, andern zu dienen, sei es durch Nachforschungen in den hamburgischen Bibliotheken, sei es aus den Schätzen seiner eigenen Bibliothek, wurde reichlich in Anspruch genommen. Seine eigenen Arbeiten bewegen sich hauptsächlich auf dem Gebiete der Kirchengeschichte seiner Vaterstadt, der Hymnologie und der Katechetik. In erster Hinsicht ist außer an seine vielen werthvollen Beiträge zu der Zeitschrift des Vereins für hamburgische Geschichte hauptsächlich an seinen „Johann Winkler“, 1861, zu erinnern, in welchem Werke die durch den Pietismus in Hamburg erregten Streitigkeiten aus meist ungedruckten Quellen geschildert werden. Seine hymnologischen Kenntnisse bereicherte und verwerthete er zunächst in seiner langjährigen Mitarbeit an dem dann seit dem J. 1843 in der lutherischen Kirche Hamburgs eingeführten Gesangbuche. Hier ist es ihm besonders zu danken, daß eine reichere Auswahl älterer Lieder wieder in dieses Gesangbuch aufgenommen wurde. Als er im J. 1852 von der Conferenz der deutschen evangelischen Regierungen in Eisenach zum Mitgliede der Commission für Anfertigung eines allgemeinen evangelischen Gesangbuches ernannt worden war, gab er, weil er nicht mit der Majorität in der Commission zu gehen vermochte, selbständig einen Entwurf zu einem „Allgemeinen evangelischen Gesangbuche“, Hamburg 1853, heraus, der noch immer Beachtung verdient. Von entschieden bleibendem Werthe ist seine Arbeit über die „Hamburgischen niedersächsischen Gesangbücher des 16. Jahrhunderts“, 1857, deren sämmtliche Lieder er in ihrer ursprünglichen Gestalt mit einer historischen Einleitung herausgab. Dem katechetischen Gebiete gehörte sein erstes größeres Werk, „Ueber die verschiedene Eintheilung des Dekalogus“, 1838, an; vor allem aber dasjenige Werk, auf dessen Herstellung er jahrelangen anhaltenden Fleiß und außerdem auch große Kosten gewandt hatte, „Der Bildercatechismus des 15. Jahrhunderts und die catechetischen Hauptstücke in dieser Zeit bis auf Luther“, von welchem Werke leider nur der erste Theil, die zehn Gebote umfassend, 1855 mit 12 Bildertafeln, herausgekommen ist; während der Ausarbeitung des zweiten Theiles, zu welchem schon die Bilder gedruckt waren, starb G. Er hatte hier ein Gebiet betreten, das vor ihm Niemand auch nur annähernd mit solcher Gründlichkeit bearbeitet hatte; „es kam darauf an“, wie er selbst sagt, „eine verlorene, jedenfalls vergessene Litteratur Schritt vor Schritt wieder zu entdecken und im Zusammenhange zu begreifen“. Für die Geschichte des kirchlichen Lebens namentlich in Deutschland, vor der Reformation ist hier eine in vorher ungeahnter Weise reichlich fließende Quelle eröffnet, und wenn es auch immer sehr zu bedauern bleibt, daß das Werk nicht vollendet ist, so ist doch gerade in der genannten Hinsicht der erschienene Theil des Werkes wol wichtiger, als die folgenden voraussichtlich geworden wären, weil gerade die zehn Gebote in der Zeit unmittelbar vor der Reformation für die Lehre und Predigt eine Bedeutung gewonnen hatten, wie zu keiner anderen Zeit. G. hinterließ eine ungemein große und reichhaltige Bibliothek, deren Katalog gedruckt ist; einige Abtheilungen derselben kamen auf die Hamburger Stadtbibliothek, das übrige wurde leider in einer Auction zerstreut. Eine große Anzahl ihm für seinen „Bildercatechismus“ höchst wichtiger Manuskripte und Incunabeln hatte er selbst besessen.

Ueber ihn ist zu vergleichen außer den Angaben im Lexikon der hamburgischen Schriftsteller: (Sengelmann) Dr. Johannes G., Nekrolog in der Allgem. Kirchenzeitung, 43. Jahrgang, Darmstadt 1864, Nr. 82.