ADB:Gerstner, Franz Anton Ritter von

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Artikel „Gerstner, Franz Anton Ritter v.“ von Karl Karmarsch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 69–70, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gerstner,_Franz_Anton_Ritter_von&oldid=- (Version vom 13. Oktober 2019, 03:37 Uhr UTC)
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Gerstner: Franz Anton Ritter v. G., Ingenieur, als Sohn von Franz Joseph v. G., geb. am 11. Mai 1793 (nicht 1795, wie man gewöhnlich angegeben findet) in Prag, † am 12. April 1840 zu Philadelphia. Nach beendigten philosophischen Studien an der Prager Universität besuchte er das unter der Leitung seines Vaters stehende technische Institut. Schon zu Ende des J. 1817 wurde ihm provisorisch die Lehrkanzel der praktischen Geometrie an dem kürzlich errichteten polytechnischen Institute zu Wien übertragen, deren definitive Verleihung im Juni 1819 folgte. Das inzwischen von seinem Vater zur Reife gebrachte Project einer Eisenbahn (für Pferdebetrieb) von Budweis nach Linz, zur Verbindung des Moldauflusses mit der Donau – der ersten Eisenbahn auf dem europäischen Festlande – gab dem jungen, aber thätigen und energischen Professor Veranlassung, 1822 England zu besuchen, um das dortige Eisenbahnwesen praktisch kennen zu lernen. Nach seiner Rückkehr erledigte er 1823–24 die Vorarbeiten für die erwähnte Bahn, zu deren Ausführung ihm am 7. Septbr. 1824 ein kaiserliches Privilegium ertheilt wurde. Im October des letztgenannten Jahres traf G. eine interessante Veranstaltung zur Belehrung des Wiener Publikums rücksichtlich der Eisenbahnen: Er legte im Prater ein 300 Fuß langes Bahngleis (zu einem Drittel gänzlich von Holz, einem Drittel aus hölzernen Langschwellen mit ausgelegten flachen schmiedeeisernen Schienen und einem Drittel aus Gußeisen); zwei gekuppelte Wagen, zusammen leer 38 Centner wiegend und mit 100 Centner Eisen beladen, wurden durch ein im Trabe laufendes Pferd gefahren und rollten, nach plötzlicher Ablösung des Thieres, noch 60–120 Fuß weit von selbst fort – ein elementares, aber den Laien verständliches Experiment. Um dem im J. 1825 begonnenen Bau seiner Eisenbahn sich widmen zu können, hatte G. schon 1824 seine Professur niedergelegt; er reiste 1826 zum zweiten Male nach England. Finanzielle Schwierigkeiten, welche bei der Neuheit des Unternehmens schwer vorauszusehen waren, trübten das Verhältniß zwischen G. und seinen Actionären; das Anlagecapital von nur einer Million Gulden (für eine Linie von 126 Kilometer oder nahe 17 Meilen) war schon mit Vollendung der ersten Bahnhälfte aufgezehrt, und die hieraus entspringende Mißstimmung veranlaßte G., sich zurückzuziehen unter Verzichtleistung auf alle die Vortheile, welche ihm nach Beendigung des Bahnbaues zugesichert waren. (Die Bahn ist bekanntlich theilweise 1828, vollständig aber erst 1830 in Betrieb gekommen.) Nach seinem Rücktritte besuchte G. England zum dritten Male, um besonders durch die Beobachtung der ihrer Vollendung entgegengehenden Liverpool-Manchester-Bahn seine Studien zu erweitern. Von unermüdlichem Thätigkeitstriebe gestachelt, suchte G. sich ein neues Feld zur Befriedigung desselben: er bemühte sich, eine Actiengesellschaft zu Stande zu bringen, um die Wasserkraft einer Schleuse an dem großen Schifffahrtscanale zwischen Mailand und Pavia zu benutzen; und als dies fehlschlug, wandte er sich 1834 nach St. Petersburg, wo er bis 1837 die erste russische Eisenbahn – von Petersburg nach Zarskoje-Selo – erbaute. Darauf begab er sich nach Nordamerika, bereiste vom November 1838 an 12 Monate lang alle dortigen [70] ausgeführten oder in Ausführung begriffenen Eisenbahnen (178 an der Zahl), sowie die wichtigsten Schifffahrtscanäle, und sammelte darüber eben so umfassende, wie werthvolle Nachrichten; hier, fern vom Heimathlande und im kräftigsten Mannesalter, überraschte ihn der Tod. – Außer einer kleinen Schrift aus früher Zeit: „Lehrgegenstände der praktischen Geometrie am k. k. polytechnischen Institute“, 1818, verfaßte G. die folgenden Werke: „Ueber die Vortheile der Unternehmung einer Eisenbahn zwischen der Moldau und Donau“, 1829. – „Berichte aus den Vereinigten Staaten über Eisenbahnen etc.“, 1839. – „Die inneren Kommunicationen der Vereinigten Staaten von Nordamerika“ (redigirt und herausgegeben von Gerstner’s Reisegefährten L. Klein), 2 Bde., 1842, 43. Das von ihm herausgegebene reichhaltige „Handbuch der Mechanik“ seines Vaters enthält zu großem Theile ihm angehörigen Stoff. Seine Gattin (geb. v. Epplen-Härtenstein) gab heraus: „Beschreibung einer Reise durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika“, 1842, worin seine amerikanischen Beobachtungen von mehr allgemeinem Gesichtspunkte mitgetheilt sind.

Neuer Nekrolog der Deutschen, 18. Jahrg., 1. Thl., S. 413–414; Brockhaus’ Conversations-Lexikon.