ADB:Gozbert (Abt von Tegernsee)

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Artikel „Gozbert, Abt von Tegernsee“ von Sigmund Ritter von Riezler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 523–524, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gozbert_(Abt_von_Tegernsee)&oldid=- (Version vom 22. August 2019, 00:55 Uhr UTC)
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Gozbert: Abt von Tegernsee, 982–1001, Jan. 21 (†), reiht sich an die Männer, denen Baiern nach der Zerrüttung der ungarischen und inneren Kriege neuen Aufschwung des kirchlichen und geistigen Lebens verdankte. Abkömmling [524] eines edlen Geschlechts, war er nach seiner eigenen Aeußerung im Augsburger Sprengel aufgewachsen. Aus dem Kloster St. Emmeram im Regensburg, wo der berühmte Abt Ramwold sein Vorgesetzter war, auch später sein Freund blieb, ward er dann durch die Wahl der Brüder als Abt nach Tegernsee berufen. In der Erinnerung seiner Mönche lebte er als hochgewachsener Mann mit kahlem Schädel, der sich durch litterarische Bildung und Gastfreundlichkeit auszeichnete, bei Tag über den Büchern saß und seine Gebete in der Nacht verrichtete. Unter ihm begann Tegernsee seine große Bedeutung für die Geschichte der bairischen Kunst und Litteratur zu gewinnen. Er bereicherte es mit Büchern, schmückte es mit kirchlichen Bauten, mit Glocken, Fenstern und getäfelten Decken. Ein Graf A., dessen Gemahlin Adelheid mit G. verwandt war, schenkte damals die ersten Glasgemälde an die Klosterkirche, wo man vorher, die Fensteröffnungen zu verhängen, schon um leinene Lumpen froh war, und nun spricht aus dem Dankschreiben des Abtes die helle Freude, wie schön das gedämpfte Sonnenlicht auf den Estrich fällt. Bei demselben Grafen – dessen Persönlichkeit nicht festgestellt werden kann – läßt G. Knaben in einer nicht näher bezeichneten Arbeit unterrichten und es ist wohl möglich, daß dies eben die Glasmalerei war und daß hievon die Blüthe dieser Kunst in Tegernsee datirte. Mit Abt Wipo von Feuchtwangen und dem Dichter Froumund, der bald seinem eigenen Kloster angehörte, steht G. in brieflichem Verkehr; dem ersteren sendet er eine Anzahl seiner Mönche zur Erweckung des klösterlichen Lebens in Feuchtwangen und zwei Schüler zum Unterrichte in der Grammatik, wofür er den Priscian zu Grunde zu legen bittet. Von St. Emmeram und anderen Orten erbittet er sich Bücher, zum Guß einer großen Glocke für sein Kloster läßt er sich Zinn, Blei und Kupfer – Metalle, die im Tegernseer Gebiet nicht aufzutreiben –, später aus Freising auch einen Geistlichen als Gießer senden. Einen Grafen Meginhalm in der Ostmark geht er um Donauhausen[WS 1] an, wofür 43 Messen und 10 Psalter seinen Dank bezeugen sollen. Sechzehn Briefe Gozbert’s sind erhalten, etwas geziert und schwülstig, wie die meisten Schriftstücke der Zeit, alles Dank- oder Bittschreiben an weltliche Große oder geistliche Freunde. Sie zeigen den Eifer, womit der Abt für sein Kloster wirkte, dessen Besitzstand und Rechte vor Anfechtungen schirmend, das Verlorene beibringend, neue Gaben unermüdlich erbettelnd, nach allen Seiten noch mit den Wirkungen des Verfalls, mit den Schwierigkeiten des Anfanges kämpfend.

Gozbert’s Briefe bei Pez, Thes. VI, a, 121–129; Chronicon Tegerns. bei Pez, Thes. III, c, 504. Hirsch, Heinrich II. v. Freyberg, Gesch. von Tegernsee.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Hausen: Fischart (Huso huso)