ADB:Grünleder, Ulrich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Grünleder, Ulrich“ von Herman Haupt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 605–606, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gr%C3%BCnleder,_Ulrich&oldid=- (Version vom 22. September 2019, 13:04 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Grünrade, Otto von
Nächster>>>
Gruson, Hermann
Band 49 (1904), S. 605–606 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand August 2010, suchen)
GND-Nummer 103101306
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|49|605|606|Grünleder, Ulrich|Herman Haupt|ADB:Grünleder, Ulrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=103101306}}    

Grünsleder: Ulrich G. (Grünleder, Grünslederer), Anhänger des Husitismus. In Vohenstrauß in der Oberpfalz (südöstl. von Weiden) geboren, wurde G. in Regensburg erzogen und zum Priester geweiht. Um 1420 bekleidete er die Stelle eines Caplans an der Regensburger Aha-Kirche. Die böhmischen Reformideen, denen der meist an der Prager Universität gebildete Clerus der Regensburger Diöcese zum guten Theile zuneigte, fanden in G. einen eifrigen Anhänger. Er übersetzte mehrere Schriften des Johannes Hus ins Deutsche, verbreitete sie in Laienkreisen und suchte in heimlichen Conventikeln für den Husitismus Propaganda zu machen. Auf Geheiß des Bischofs Albert III. am 25. Mai 1420 im Regensburger Dome verhaftet, wußte G. längere Zeit hindurch die Glaubensrichter durch ausweichende Antworten hinzuhalten. Erst als zwei seiner Uebersetzungen husitischer Tractate zum Vorschein gekommen waren, bekannte er sich offen als Anhänger des Husitismus und erklärte rückhaltslos seine Gegnerschaft gegen die Beschlüsse des Konstanzer Concils, auf dem der entartete Clerus für die Sache des Antichrists wirksam gewesen sei. Als unbußfertiger Ketzer bestieg G. am 1. April 1421 zu Regensburg den Scheiterhaufen.

Andreas von Regensburg, Chronicon generale, cap. 210 bei Bern. Pez, Theasaurus anecdotor. novissimor. Tom. IV. (Aug. Vindel. et Graecii 1723) p. 732, darnach L. Hochwart, Episcorporum Ratisp. Catalogus, Lib. III [606] cap. 19, bei Oefele, Rorum Boicarum scriptores Tom. p. 217; Andreas v. Regensburg, Chronica de expeditionibus in Bohemiam cap. 7 und Anhang bei Höfler, Geschichtsschreiber der husit. Bewegung, Theil II (Fontes rerum Austriacarum), Abth. I, Bd. 6, S. 427, 456 ff. – J. G. Schelhorn, Ergötzlichkeiten aus der Kirchenhistorie, Bd. I, Stück 3 (Ulm 1762), S. 427. – C. Th. Gemeiner, Regensburgische Chronik, Theil II, S. 440. – Matth. Flacius, Catalogis testium veritatis (Frankf. 1660), S. 732, nennt Grünsleder irrthümlich Grunfelder, worin ihm Spätere gefolgt sind. – Vgl. H. Haupt, Husit. Propaganda in Deutschland, Histor. Taschenbuch, 6. Folge, Bd. VII, S. 246 f.