ADB:Greiderer, Vigilius

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Artikel „Greiderer, Vigilius“ von Friedrich Lauchert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 532–533, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Greiderer,_Vigilius&oldid=- (Version vom 19. Oktober 2019, 18:17 Uhr UTC)
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Greiderer: Vigilius G., Franciscaner, geboren 1715 zu Kufstein in Tirol, † am 26. December 1780 zu Schwaz in Tirol. G. absolvirte die Gymnasialstudien zu Hall bei den Jesuiten, den philosophischen Curs an der Universität Innsbruck und trat dann 1736 zu Schwaz in den Franciscanerorden. Nach Vollendung der theologischen Studien und Empfang der Priesterweihe wirkte er während vierzehn Jahren als Lector der Theologie an den verschiedenen Hauslehranstalten der tirolischen Ordensprovinz, war dann öfter Guardian, zwei Mal Definitor, zwei Mal Custos der Ordensprovinz und wurde am 9. November 1774 zum Vicarius Provincialis der tirolischen Ordensprovinz gewählt. Im J. 1768 begab er sich als damaliger Custos der Ordensprovinz nach Spanien, um an dem in Valencia abgehaltenen Generalcapitel des Ordens theilzunehmen. Als Muster und Vorbild aller Tugenden eines Ordensmannes allgemein verehrt, starb er in seinem Kloster im 65. Lebensjahre. – Greiderer’s wissenschaftliche Studien sind der Geschichte seines Ordens gewidmet. Sein bekanntes Hauptwerk, mit dessen Vorarbeiten er seit 1750 beschäftigt war, ist die „Germania Franciscana, seu Chronicon geographo-hitoricum Ordinis S. P. Francisci in Germania“ (T. I. II. fol., Oeniponte 1777, 1781). Der erste Band, „Germania Franciscana orientali-australis“, behandelt nach einer Einleitung über die Anfänge des Ordens in Deutschland die kroatisch-krainische, die österreichische, die böhmische und die schlesische Ordensprovinz; der zweite, erst nach Greiderer’s Tode erschienene Band, „Germanis Franciscana australi-occidentalis“, die tirolische, die bairische und die tridentinische Ordensprovinz und die Helvetia Franciscana; jedem Band ist eine Uebersichtskarte beigegeben. Das von G. ungedruckt hinterlassene Manuscript des dritten Bandes, der die Straßburger oder oberdeutsche Ordensprovinz (Provincia Argentinensis) behandelt, war lange verschollen und wurde erst 1879 im Franciscanerkloster zu Hall in Tirol von P. Joh. Ev. Scheiber wieder entdeckt, der die Herausgabe beabsichtigte (vgl. dessen unten citirten Bericht); es befindet sich jetzt im Kloster zu Schwaz (vgl. Minges, Geschichte [533] der Franciscaner in Baiern, München 1896, S. XIV). Vom ersten Buch des zweiten Bandes: „Chronica reformatae provinciae S. Leopoldi Tyrolensis“ erschien zu Quaracchi (ad Claras Aquas) 1894 ein Neudruck. Das Werk Greiderer’s ist als eine ungemein reichhaltige Fundgrube von bleibendem Werth, insbesondere deshalb, weil G. eine Fülle von Material noch benutzen konnte, das seitdem durch den Vandalismus der Säcularisation verschleudert wurde. – Vor seinem großen Werke hatte G. geographische Uebersichtskarten über die Niederlassungen des Ordens in Deutschland, Ungarn und Polen entworfen und veröffentlicht: „Germania Seraphico-observans“ (Augustae Vindelicorum 1751); „Hungaria Seraphico-observans“ (ib. 1752); „Polonia Seraphico-observans“ (ib. 1754).

Lebensskizze vor dem zweiten Bande der Germania Franciscana. Auch abgedruckt in der Nova Bibliotheca ecclesiastica Friburgensis, Vol. VI (1781), p. 329 s.Germania Franciscana II, p. 30 u. p. 218. – P. Joh. Ev. Scheiber, „Germania Franciscana“; Katholische Kirchenzeitung (Salzburg), 1891, Nr. 54 u. 55, S. 438 f., 446 f.