ADB:Hackländer, Friedrich Wilhelm Ritter von

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Artikel „Hackländer, Friedrich Wilhelm“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 296–297, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hackl%C3%A4nder,_Friedrich_Wilhelm_Ritter_von&oldid=- (Version vom 21. September 2019, 18:44 Uhr UTC)
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Hackländer: Friedrich Wilhelm H., neuerer novellistischer Schriftsteller. Geboren als der Sohn eines Schullehrers am 1. November 1816 zu Burtscheid bei Aachen in ärmlichen Verhältnissen, im 12. Jahre elternlos, Lehrling in einem Modewaarengeschäft, entsagte er bald dem Kaufmannsstande, wurde Soldat, dann wieder Kaufmann, aber drei Geschäfte, in denen er diente, fallirten oder liquidirten und das entschied sein Schicksal. H. ging nun nach Stuttgart und schrieb für das dortige „Morgenblatt“ 1840 die „Bilder aus dem Soldatenleben im Frieden“ (8. Aufl. 1873), die gleich darauf auch in Buchform erschienen und durch den ungemeinen Erfolg ihm sofort zu einer festen Stellung und zu einflußreichen Bekanntschaften verhalfen. Baron v. Taubenheim[WS 1] nahm ihn als Reisebegleiter mit nach dem Orient, und Graf Neipperg empfahl ihn dem Könige von Würtemberg, der ihn zuerst bei der Hofkammer anstellte und dann zum Secretär des Kronprinzen mit dem Titel Hofrath ernannte. Bald erschienen die: „Daguerrotypen“ (deren zweite Auflage als „Reise in den Orient“), „Märchen“, „Wachtstubenabenteuer“ und der „Pilgerzug nach Mekka“. Von 1844–46 begleitete der junge, so rasch berühmt gewordene Schriftsteller den Kronprinzen auf dessen Reisen durch Italien, Belgien und Deutschland, sowie auch zur Vermählungsfeier nach Peterssburg. Im J. 1849 aber ward er, da man ihn bei Hofe vielfach anfeindete, mit vollem Gehalte aus dem Hofdienst entlassen. Kurz darauf engagirte ihn Baron von Cotta als Berichterstatter der Allgemeinen Zeitung für den Kriegsschauplatz in Oberitalien. H. wohnte im Gefolge Radetzky’s dem Kriege gegen Piemont bei und schrieb dann die Schilderungen „Soldatenleben im Kriege“. Nachdem er auch an dem badischen Feldzuge im Gefolge des Prinzen von Preußen Theil genommen, vermählte er sich mit Caroline Opitz, aus dem Geschlechte des alten schlesischen Dichters Martin Opitz von Boberfeld. Es folgte nun eine Zeit unermüdlichen Schaffens und die reifsten Erzeugnisse seiner durch die mannigfaltigsten Erlebnisse angeregten Phantasie traten zu Tage. Es erschienen in rascher Folge seine größeren Romane: „Handel und Wandel“ (1850), „Namenlose Geschichten“ (1851), „Eugen Stillfried“ (1852), „Europäisches Sklavenleben“ (1854), „Der Augenblick des Glücks“ (1857), „Der neue Don Quixote“ (1858). Im J. 1859 wurde H. vom Kaiser Franz Joseph ins Hauptquartier nach Verona berufen, um wie 1849 eine Beschreibung des Feldzugs zu liefern, was er aber unterließ, da das Kriegsglück gegen Oesterreich entschied. Nach Stuttgart zurückgekehrt, wurde er vom König Wilhelm wieder in den Staatsdienst aufgenommen und zum Bau- und Gartendirector ernannt, indessen 1864 beim Thronwechsel wiederum entlassen. Er kaufte sich 1865 am Starnberger See in Leoni eine Villa; hier und in Stuttgart, wo er ein Haus besaß, sind alle seine weiteren Schriften entstanden. Am 6. Juli 1877 starb er zu Leoni. – H. hatte sich in allen seinen Schriften zum Ziel gesetzt, zu unterhalten, er wollte weder große Seelenkämpfe, noch politische oder gesellschaftliche Fragen in seinen Romanen behandeln, es war ihm genug, das Leben nach allen Richtungen hin, in den Prunksälen der Fürsten, in der Dienerschaftsstube, im Marstall, in der Dachkammer der Armuth und der Werkstatt des Handwerksmannes fesselnd, interessant und getreu darzustellen, [297] in der natürlichsten, einfachsten Sprache, aber mit kunstvoller, dichterischer, bald lustiger, bald ernster Beleuchtung, und das ist ihm in hohem Grade gelungen und hat ihn zu einem Lieblingsschriftsteller des deutschen Volkes gemacht. Unter seinen späteren Romanen sind zu nennen: „Der Tannhäuser“ (1860), „Der Wechsel des Lebens“ (1861), „Die dunkle Stunde“ (1863), „Geschichten im Zickzack“ (1871), „Nullen“ (1873) etc. Mit E. Höfer gründete er 1855 die „Hausblätter“. Unter seinem Namen erschien seit 1859 die illustrirte Zeitschrift „Ueber Land und Meer“. Auch auf dem dramatischen Gebiete, im Lustspiele, hat er sich mit entschiedenem Glück versucht; „Der geheime Agent“ (1850) hat sich auf der Bühne Bürgerrecht erworben; ebenso sind „Magnetische Curen“, „Diplomatische Fäden“ und die Possen „Schuldig“, „Zur Ruhe setzen“ und „Der verlorene Sohn“ beifällig aufgenommen worden. Eine Gesammtausgabe seiner Werke in 60 Bänden hat bis 1877 bereits die dritte Auflage erfahren. Als ein posthumes Werk erschienen (Stuttg. 1878) seine Memoiren unter dem Titel „Der Roman meines Lebens“ in 2 Bänden (mit Porträt). Indessen gibt uns diese Selbstbiographie mehr eine Schilderung seines äußeren Lebens, als die Geschichte seiner inneren Entwickelung und ist, da sie nur bis zum J. 1849 fortgeführt ist, Torso geblieben.

Edm. Höfer, Litteraturgesch. S. 338–39. Schmidt-Weißenfels in der Illustr. Zeitung 1877, S. 47–50. Wilh. Herbst, Litteraturbl. 1878, S. 15. Meyer’s Convers.-Lexikon (3. Aufl. 1876) VIII. 1, S. 403–404 gibt Titel- und Jahresangabe sämmtlicher Werke.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Wilhelm August von Taubenheim (1805–1894), Oberstallmeister am württembergischen Hof