ADB:Hahn, Ludwig Ernst

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Artikel „Hahn, Ludwig“ von Heinrich Hahn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 709–711, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hahn,_Ludwig_Ernst&oldid=- (Version vom 25. Mai 2019, 16:10 Uhr UTC)
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Hahn: Ludwig H., Dr. hon. c., Wirklicher Geheimer Ober-Regierungsrath, geboren am 18. September 1820 zu Breslau, † am 30. September 1888 in Berlin, war der zweite Sohn des Mathematikers Ed. Moritz H. (s. A. D. B. X, 358 v. Elkan Markus H.). Nach dem Besuch des Magdalenengymnasiums studirte er in Breslau und Berlin Theologie (1838–42) und wurde Lehrer im Hause des französischen Legationssecretärs Humann. Zur weiteren Erziehung von dessen Kindern siedelte er mit diesem, dem nachmaligen Finanzminister Louis Philippe’s , 1842 nach Paris über. Der Aufenthalt daselbst und der Verkehr mit bedeutenden Politikern und Gelehrten, wie Guizot, Thiers, Cousin, Broglie, endlich sein erziehlicher Beruf wirkten nachhaltig auf ihn ein. Es bildete sich bei ihm der gewandte und klare Stil, sowie der Sinn für lehrhafte, übersichtliche Anordnung des Stoffes aus, der seine Schriften auszeichnet, ferner der Geschmack an politischer Thätigkeit, die sein ganzes Leben nun ausfüllt. So entstanden seine Correspondenzen über staatliche Angelegenheiten z. B. über die bourbonische Heirathsfrage und Schriften: „Ueber die Auflösung des Jesuitencongresses 1845“ (1846), „Ueber das Unterrichtswesen [710] in Frankreich mit einer Geschichte der Pariser Universität“ (2 Bde. 1848), „Ueber L. Philippe’s Fall“ (1849), wobei eine erläuternde Schilderung der Februarrevolution gegeben wird, die er in Paris noch mit durchlebt hat, sodann Uebersetzungen von Guizot’s „Demokratie“ und Thiers’ „Eigenthum“ (1854). In seine Vaterstadt zurückgekehrt (1848), warf er sich, erfüllt von der ihm durch seine gottesfürchtige Mutter anerzogenen frommen und monarchischen Gesinnung, als Verteidiger conservativer Richtung in die politische Bewegung seiner Zeit, wurde Mitarbeiter der „Schlesischen“, dann Herausgeber einer conservativen Zeitung. Seiner vielseitigen Bildung, Geschäftsgewandtheit und Königstreue wegen wurde er als Hü1fsarbeiter in die Schulabtheilung der Regierung berufen. Dieser Beschäftigung und seiner Thätigkeit als Geschichtslehrer an einer Töchterschule verdanken seine geschichtlichen Lehrbücher Anregung und Entstehung. Durch sie und alle späteren Werke Kenntniß der vaterländischen Geschichte und Einrichtungen im Volke zu verbreiten und dadurch Liebe zum Vaterland und Herrscherhaus zu erwecken, stellte er sich zur Lebensaufgabe. Diesem Zwecke dienten die größere „Geschichte des preuß. Vaterlandes“ (1854; bis 1893 23 Aufl.) und der kleine „Leitfaden“ daraus (1855; bis 1894 48 Aufl.), beide vorbildlich durch patriotische Wärme und übersichtliche Gliederung der Erzählung.

Sehr bald wurde H. als Hülfsarbeiter in das Unterrichts-Ministerium berufen (1850), darauf zum Geheimen Regierungsrath im Ministerium des Innern ernannt (1855), unter dem Ministerium Schwerin in der Zeit der „neuen Aera“ jedoch als Regierungs- und Schulrath nach Stralsund versetzt. Während dieses Zeitraumes verfaßte er die Lebensbilder „Friedrich der Große“ (1855; 2. Auflage 65) und „Kurfürst Friedrich I“ (1859). In das Ministerium des Innern unter v. Jagow 1862 zurückberufen, lieh er seine Feder den Zwecken der neuen Regierung und förderte mit innerer Genugthuung das Wirken Bismarck’s. Er bearbeitete politische und Preßangelegenheiten, verfaßte öfters die Entwürfe zu Denkschriften und Thronreden, gründete die „Provinzialcorrespondenz“, die er bis zu seinem Austritt aus dem Staatsdienst leitete. Durch den maßvollen Ausdruck seiner Gesinnung gewann er sich selbst die Achtung der Zeitungsleiter anderer Parteien.

Der Verherrlichung Wilhelm’s I. und Bismarck’s galt sein ferneres litterarisches Arbeiten. Durch geschickte Zusammenstellung von Actenstücken, Parlamentsreden u. s. w. bot er reichen Stoff zur Kenntniß ihres Wirkens, so in den Schriften: „Der Gang der preußischen Politik in der Schleswig-Holsteinschen Angelegenheit“ (1864), „Die innere preußische Politik von 1862 bis 66“, „2 Jahre preußisch-deutscher Politik 1866–67“ (1868), „Der Krieg Deutschlands gegen Frankreich u. s. w.“ (1871), vor allem in seinem vierbändigen Werk „Fürst Bismarck“ (1878–85), dem noch ein fünfter Band von Wippermann beigefügt wurde.

Den Ueberanstrengten ergriff ein schweres Leiden (1879), das ihn bald zum Austritt aus dem Staatsdienste nöthigte (1882). Seine Verdienste um Staat und Wissenschaft wurden durch Beförderung zum Wirklichen Geheimen Ober-Regierungsrath und durch Verleihung zahlreicher preußischer und ausländischer höherer Orden und anderer Auszeichnungen anerkannt. Durch die Pflege seiner treuen Gattin gestärkt, nahm er trotz seines Leidens sein litterarisches Schaffen wieder auf. So entstand „Kaiser Wilhelm’s Gedenkbuch“, eine chronologische Zusammenstellung (5. Aufl. 1880) und das Lebensbild „Wilhelm I.“, von seinem Bruder Oscar herausgegeben und in seinem Sinne bis zum Tode des Herrschers fortgeführt, eine „Geschichte des Culturkampfs“ (1881), das „Heer und Vaterland“ (1883), eine Würdigung des ersteren durch [711] Aussprüche berühmter Kenner, „Das sociale Königthum“ (1885), vor allem „20 Jahre 1862–82“, Rückblicke auf Bismarck’s Wirksamkeit, bestimmt das Verständniß für diese im Volke zu fördern (1882), daneben eine anonyme Schrift des Kunst- und Musikliebenden, „Das deutsche Theater und seine Zukunft“ (1879; 2. Aufl. 1880). Bei seiner Beerdigung, der zahlreiche höchste Staatsbeamte beiwohnten, drückte Hofprediger Frommel die Grundzüge seines Wesens treffend durch die Bibelworte aus: „Fürchtet Gott, Ehret den König, Thut Ehre jedermann, Habt die Brüder lieb“.

Vgl. Neue Preuß. Ztg. (1888) Nr. 386 u. 390. Nordd. Allg. Ztg. Nr. 463 u. 467 (1888) und den alphab. Schriftstellerkatalog d. Kgl. Bibl. zu Berlin s. L. H.