ADB:Heldvader, Nicolaus

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Artikel „Heldvader, Nicolaus“ von Carsten Erich Carstens in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 685–686, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heldvader,_Nicolaus&oldid=- (Version vom 18. Juli 2019, 05:00 Uhr UTC)
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Heldvader: Nicolaus H., geb. am 27. Octbr. 1564 in Hellewatt, Kreis Apenrade, wo sein Vater Johannes Prediger, und wenigstens 127 Jahre, wahrscheinlich noch länger der Predigerdienst in dieser Familie gewesen. Er besuchte seit 1576 die höheren Schulen in Hadersleben, Lüneburg, Lübeck und Riga und seit 1587 die Universität Rostock. Nachdem der Vater 1590 gestorben, ward er dessen Nachfolger im Amte. Von 1590 an, vielleicht der Erste hier zu Lande, gab er jährlich einen Kalender in deutscher und dänischer Sprache heraus: „Prognostica Astrologia“ und ließen sich in Folge dessen Viele von ihm ihre Nativität stellen. Auch der, am Hofe des gottorfischen Herzogs Johann Adolph hochangesehene Geheimrath, Kirchenpräsident etc. von Wowern hatte solches von ihm begehrt. Da dieses aber schlecht ausfiel, ward er ihm feind und veranlaßte seine Entlassung aus dem Amte 1609. Auf Befehl des Herzogs ward er zwar 1611 wieder eingesetzt, aber Wowern begann sofort wieder wider ihn den Prozeß und vom Gericht freigesprochen, ward er dennoch 1612 aufs Neue aus dem Amt entlassen. Es wird als Grund angegeben, daß er durch Schießen oder Ausräuchern von Tauben den Kirchthurm in Brand gesteckt. Von [686] 1613–15 hielt er sich in Svendborg auf Fühnen auf, wo sein Sohn Prediger war. Hier lernte König Christian IV. ihn persönlich kennen und ernannte ihn zu seinem Calendarius. Er zog dann nach Kopenhagen, wo er am 23. August 1634 gestorben. H. war ein gelehrter und f1eißiger Mann, galt als ein großer Redner und war in der Gesellschaft voll Humor und gern gesehen. Als Theolog war er mild gesinnt gegen die Katholiken, aber feindselig gegen die Reformirten, die er haßte, und denen, mächtig am Gottorfer Hofe, er sein Unglück zuschrieb. Seine geistlichen Schriften sind meist in dänischer Sprache abgefaßt auch geistliche Lieder hat man von ihm, deutsch und lateinisch „Amphitheatrum fidei Cathol.“, 1622. Vorzüglich beschäftigten ihn mathematische und namentlich astrologische Studien. 44 Jahre hat er jährlich seinen Kalender in deutscher und dänischer Sprache herausgegeben. 1625 wurden 60 000 Exemplare, 1629 allein vom deutschen in Hamburg 100,000 Exemplare gedruckt. Hierauf bezieht sich auch seine Schrift „Conciliatio Calendarii vet. et rec. Astronomiae“, Slesv. 1592, auch plattdeutsch 1597 und „Calendariographia sacra“, Koph. 1618. – Daneben beschäftigten ihn historische Studien. Seine „Beschreibung der Stadt Schleswig“ erschien 1603 (1615) und 1623. Ulrich Petersens Anm. dazu sind gedruckt: Dänische Bibliothek I, 429. U. Jürgensen gab sie mit Fortsetzung von 1622–1822 neu heraus Schleswig 1822 (vgl. Dörfer’s Bemerk. hierzu Staatsbürgerl. Magazin II, S. 826). „Von der Wasserfluth 1. Dec. 1615“, Kopenh. 1616; „Relation über die fürstliche Lehnsempfängniß in Colding 2. Dec. 1615“, Schleswig 1616. Besonders „Sylva chronologica Circuli Baltici d. i. Histor. Wald und Umzirk des baltischen Meeres oder Ostsee, darin Beschreibung der Länder und Oerter etc. richtig an Tag gegeben. In welcher auch kürzlich aufgezeichnet die denkwürdigste Geschichte, so sich in Denemark, Norwegen, Schweden, Lieffland, Churland, Preußen, Pommern, Mecklenburg, Hollstein, Schleßwig und dero anstoßende Lander, Städte und Oerter zugetragen, von dem Jahr nach Christi Geburt 1500 bis aufs 1623ste Jahr“, Hamburg 1624. In der That ist hier ein Wald von Bäumen und Sträuchern, eine Menge der verschiedenartigsten Nachrichten zusammengestellt, darin manche auch werthvoll. Als populärer Schriftsteller hat H. eine große Wirksamkeit in seiner Zeit gehabt, die seinem Zeitalter eignende Geschmacklosigkeit hat er freilich auch nicht ganz vermeiden können.

Vgl. seine Autobiographie dänisch mit Zusätzen von Langebeck in Videnskab-Selskab’s Histor. Kalender, 1775/1776. Heldvader’s Relation warum und aus was Ursachen und welcher Gestalt Joh. v. Wowern holst. Kirchenpräsident ihn aus seinem Pfarrdienst unschuldiger Weise abgedrungen. S. l. et a. Seine Lebensbeschreibung: Manuscript der Kieler Universitätsbibliothek SH. 403 (H. Ratjen, Handschriftenkunde, II, 65). Molleri Cimbr. litt. I. 243. Hegewisch, Gesch. d. Herzogth., 1802, S. 372. R. M. Petersen, Bidrag til den danske Lit. Hist. 1855, III, 250. Heldvader und sein Kalender in Falck’s Archiv Bd. V. S. 372 ff.