ADB:Hortig, Johann Nepomuk

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Artikel „Hortig, Johann Nepomuk“ von Friedrich Lauchert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 50 (1905), S. 477–479, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hortig,_Johann_Nepomuk&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 03:16 Uhr UTC)
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Hortig: Johann Nepomuk H., katholischer Theologe, geboren am 3. März 1774 zu Pleystein in der Oberpfalz, † am 27. Februar 1847 zu München. Sein Taufname war Karl Anton. Er absolvirte das Untergymnasium in Amberg, das Obergymnasium und die Philosophie in Neuburg a. D. und bezog dann im Herbst 1792 die Universität Ingolstadt, um sich dem Studium der Rechtswissenschaft zu widmen. Im Herbst 1793 verließ er aber die Universität und trat zu Andechs in den Benedictinerorden; am 26. October 1794 legte er die Ordensgelübde ab. Im Orden nahm er den Namen Johann Nepomuk an, mit welchem er sich auch nach der Säcularisation immer bezeichnet. Nach Vollendung der theologischen Studien wurde er am 23. Juli 1797 zum Priester geweiht. 1799 wurde er nach Salzburg gesandt, um hier, während er die Stelle eines Caplans in dem Frauenkloster Nonnberg [478] versah, zugleich seine Studien, insbesondere juristische und philosophische, an der Universität fortzusetzen. Nach zwei Jahren wurde er von hier als Lehrer der Logik und Metaphysik in sein Kloster zurückberufen. Nach dessen Aufhebung durch die Säcularisation pastorirte er 1803 kurze Zeit die Klosterpfarrei Erling bei Andechs, kam aber schon im November desselben Jahres als Professor der Philosophie an die Universität Salzburg. 1806 wurde er Professor der Dogmatik am Lyceum zu Amberg, 1813 Stadtpfarrer zu Windisch-Eschenbach in der Oberpfalz, am 10. Mai 1821 Professor der Religionslehre, Moraltheologie, Patrologie und Kirchengeschichte an der Universität Landshut und geistlicher Rath; 1824/25 war er Rector der Universität, 1826 kam er mit derselben nach München. Hier wurde er 1827 Domcapitular und gab die Professur auf. 1830 wurde er außerordentliches, 1841 ordentliches Mitglied der historischen Classe der k. b. Akademie der Wissenschaften. Sein handschriftlicher Nachlaß kam in die Benedictinerabtei St. Bonifaz in München. Zur Dotation des erzbischöflichen Clericalseminars und der Studienanstalten in Freising hatte er schon in den Jahren 1843 und 1844 eine Schenkung von 11 000 Gulden gemacht.

Hortig’s Hauptwerk ist das bekannte, für seine Zeit, in der es nach den seichten Arbeiten der Aufklärungsperiode einen entschiedenen Fortschritt zum Bessern bedeutete, schätzbare „Handbuch der christlichen Kirchengeschichte“, von welchem der 1. Band zu Landshut 1826, in 2. Auflage 1827, die bis zum Ende des Mittelalters gehende 1. Abtheilung des 2. Bandes 1827 erschien; die das Werk zum Abschluß bringende Darstellung der neueren Kirchengeschichte fügte auf Hortig’s Wunsch Döllinger hinzu (2. Bd., 2. Abth., 1828; eine neue Bearbeitung des ersten Bandes in zwei Abtheilungen ließ Döllinger 1833–35 erscheinen). Ferner veröffentlichte H. auf theologischem Gebiete zwei Sammlungen seiner Predigten: „Predigten für alle Festtage des katholischen Kirchenjahres“ (Landshut 1821; 2. Aufl. 1826; 3. Aufl. 1832); „Predigten über die sonntäglichen Evangelien, gehalten in der Universitätskirche zu Landshut“ (ebd. 1826; 2. Aufl. 1832), und eine „Kurzgefaßte Tugendlehre in Aussprüchen der heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments“ (Regensburg 1841). Von einzeln gedruckten Gelegenheitsreden ist zu nennen seine „Rede bey der Verlesung der Universitätsgesetze am 3. Dezember 1824 gehalten“ (Landshut 1824). Beiträge von ihm enthält das „Repertorium für katholisches Leben, Wissen und Wirken“, herausgegeben von Besnard (Landshut 1841–42) und die „Literaturzeitung für katholische Religionslehrer“ von Mastiaux. – Neben seiner theologischen und philosophischen Fachbildung besaß H. auch vielseitige Kenntnisse auf dem Gebiete der modernen Sprachen und Litteraturen und eine glückliche Gabe des Humors. Vielfach ganz Vortreffliches, eines Lichtenberg und Jean Paul Würdiges enthalten seine leider viel zu wenig gekannten und fast verschollenen, unter dem Namen Johannes Nariscus veröffentlichten humoristischen Schriften: „Gesammelte Blätter“ (Sulzbach 1832; enthält kleinere Aufsätze und die humoristische Erzählung: „Das Andenken“; das meiste vorher erschienen in der „Aurora, Zeitschrift aus Bayern“, 1828–29); dann die einheitlichen Erzählungen: „Reisen zu Wasser und zu Land“ (Sulzbach 1835); „Wunderbare Begebenheiten des Blasius Berneiter und seiner Gefährten“ (Sulzbach 1837); „Zwölf Körbe“ (Landshut 1841). Dazu gehört noch der Aufsatz: „Das neuromantische Drama zu Rüberunkel“, im „Kalender auf das Jahr 1844, auf Veranlassung und mit besonderer Unterstützung Sr. kgl. Hoheit des Kronprinzen von Bayern herausgegeben von F. B. W. Hermann“ (München 1843).

[479] Schematismus der Geistlichkeit des Erzbisthums München und Freising für das Jahr 1848, S. 174–178. – J. G. Beilhack, Der Humorist und Satiriker Johannes Nariscus; Programm des k. Maximilians-Gymnasiums in München 1850/51 (München 1851). – A. Lindner, Die Schriftsteller des Benedictiner-Ordens in Bayern, I. Bd. (Regensburg 1880), S. 301–303 (dazu Nachträge 1884, S. 35). – M. Sattler, Collectaneen-Blätter zur Geschichte der ehemaligen Benedictiner-Universität Salzburg (Kempten 1890), S. 665–670. – Vgl. auch M. Jocham, Georg Friedrich Wiedemann (Augsburg 1864), S 54–56.