ADB:Ides, Eberhard Isbrand

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Artikel „Ides, Evert Ysbrants“ von Friedrich Ratzel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 747–749, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ides,_Eberhard_Isbrand&oldid=- (Version vom 17. Juni 2019, 11:34 Uhr UTC)
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Ides: Evert Ysbrants I. (von Adam Brand u. a. Zeitgenossen irrthümlich E. Ysbrant, von Jöcher E. Isbrantides genannt), Kaufmann und Diplomat in Diensten Peters des Großen und Reisebeschreiber, geboren zu Glückstadt in Holstein um 1660, angeblich von niederländischen Eltern, von den Zeitgenossen jedoch einfach als „ein Teutscher“ angesprochen. Aus der Thatsache, daß er hohe Verbindungen in Amsterdam hatte und seine Reisebeschreibung in niederländischer Sprache ebendort herausgab, ist zu schließen, daß er sich in den Niederlanden aufhielt, ehe er, wahrscheinlich hier mit Peter d. Gr. bekannt geworden, nach Rußland ging, wo er 1691 als Staatsrath genannt wird. Im Auftrag des Zaren ging er bald darauf in diplomatischer Sendung nach China und trat seine Reise dahin von Moskau aus am 14. März 1692 an „met behorrlyke Credentiale of Geloofsbriefen en andern nootzakelykheden voorzien“, traf am 27. April in der damaligen Hauptstadt Perms, Solikamskoi, an und fuhr im Mai auf der Kama „aus Europa in Asien“, dann ging er über das damals sehr bedeutende Tobolsk, über Jenniseisk, wo er am 12. October eintraf, über den gefrorenen Baikalsee nach Nertschinsk und überschritt am 12. September 1693 bei Zizikar die chinesische Grenze, wo ein Mandarin mit 80 Mann Gefolge ihn erwartete, erreichte am 27. October die große Mauer bei Kalgang und zog am 3. November in Peking ein, wo er sich mit geringem Erfolg seiner diplomatischen Aufträge entledigte, mehrmals vom Kaiser persönlich empfangen wurde und vorzüglich bei den Jesuiten, unter denen damals Gerbillon weilte, über die Verhältnisse des Landes sich unterrichtete. Am 19. Februar 1694 verließ er Peking und reiste über Nertschinsk, Jakutsk, Jenniseisk und Tobolsk nach Moskau zurück, wo er am 1. Januar 1695 (nach Adam Brand am 1. Februar) glücklich ankam. Aus seines Gefährten und Schreibers Adam Brand’s schon 1698 in Hamburg erschienener „Beschreibung der Chinesischen Reise“ ist noch nachzutragen, daß die ganze Expedition aus 12 Deutschen und 9 Russen bestand. Man findet nach dieser Zeit Ides’ Namen nicht mehr unter denen der näheren Umgebung Peters d. Gr., z. B. nicht in Gordon’s Tagebuch. Man weiß aus Korb’s Diarium Itineris in Moscoviam, daß I. als Kaufmann in Rußland [748] weilte und Geldbeiträge zum Bau eines Schiffes geleistet hat. Nach einer Angabe bei Van Kampen hätte er sogar die Oberaufsicht über Schiffsbauten geführt. Man weiß außerdem, daß Peter d. Gr. ihm ein Privilegium in Betreff des Druckes seines Reisewerkes verlieh. Ueber sein Todesjahr ist nichts bekannt. Die erste Ausgabe dieser Reise erschien 1704 in Amsterdam, unter dem Titel: „Driejaarige Reize naar China te Lande gedaan door den Moskowischen Afgezant E. Ysbrants Ides von Moskou af over Groot Ustiga, Siriana, Permia, Sibirien, Daour, Groot Tartaryen tot in China.“ Die erste deutsche Uebersetzung erschien 1707 in Frankfurt a. M. Jene ist dem Zaren Peter Alexewitz gewidmet und in der wortreichen Widmung Bezug genommen auf den Willen desselben, diese chinesische Reise und zugleich die russischen Besitzungen, durch welche dieselbe führte, dem übrigen Europa geschildert zu sehen, das wenig von den letzteren wisse, da selbst der Weg durch die große Tartarei nach China nicht von Deutschen, sondern nur von Russen bereist worden sei. Aus der darauffolgenden Vorrede des Herausgebers und Verlegers Halma entnimmt man, daß der Text der Reisebeschreibung von I. im J. 1695 an den Bürgermeister von Amsterdam, Nikolaus Witzen, der eine damals geschätzte Karte des chinesischen Reiches herausgegeben hatte und im Begriff stand, eine Beschreibung der Nord- und Ost-Tatarei zu verfassen, geschickt worden war; und ferner, daß der Herausgeber Halma den Stil derselben seiner Feile unterworfen und die angehängte Beschreibung China’s durch einen Gelehrten mit Anmerkungen versehen ließ. Der Inhalt des Werkes gliedert sich in die eigentliche Reisebeschreibung, welche Capitel I–XVIII umfaßt und in einen geographisch-ethnographischen Rückblick, welcher Capitel XIX und XX füllt, endlich in die „Korte Beschryving van ’t magtig Keizerryk China door Dionys Kao, geboren Chineesch“, welche fast die Hälfte des Ganzen bildet. Die Reisebeschreibung ist in einem klaren, nicht zu weitschweifigen, wenn auch nach Art der Zeit lehrhaften und räsonnirenden Styl verfaßt. I. legt ihren Charakter am besten selbst dar im Eingang zum 19. Capitel, wo er sagt: „So haben wir denn in der Erzählung unserer Reise getrachtet, einfältig die Wahrheit zu sagen, ohne daß wir dieselbe nach Art der meisten Reisenden, um sie desto wunderbarer zu machen, hier und da verändert oder mit vielen Vergrößerungen ausgeschmückt hätten. Geringe Sachen pflegen ihrer Viele ungemein groß darzustellen und Andere bringen Dinge vor, bei denen sie sich nicht auf die geringste Erfahrung noch Gewißheit, sondern nur auf die Erzählungen Anderer gründen. Davor habe ich mich zu hüten in der Beschreibung meiner Reise mit allem Fleiß getrachtet.“ Man kann Werth und Wesen der Ides’schen Reiseschilderung nicht treffender bezeichnen. Alles trägt den Stempel eines einfachen, klaren, gegenüber der Phantasterei nordasiatischen Schamanen- oder chinesischen Buddhadienstes sogar schon aufgeklärten Geistes, von dem man nur bedauert, daß seine Gewissenhaftigkeit ihn zu einer allzu großen Selbstbeschränkung führt; wie er denn nach fast dreimonatlichem Aufenthalte in Chinas Hauptstadt viel zu bescheiden sagt: „Wir achten es nicht für nöthig, mehrere Umstände von China zu erzählen, nachdem mein Aufenthalt dort nicht lange gewährt hat.“ Am eingehendsten sind noch die ethnographischen Verhältnisse behandelt und dürfen Ides’ Mittheilungen über die Wogulen, Ostjaken, Tungusen, Buräten, Barabinzen, dann ferner einige handelsgeographische Abschnitte, über die Schiffahrt vom Weißen Meer zum Ob, über Tomsk, Chinahandel u. a. noch heute Beachtung verdienen. Die im 6. Capitel sich befindende Angabe über im Eis steckende und durch die Kälte erhaltene Mammuths ist als die erste ihrer Art mit gebührender Anerkennung von den Zoologen verwerthet worden. – An die Reisebeschreibung schließt sich in zwei Kapiteln eine an geographischen und ethnographischen [749] Thatsachen über Völkerschaften, Grenzen, Verkehr etc. reiche Gesammtschilderung der durchwanderten Strecken Mittelasiens und an diese die aus chinesischer Quelle stammende, aus dem Lateinischen und Hochdeutschen ins Holländische übersetzte Beschreibung China’s. – Von Einigen wird behauptet, daß schon 1696 die Reisebeschreibung Ides’ erschienen sei, während Van der Aa sie in das J. 1710 setzt. Die erstere Angabe ist nirgends zu begründen und widerspricht ihr auch entschieden die Vorrede, mit welcher Adam Brand 1698 seine Reisenotizen herausgab und in der er ausdrücklich sagte, daß keiner von seinen Gefährten bis dahin seine Aufzeichnungen herausgegeben. Der letzteren wird durch das Titelblatt und die Vorreden der ersten Amsterdamer Ausgabe widersprochen. Eine hochdeutsche Ausgabe erschien 1707 in Frankfurt a/M., etwas verstümmelt und mit verkleinerten Kupfern.

Vgl. die Vorreden und Widmungen des Reisewerkes; A. Brand’s Beschreibung der chinesischen Reise (Hamburg 1698); van Kampen, Geschied. d. Nederl. buiten Europa D. II.