ADB:Jenny, Peter

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Artikel „Jenny, Peter“ von Hermann Wartmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 773–774, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Jenny,_Peter&oldid=- (Version vom 19. Oktober 2019, 10:02 Uhr UTC)
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Jenny: Peter J., Kaufmann, geb. am 23. December 1824 in Sool, einem kleinen Weiler bei Schwanden im Kanton Glarus, † am 11. November 1879 in Schwanden. J. war das drittjüngste von 8 Kindern armer Eltern. Im 11. Jahre verlor er seine Mutter und wurde hierauf von einem kinderlosen, vermöglichen Vetter, seinem Pathen, angenommen, der ihn zuerst die Secundarschulen in Schwanden besuchen ließ und ihn nachher für zwei Jahre in dem damals berühmten Brunschwyler’schen Privatinstitute in Stäfa am Zürichersee unterbrachte. Hier erhielt J. eine tüchtige kaufmännische Bildung, ganz besonders die Grundlagen für seine spätere große Gewandtheit in Handhabung der neueren Sprachen. Die nöthigen praktischen Geschäftskenntnisse erwarb er sich in dem angesehenen Hause J. R. Raschle & Co. in Wattwil, dem Mittelpunkte der Fabrikation von sogenannten Toggenburger Artikeln, d. h. bunten, meist für den überseeischen Export bestimmten Baumwollgeweben, und in einer Filiale des Glarner Hauses P. Blumer & Jenny in Ancona. – Kaum 18jährig, wurde der junge Kaufmann, mit bescheidenen Mitteln ausgerüstet, in die weite Welt gesandt, um sich in Ostasien eine Zukunft zu gründen. Nach einer schlimmen Seereise von 42 Wochen traf er in Singapore ein, begab sich aber nach Prüfung der dortigen Verhältnisse weiter nach Manila, das damals noch die meisten europäischen Artikel von Singapore bezog. J. traf dort allerdings schon ein Schweizerhaus (Labhart und Eugster); aber neben diesem und ganz wenigen anderen europäischen Firmen bot der trefflich gelegene Handelsplatz dem neuen [774] Ankömmling noch freien Spielraum genug. Er gründete sofort auf gemeinschaftliche Rechnung mit dem Hause Blumer & Jenny in Schwanden ein eigenes Geschäft, und die ersten Vertreter der glarnerischen Druckerei, der toggenburgischen Buntweberei, der zürcherischen Seidenstoff- und der baslerischen Seidenbandweberei, der westschweizerischen Uhrenfabrikation beeilten sich, dem rasch aufblühenden Hause ihre Fabrikate in Consignation zur Verfügung zu stellen. Daneben knüpfte J. auf verschiedenen Geschäftsreisen durch England, Frankreich und Holland überall neue Geschäftsverbindungen an. Das Ansehen, dessen sich die Firma erfreute, geht auch daraus hervor, daß ihr Chef von vier Staaten zu ihrem Consul in Manila ernannt und von der spanischen Regierung für seine dem Lande geleisteten Dienste mit einem Orden bedacht wurde. Im J. 1856 kehrte J. für bleibend in seine Heimath zurück, verheirathete sich und übergab nach und nach das von ihm gegründete Geschäft einem Bruder. Ihn selbst nahmen von der Zeit an die öffentlichen Angelegenheiten der Gemeinde, des Kantons und der Eidgenossenschaft immer mehr in Anspruch, indem ihn das Vertrauen seiner Mitbürger in alle möglichen Beamtungen berief, vom Schulrath in Schwanden bis zum Vertreter seines Heimathskantons an der Bundesversammlung, zuerst im Nationalrathe, dann im Ständerathe. Am meisten hat das ruhige, verständige Wort des Consuls Jenny in Bern gegolten bei Berathungen über Angelegenheiten des Handels und der Industrie, und auch in Glarus scheint die Stellung eines Präsidenten der kantonalen Handelscommission diejenige gewesen zu sein, in der er am meisten und liebsten gewirkt hat. In dieser Stellung hat er im J. 1869 vornehmlich den Anstoß gegeben zur Gründung des schweizerischen Handels- und Industrie-Vereins. Noch einmal trat J. in das geschäftliche Leben (1872) durch Betheiligung an dem großen Druckereigeschäft Blumer & Jenny in Schwanden als Associé und Chef. Doch begann er schon seit dem Jahre 1877 zu kränkeln, und am 11. November 1879 verschied er im Alter von kaum 55 Jahren. Seiner eifrigen gemeinnützigen Thätigkeit zumeist für Ersparniß- und Krankenkassen, sowie für die Errichtung eines Kantonshospitals entsprachen die reichen Vergabungen, die er selbst noch vor seinem Lebensende anordnete.